Mineralstoffversorgung von Milchkühen aus dem Grund- und Kraftfutter

Die Mineralstoffversorgung der Milchkühe muss gezielt erfolgen. Dazu müssen einerseits die Gehaltswerte des Futters bekannt sein – am besten durch konkrete Futteranalysen – andererseits ist der Bedarf der Tiere in Abhängigkeit von der Milchleistung zu berücksichtigen. Eine nicht-bedarfsgerechte Versorgung kann sich negativ auf Leistung und Gesundheit und somit auf die Wirtschaftlichkeit auswirken und eine Überversorgung kann die Umwelt belasten.
Nicht nur die Gehalte an Energie und Protein, sondern in den allermeisten Fällen auch der Gehalt an den Mengen- und Spurenelementen gehen mit steigendem Rohfasergehalt stark zurück, d.h. sie sind eindeutig vom Vegetationsstadium abhängt.
Nicht nur die Gehalte an Energie und Protein, sondern in den allermeisten Fällen auch der Gehalt an den Mengen- und Spurenelementen gehen mit steigendem Rohfasergehalt stark zurück, d.h. sie sind eindeutig vom Vegetationsstadium abhängt.
Die Mengen- und Spurenelemente erfüllen wichtige Aufgaben beim Aufbau und im Stoffwechsel der Tiere. Sie haben im eigentlichen Sinn keinen Nährwert, sind jedoch zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen unentbehrlich. Daher ist deren bedarfsgerechte Versorgung eine Voraussetzung für Gesundheit und Leistung der Tiere. Die Gehalte an Mineralstoffen im Organismus werden über komplizierte Regelungsmechanismen gesteuert. Dies bedeutet, dass der Organismus unterschiedliche Versorgungsbedingungen innerhalb gewisser Grenzen auszugleichen versucht. Zu diesen ausgleichenden Prozessen gehören die Aufnahme aus dem Darm, die Speicherung und Mobilisierung im Körper, die Ausscheidung über Kot bzw. Harn sowie die Verteilung zwischen verschiedenen Körpergeweben. Kurzfristige und geringe Fütterungsfehler (Über- oder Unterversorgung) sind daher bei den Mineralstoffen häufig nicht zu erkennen. Aus physiologischen und ökologischen Gründen ist jedoch eine möglichst bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen zu fordern. Überschüsse belasten die Umwelt, und eine Unterversorgung kann langfristig die Leistung, Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere beeinträchtigen.
Als wesentliche Einflussgrößen auf die Versorgung an Mineralstoffen haben sich die Grundfutterqualität (Vegetationsstadium des Wiesenfutters), die Rationszusammensetzung (Art der Grundfutter, Rationstyp) und das Milchleistungsniveau (Bedarf der Tiere, Einfluss über die Kraftfutterergänzung) herausgestellt. In der vorliegenden Arbeit wird die Versorgung der Milchkühe an Mengen- und Spurenelementen in Österreich auf der Grundlage aktueller Produktionsbedingungen (Leistungsniveau, Rationszusammensetzung), des aktuellen Wissens zum Bedarf und zur Futteraufnahme sowie repräsentativer Nähr- und Mineralstoffgehalte beschrieben.

Fazit
Die Mineralstoffversorgung von Milchkühen wurde auf Basis aktueller Futteranalysen in Österreich und den Versorgungsempfehlungen der GfE über Modellrechnungen untersucht. Es wurden 14 verschiedene, praxisnahe Rationen berechnet (Sommer- und Winterfütterung; Grünland- und Feldfutter; Silomais). Die Kalkulationen zeigen, dass die Milchleistung, die Grundfutterqualität und die Art des Grundfutters die Versorgungslage an Mineralstoffen entscheidend beeinflussen. Der Einfluss der Milchleistung erklärt sich daraus, dass der Bedarf an den Mengenelementen mit der Milchleistung deutlich ansteigt und die Mineralstoffbilanz somit verschlechtert. Neben dem Bedarf wirkt sich auch der Mineralstoffgehalt des Kraftfutters auf die Mineralstoffversorgung aus, wobei sich Energie- und Proteinträger im Mineralstoffgehalt deutlich unterscheiden. Grund- und Kraftfutter ergänzen sich bezüglich Calcium und Phosphor positiv. Die Versorgung an Kalzium über Grünlandfutter (und natürlich über Leguminosen) ist gemessen am Bedarf sehr hoch, Maissilage erfordert dagegen eine Kalzium-Ergänzung. Der mit steigender Milchleistung über Energie- und besonders über Protein-Kraftfutter aufgenommene Phosphor deckt den Bedarf weitgehend ab, sodass eine Ergänzung über Mineralfutter nur bei niedriger Grundfutterqualität und hoher Leistung erforderlich ist. Von den Spurenelementen ist bei Mangan die Versorgung aus dem Grund- und Kraftfutter häufig bedarfsdeckend, dagegen sind Zink und Kupfer infolge zu niedrigen Gehaltes im Futter über Mineralfutter zu ergänzen.
Die Grundfutterqualität wirkt sich sowohl über den Gehalt an Mineralstoffen als auch über die Menge und Art des Kraftfutters auf die Versorgungslage aus. Mit steigendem Vegetationsstadium nimmt der Gehalt an Mineralstoffen ab und die Grundfutterqualität bestimmt die Höhe und Art der Kraftfutterergänzung. Der geringe Gehalt des Silomaises an Mineralstoffen im Vergleich zu Wiesenfutter ist zu berücksichtigen bzw. zu ergänzen, wogegen Leguminosen hohe Mengenelementgehalte aufweisen. Für eine betriebsspezifische Mineralstoffergänzung ist die regelmäßige (jährliche) Analyse des Futters zu empfehlen und auch erforderlich.

Autoren: Univ.-Doz. Dr. Leonhard GRUBER und Ing. Reinhard RESCH, LFZ Raumberg-Gumpenstein


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Aktualisiert am: 23.11.2009 16:31
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