Mineralfutter: Ist auch drin, was drin sein soll?

Am Markt gibt es eine breite Palette an Mineralfuttern für die Ferkelaufzucht und die Schweinemast. Die preislichen und inhaltlichen Unterschiede sind groß. Am Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen wurde überprüft, ob die Mineralfutterhersteller ihre Produkte an die neuen Versorgungsempfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) angepasst haben.
Am Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen wurden Mineralfutter auf ihre Inhaltsstoffe untersucht
Am Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen wurden Mineralfutter auf ihre Inhaltsstoffe untersucht
Am Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) wurden schwerpunktmäßig Mineralfutter aus dem Premiumsegment auf ihre Inhaltsstoffe überprüft, die von 14 namenhaften Herstellern stammten. Grundlage für den Vergleich war eine Standard-Mischung mit Weizen (11 % RP), Gerste (11 % RP), HPSojaschrot (47 % RP), Sojaöl und dem Mineralfutter der jeweiligen Hersteller mit deren Einsatzempfehlung. Die Ergebnisse des Vergleichs gelten auch für in Österreich übliche CCM-Rationen, da sich bei diesen Rationen die Ergebnisse nicht merklich ändern würden. Im Ferkelaufzucht-Futter II (FAZ II) wurde bei den Rationen keine zusätzliche Säure eingemischt, da einige der Mineralfutter diese bereits enthielten. Der Gerstenanteil betrug in allen Rationen mindestens 25 %.
Zunächst wurde berechnet, wie das entsprechende Mineralfutter für die Standard-Futtermischungen nach den neuen Versorgungempfehlungen aussehen müsste.

Aminosäuren
Nur zwei der Ferkelmineralfutter und ein Endmastmineralfutter konnten den Bedarf an Aminosäuren nach den neuen Versorgungsempfehlungen (DLG 2010) zu 100 % decken. 94 % der Mineralfutter konnten demnach die Versorgungsempfehlungen für Aminosäuren nicht erreichen. Auffällig ist weiterhin, dass viele Hersteller für die Konzeption ihrer Mast-Mineralfutter noch immer das alte Brutto-Aminosäurenverhältnis Lysin/Methionin/Threonin/Tryptophan (Lys/Met/Thr/Try) von 1/06/06/02 verwenden und nicht jenes der neuen Versorgungsempfehlungen auf Basis der Dünndarm-Verdaulichkeit (= praecaecalen Verdaulichkeit – pcV). Die GfE und die DLG haben nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen das Verhältnis von Lysin zu Methionin, von Lysin zu Tryptophan und den Kalzium- und Natriumbedarf reduziert sowie das Verhältnis von Lysin zu Threonin angehoben.
Dem geänderten Aminosäurenverhältnis sind bisher nur wenige der Mineralfutterhersteller nachgekommen. Es sei angemerkt, dass es bei einigen Herstellern wesentliche Abweichungen gab.

Ergebnisse
Eine bedarfsgerechte Ration ist Basis für gute Leistungen.
Eine bedarfsgerechte Ration ist Basis für gute Leistungen.
Die Ferkelaufzucht-Mineralfutter kann man im Durchschnitt als bedarfsgerecht einstufen. Im Mastbereich finden sich die größten Defizite beim preislich günstigen Threonin und beim Lysin. Mit teurem Methionin wird nur in der Vor- und Anfangsmast gespart. Methionin und Magnesium werden von vielen Herstellern über den Bedarf eingemischt, beim Threonin wird gespart. Hauptgrund dürfte die Zugrundelegung des alten Aminosäurenverhältnisses sein. Threonin kann somit zum wachstumsbegrenzenden Faktor werden.
Methionin und Magnesium wird eine beruhigende Wirkung auf das Schwein zugeschrieben. Hinter den höheren Gehalten könnte eine gewisse Vorbeugeintention der Hersteller gegen Kannibalismus stecken.

Wenn Landwirte betriebseigene Mineralfutter erstellen lassen bzw. die Preise unterschiedlich zusammengesetzter Mineralfutter vergleichen wollen, können sie die Berechnung mit Hilfe des kostenlosen Futterberechnungsprogrammes des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen selbst erstellen. Zum Download kommen Sie rechts.

Die weiteren Ergebnisse sowie ausführliche Tabellen zu den berechneten Abweichungen können Sie in der Ausgabe 17/2012 des Fortschrittlichen Landwirts nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.

Aktualisiert am: 24.08.2012 13:03
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