Milchvieh: Nicht um jeden Preis wachsen

Entwicklungsschritte in der Milchviehhaltung spielen sich zwischen den engen Grenzen von Liquidität und Rentabilität ab. Wann und für wen sich ein Stallbau oder Milchquotenkauf lohnt, zeigt dieser Beitrag.
Oftmals können die Finanzierungskosten von Betriebserweiterungen durch die richtige Wahl der Kreditform reduziert werden.
Oftmals können die Finanzierungskosten von Betriebserweiterungen durch die richtige Wahl der Kreditform reduziert werden.
Um die langfristigen Perspektiven des Einzelbetriebes auszuloten, ist eine umfassende Auswertung der Vollkosten notwendig. In der Praxis können nur sehr wenige Betriebe ihre Vollkosten decken. Erfolgreiche Milchviehhalter benötigen dazu einen Milchpreis von mehr als 33 ct je kg Milch inkl. Zuschläge und USt. Im Durchschnitt aller Milchbauern kann erst bei Milchpreisen von mindestens 38 ct je kg Milch eine Vollkostendeckung erreicht werden. Hier sind die Molkereien gefordert, den Milchpreis auf dem derzeitigen Niveau zu halten und wieder zu steigern. Trotzdem müssen alle Milchviehhalter ihre betrieblichen Planungen überdenken.

Denn bei der derzeitigen Rentabilität und den aktuellen Milchquotenpreisen ist ein Ausbau der Milchproduktion nicht für alle Betriebsleiter empfehlenswert. Um die Wirtschaftlichkeit zu prüfen ist eine kritische Analyse der Erträge, der Direktkosten sowie der Fixkosten für jeden Betrieb unumgänglich. Dabei sollte die Liquidität des Betriebes besonders beachtet werden. Denn eine langfristige, betriebliche Perspektive gibt es nur, wenn kurzfristig keine nennenswerten Liquiditätsengpässe auftreten. Dass heißt, der Betrieb muss seinen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen können.

Produktionsausstieg?
Danach ist die langfristige betriebliche Perspektive der Milcherzeugung zu analysieren und zu definieren.
Dabei sollten sich Betriebe durchaus auch mit dem Ausstieg aus der Milchproduktion befassen und zwar vor allem jene, die:
-kurzfristig keine überdurchschnittliche Rentabilität erwirtschaften werden
-große Investitionsrückstände aufweisen und kein nennenswertes Eigenkapital zur Verfügung stellen können
-eine Einkommensalternative haben (rentablerer Betriebszweig, außerlandwirtschaftliches Einkommen etc)
-die Milcherzeugung kurz- bis mittelfristig (unter 8 Jahre) aufgeben werden.
Diese Betriebsleiter sollten die derzeitig guten Schlacht- und Zuchtviehpreise sowie die teils hohen Milchquotenpreise zum Ausstieg aus der Milcherzeugung nutzen. Das freigesetzte Kapital (Milchquote, Umlaufkapital) kann vielfach in rentablere Betriebszweige investiert oder zur Entschuldung verwendet werden.
Dagegen müssen Betriebe, die langfristig in der Milcherzeugung verbleiben möchten, die nächsten Jahre für weiteres kontinuierliches Wachstum nutzen. Dieses sollte immer unter besonderer Beachtung der vorhanden Produktionsfaktoren, des Hofstandortes sowie der finanziellen und arbeitswirtschaftlichen Situation erfolgen.

Diskussion:
Milchleistung steigern, Stall bauen, Milchkontingent kaufen oder mehr Lebensqualität für sich selbst und die Familie schaffen – was hat für Sie Vorrang?
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Autor: DI Bernd LÜHRMANN, LWK Niedersachsen


Autor:
Aktualisiert am: 19.04.2007 11:25
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