Mit Blutplasma die Aufzuchtleistung steigern

Seit 1. September 2005 ist die Verwendung von Blutplasma in der Ferkelfütterung wieder erlaubt. Viele Versuche zeugen von seinen leistungssteigernden Effekten. Worauf beruhen diese Effekte und ist der Einsatz von Blutplasma auch ökonomisch vertretbar?
Praktiker berichten, dass der Einsatz von Blutplasma besonders den kleineren Absetzferkeln zugute kommt.
Praktiker berichten, dass der Einsatz von Blutplasma besonders den kleineren Absetzferkeln zugute kommt.
Zusammenfassend fördern folgende Fütterungsmaßnahmen die Verdauung:

  • Frühes Anfüttern fördert Salzsäure- und Enzymproduktion
  • Hohe Futteraufnahme nach dem Absetzen fördert Darmzotten
  • Förderung des Immunsystems durch Darmgesundheit
  • Hochverdauliche Proteinträger verwenden
  • Rohstoffe mit geringer Säurebindungskapazität verwenden


Plasmaproteine fördern durch ihre hohe Verdaulichkeit die Trypsin-Aktivität (Eiweißverdauung) im Dünndarm. Gerade hier liegt ein großer Vorteil gegenüber Sojaproteinen, welche eine wesentliche Inhibitor–Aktivität aufweisen (Trypsininhibitor). Zudem können verschiedenen Oligosaccharide zu allergische Reaktionen führen. Auch die Futteraufnahme kann durch Blutplasma gesteigert werden. Ob dies an der Schmackhaftigkeit oder dem immunologisch verbesserten Gesundheitsstatus der Ferkel liegt, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Laut Ulrich Geier und Dr. Alfred Oster von der Landesanstalt für Schweinezucht in Forchheim sind die im Plasmaprotein vorhandenen Immunoglobuline für den verbesserten Gesundheitsstatus, Futterverwertung und täglichen Zuwachs verantwortlich.

Geringes Säurebindungsvermögen
Zusätzlich zur Förderung der Salzsäureproduktion ist der Einsatz von organischen Säuren im Absetzfutter sehr sinnvoll. Zum einen senken diese den pH-Wert im Nahrungsbrei und zum anderen haben organische Säuren auch eine antimikrobielle Wirkung auf Bakterien und Schimmelpilze. Allerdings wird die Säure auf dem Weg zum Darm durch verschiedene Säure bindende Bestandteile des Futters wieder verbraucht. Es ist daher wichtig, Futterkomponenten mit einem sehr geringen Säurebindungsvermögen einzusetzen. Sojaschrot und Fischmehl sind aufgrund des hohen Rohascheanteils stark säurepuffernd und sollen daher nur in geringen Mengen im Absetzfutter vorkommen.
Auch der Einsatz von nicht verdaulicher Rohfaser macht in der Absetzphase durchaus Sinn. Sie bildet im Nahrungsbrei ein Fasernetz. Der dadurch weniger kompakte Brei kann von Enzymen und Mikroorganismen so besser durchdrungen werden. Eine höhere Verdaulichkeit ist die Folge.

Ist Blutplasma ökonomisch vertretbar?
Bei dieser Frage gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Blutplasma (80 % Rohprotein) ist mit etwa €5,- pro kg ein relativ teures Produkt. Letztendlich konnten aber im angeführten Versuch die Grenzkosten durch die starke Leistungssteigerung beinahe gedeckt werden. Die Kosten je kg Zuwachs waren beinahe ident. Letztendlich muss die Anwendung aber einzelbetrieblich mit dem Fütterungsberater abgestimmt werden. Untersuchungen weisen jedenfalls darauf hin, dass sich gute Aufzuchtleistungen auch auf die spätere Mastleistung auswirken.

Autor: Roman GOLDBERGER, Rainbach


Aktualisiert am: 08.03.2007 18:21
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