Minister Berlakovich bei der Wintertagung in Aigen

Anlässlich der Grünland- und Viehwirtschaftstage der Wintertagung 2009 sprach der neue Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich über agrarpolitische Themen und stand den Besuchern Rede und Antwort.
„Ich weiß, dass die Bauern die Reformen satt haben, doch wir wissen, dass 2013 große Veränderungen anstehen und wir werden in den Bundesländern intensiv über die Bedürfnisse der Landwirte diskutieren um
Der Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich sprach erstmals in seiner neuen Funktion bei der Wintertagung.
Der Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich sprach erstmals in seiner neuen Funktion bei der Wintertagung.
uns auf die Änderungen 2013 einstellen können“, so der Minister über die aktuelle Agrarpolitik. „Seit kurzem gibt es eine enorme Preisvolatilität und ich hüte mich, Preise zu versprechen“, stellte Berlakovich klar. Er betonte aber, dass es Planungsgrundlagen geben muss. „Alle Experten sagten mir vor einem Jahr auf der Wintertagung, dass die Erzeugerpreise rauf gehen werden. Und was ist passiert? Die Preise gingen runter, da auch die Landwirtschaft Opfer der Spekulation geworden ist. Auch die Experten können irren“, gab der Minister zu bedenken.

Wenn wir von der Krise sprechen, kommt sie bestimmt
„Ich will eine flächendeckende Landwirtschaft nach 2013 in Österreich“ stellte der Minister klar. Berlakovich sprach auch davon, dass er eine Vision vom energieautarken Österreich habe. Die Region Güssing aus dem Heimatbundesland des Ministers könne hier als Vorbild dienen. Die Wirtschaftskrise streifte der Minister in seiner Rede nur kurz und sprach von der „Self fulfilling prophecy“ – „Wenn wir immer von der Wirtschaftskrise sprechen, kommt sie ganz bestimmt!“

Mehr verarbeitete Lebensmittel
DI Franz Sinabell vom Institut für Wirtschaftsforschung in Wien sprach davon, wer von den steigenden Lebensmittelpreisen profitiert. Sinabell berichtete, dass Lebensmittel vermehrt in verarbeiteter Form gekauft werden, da die Hausarbeit zugunsten Beruf und Freizeit reduziert wird. Aus diesem Grund sinkt der Wertanteil der landwirtschaftlichen Rohprodukte an den Ausgaben für Nahrungsmittel. Nur 21 % des Geldes, das für Nahrungsmittel ausgegeben wird, kommt auch tatsächlich beim Landwirt an. Sinabell appellierte an die Landwirte, sich auch die Kostenseite zu konzentrieren, da sie auf diese auch Einfluss nehmen können, auf den Produktpreise jedoch kaum. "Schauen Sie sich die großen Traktoren und die teuren Ställe an", gab Sinabell zu bedenken und erntete dafür Applaus.

Die Geister, die ich rief…
Der Vorsitzende des Milchausschusses der LK Österreich Josef Moosbrugger wünscht sich von der Wissenschaft konkretere Ansätze, als nur auf die Kosten zu schauen. „Die Geister, die ich rief, werd ich nicht mehr los“, zitierte Moosbrugger. Die Geister sind für Moosbrugger, die Butterberge, die sich wieder zu türmen beginnen. Für ihn ist eine schonungslose Marktanalyse notwendig, damit die Produktion an den Absatz angepasst werden kann. Moosbrugger stimmte dem Bauernbundpräsident Grillitsch zu, dass es auch in Zukunft einen Einheitswert und die Pauschalierung in der Landwirtschaft geben muss.

Podiumsdiskussion
In der Diskussion bat ein Landwirt die Politik, sich darum zu kümmern, dass die Reformen, die hauptsächlich für die Rinder gedacht waren, nicht für die „Fisch“ sind. Ein Besucher fragte, ob sich der Konsument noch auskenne, da es immer mehr Qualitätssiegel etc. gibt. Berlakovich antwortete, dass das AMA-Gütesiegel sowohl im In- als auch im Ausland für die österreichische Qualität garantiere. Er gab dem Fragesteller aber recht, dass die derzeitige Lebensmittelkennzeichnung leicht zu Verwirrungen führen kann, die allerdings behoben werden sollen.

Nicht jammern, sondern über Lösungen nachdenken
„Wir sollten unsere Energie nicht damit verschwenden, über den Wegfall der Quote zu jammern, sonder müssen über Nachfolgemodelle nachdenken“, so Berlakovich zum Thema Milchquote. Zur Diskussion um den Einheitswert stellte der Minister klar, dass es jedem Landwirt frei stehe, eine Buchführung zu machen, die meisten Landwirte allerdings von der Pauschalierung profitieren.


Aktualisiert am: 23.02.2009 17:36
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