Milchviehhaltung in Frankreich auf dem Rückzug

In Frankreich wird die Zahl der Milchviehbetriebe nach Einschätzung der Fachleute bis 2030 oder 2035 deutlich schrumpfen. So kann bis dahin, laut einer Prognose, der Bestand an Milchviehbetrieben auf ein Zehntel seiner jetzigen Zahl schrumpfen.
Der Trend zu immer weniger, immer größeren Milchviehbetrieben dürfte sich in Frankreich sehr rasch vollziehen.
Der Trend zu immer weniger, immer größeren Milchviehbetrieben dürfte sich in Frankreich sehr rasch vollziehen.
Laut einer kürzlich vorgestellten Prognose des Instituts für Tierhaltung (Institut de l’Elevage) ist nicht auszuschließen, dass es in Frankreich in rund 25 Jahren nur noch zwischen 20.000 bis 30.000 Milchviehbetriebe geben wird, verglichen mit 200.000 im Jahr 1990.

Eingestellte Beihilfen als Grund
Eine Vielzahl von Milcherzeugern hätten sich im Zuge der 1992 gewährten Hilfen im Rahmen der EU-Agrarpolitik niedergelassen, als Brüssel sowohl den Produktionsausstieg wie auch die Übernahme durch junge Hofnachfolger gefördert habe, erläuterte Christophe Perrot, der für die Studie verantwortlich zeichnet. Als Folge dieser Politik seien im Jahr 2000 etwa 37% der Milchviehhalter jünger als 40 Jahre gewesen. Nach der Einstellung der Hilfen sei die Übernahme von französischen Milchviehbetrieben in den Jahren 1997 bis 2001 aber schon deutlich geschrumpft. Zwischen 2000 und 2007 entstand Perrot zufolge eine „demographische Lücke“ von rund 7.500 Hofnachfolgern, die nicht mehr gefüllt werden könne.

Quotenanstieg, Kreditprobleme und Pensionierungswelle
Infolge des damit verbundenen Alterungsprozesses müsse man davon ausgehen, dass bereits 2014 etwa die Hälfte der Betriebsleiter älter als 50 Jahre sei. Milchproduzenten, die sich Ende der neunziger Jahre niedergelassen haben, gehen laut Prognose des Fachinstituts größtenteils im Zeitraum 2015 bis 2020 in Rente, was zeitlich mit dem EU-weiten Quotenausstieg zusammenfalle. Perrot äußerte große Zweifel, inwieweit dann Betriebsnachfolger zu finden seien. Hinzu dürften Kreditprobleme bei den Banken kommen. Außerdem könnten im Zuge der Beihilfenentkopplung durch die EU-Agrarreform Junglandwirte möglicherweise andere Produktionsausrichtungen mit einer höheren Rentabilität bevorzugen.

Gezielte Politik als Absicherung
Eine dauerhafte Zahl von 30.000 Milchviehbetrieben in Frankreich kann nach Einschätzung von Perrot nur mit Hilfe einer gezielten Ansiedlungspolitik erreicht werden. Um das derzeitige Milchaufkommen Frankreichs auch künftig zu garantieren, müssten die Betriebe ihre Jahresproduktion im Schnitt auf 900.000 l erhöhen, wobei die Erzeugung im Flachland 1,5 Mio. l betragen sollte. Dieses Ziel setzt Perrot zufolge jedoch einen Strukturwandel der Branche voraus. (AgE)

Autor:
Aktualisiert am: 08.03.2011 07:27
Landwirt.com Händler Landwirt.com User