Milchquote: Heimische Bauern geben bei Anlieferung weiterhin Gas

Trotz der sich bereits deutlich abzeichnenden uotenüberschreitung für 2010/11 steigen die heimischen Milchbauern mit ihren Anlieferungen weiter aufs Gas. Die AMA rechnet in ihrem jüngsten Milchbarometer mittlerweile mit einer Quotenüberschreitung von knapp 22.000 t und einer daraus resultierenden Zusatzabgabe von 6,1 Mio. Euro.
Österreich blüht, dank der neuerlichen Überlieferung der Quote, eine Zusatzabgabe von über 6 mio. Euro.
Österreich blüht, dank der neuerlichen Überlieferung der Quote, eine Zusatzabgabe von über 6 mio. Euro.
Im Jänner 2011 war die Liefermenge um 4,3% höher als im Vorjahr, in der ersten Februar-Dekade waren es +3,8% und im zweiten Februar-Drittel +5,2%. Die Agrarmarkt Austria geht in ihrer jüngsten Prognose für das gesamte Milchjahr (01.04.2010 bis 31.03.2011) von einer nationalen Quote für Lieferungen (A-Quote) in der Höhe von 2,814.410 t aus.

Wenig Zeit für Korrekturen
Im Zeitraum April 2010 bis zur zweiten Februar-Dekade 2011 wurden 2,487.699 t Milch an die heimischen Molkereien und Käsereien geliefert. Damit wurde das Vorjahresniveau um 3,6% übertroffen. Unter Berücksichtigung der sogenannten Fettkorrektur im Umfang von 32.875 t ergab sich eine Anlieferungsmenge von 2,520.574 t. Diese lag bereits um 0,9% beziehungsweise 21.965 t über der anteiligen Quote. Aus dieser Überlieferung ergäbe sich bereits eine Zusatzabgabe von 6,1 Mio. Euro (27,83 Cent je kg), die an die EU abzuführen ist. Bis Ende März haben die Milchbauern noch Zeit, mit ihrem Anlieferungsverhalten diese Abgabe zu verringern.

Erzeugermilchpreis stieg im Jänner geringfügig an
Der Aufwärtstrend des österreichischen Erzeugermilchpreises hat sich im Jänner 2011 fortgesetzt. Im Mittel zahlten die heimischen Molkereien 38,75 Cent brutto je kg beziehungsweise 34,60 Cent netto (ab Hof, bezogen auf 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß). Dies bedeutet gegenüber dem Vormonat Dezember eine Erhöhung um 0,04 Cent netto beziehungsweise 0,05 Cent brutto. Der für Jänner ermittelte Wert von 34,60 Cent netto bezieht sich auf den Durchschnitt aller Qualitäten. Zieht man dabei nur den Auszahlungspreis für konventionelle Milch heran, so kommt man auf einen Mittelwert von 33,71 Cent je kg, während für Biomilch im Schnitt 40,01 Cent netto gezahlt wurden.

Molkereien steigerten 2010 Käseproduktion deutlich
Die heimischen Molkereien haben im Kalenderjahr 2010 mehr Milch übernommen und dem entsprechend auch ihre Verarbeitungsmenge erhöht. Laut vorläufigen Berechnungen der AMA wurde die Erzeugung von flüssigen Milchprodukten um 0,8% auf rund 1,090.700 t angehoben, wobei sich bei frischer Trinkmilch ein weiterer Rückgang um 11% ergab, während die Herstellung der länger haltbaren ESL-Milch um weitere 18% gesteigert wurde. Die Butterproduktion wurde um 2,4% auf rund 33.100 t erhöht, bei Käse (inklusive Topfen) ergab sich sogar ein Plus von 5,7% auf 153.600 t. Deutlich eingeschränkt wurde gleichzeitig der Ausstoß bei Vollmilchpulver, und zwar um 51,7% auf 251 t. Bei Magermilchpulver wurde hingegen die Menge um 19,7% auf 6.160 t gesteigert.

Europäischer Milchmarkt 2010: Höhere Preise - sinkende Lagerbestände
Die EU-27 war 2010 bis Jahresmitte von einer rückläufigen Milchanlieferung geprägt. Erst ab August konnten die Mengen das Vorjahresniveau übersteigen. Am stärksten stiegen die Anlieferungen in Irland (+9%), Frankreich (+2,9%), Großbritannien (+2,7%), Deutschland (+1,5%) und den Niederlanden (+1,4%). Größere Erzeugerländer wie Polen (-1,6%) und Italien (-1,4%) mussten einen Rückgang der Milchmenge hinnehmen. Deutliche Einschränkungen verzeichneten auch Ungarn (-10%), Bulgarien (-8,4%), Rumänien (-7,8%) und die Slowakei (-6,1%). Insgesamt wurden im abgelaufenen Jahr an die Molkereien und Käsereien der EU-27 rund 136 Mio. t Milch angeliefert. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Anstieg 1,8 Mio. t oder 1,3%.
Mehr Milch dank höherer Preise
Das wieder lebhaftere Milchaufkommen war teilweise dem stetig gestiegenen Erzeugermilchpreis zu verdanken. Lag er im März noch bei knapp 29 Cent/kg netto, wurden im August rund 31 Cent bezahlt. Im Dezember wurde der höchste Preis 2010 mit knapp 34 Cent/kg ausgewiesen. (AIZ)

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Aktualisiert am: 09.03.2011 21:28
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