Milchquote – Quo vadis?

Hochrangige Experten aus Brüssel und Österreich informierten und diskutierten im Rahmen einer vom Bauernbund organisierten Milchwirtschafts-Tagung in Gmunden über die politischen Rahmenbedingungen für den EU-Milchmarkt.
Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch hörte sich die Anliegen der Milchbauern an und möchte weitere Staaten zur Beibehaltung der Quote bewegen.
Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch hörte sich die Anliegen der Milchbauern an und möchte weitere Staaten zur Beibehaltung der Quote bewegen.
„Eine aktive Milchpolitik ist der Garant für eine Zukunft der Milchproduktion in Österreich. Der Österreichische Bauernbund setzt sich klar für eine Verlängerung der Quotenregelung ein“ merkte Bauernbundpräsident Grillitsch auf der Tagung an und entdeckt sich und den Bauernbund als Kämpfer für die Milchquote: „Wir kämpfen mit voller Kraft gegen die Total-Liberalisierung des EU-Milchmarktes, um unsere Milchbauern in den benachteiligten Gebieten des Alpenraumes zu schützen.“

Sieben Staaten für Quote
Die Diskussion um die Milchquote erwächst zur zentralen Frage für die heimischen Milchbauern. „Eine Fortführung des Milchquotensystems der EU über das Jahr 2015 hinaus scheint nach derzeitigem Stand der Dinge als unwahrscheinlich“, erläuterte der Milchexperte der Europäischen Kommission Thorkild Rasmussen. Es gibt derzeit sechs Länder, die als Verbündete gemeinsam mit Österreich für eine Verlängerung der Quotenregelung eintreten – Finnland, Portugal, Spanien, Frankreich, Slowenien und Griechenland. Bauernbundpräsident Grillitsch möchte weitere Verbündete suchen: „Ich habe bereits auf mehren Ebenen in Brüssel und im benachbarten Bayern unsere Sorgen angesprochen.“

Entscheidungen im Jahr 2008
Das jetzige Quotensystem bietet laut Rasmussen mehr Nachteile als Vorteile, da die Quoten Wettbewerbsfähigkeit und Strukturentwicklung hemmen würden. Diese hätten in der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik keine Rechtfertigung mehr. Im kommenden Jahr werden im Rahmen des Health Check der GAP zudem wichtige und zukunftsweisende Entscheidungen hinsichtlich des Europäischen Milchmarktes fallen.
Leopold Kirner von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft forderte in seinen Ausführungen zum Erstellen von Betriebskonzepten auf. „Eine Änderung der Milchquotenregelung fördert das einzelbetriebliche Wachstum und eröffnet Chancen für Betriebe mit größerem Wachstum, während Betriebe mit stagnierender Produktion benachteiligt werden“, fasste Dr. Kirner zusammen.

Sicherheitsgurte für Quotenausstieg
Christian Rosenwirth, BMLFUW, bestätigte, dass sich Österreich weiterhin für eine Verlängerung der Milchquotenregelung einsetzen werde. „In Österreich kommen 80 % der Milchproduktion aus dem benachteiligten Gebiet – davon 65 % aus dem Berggebiet. Daher sind Wettbewerbsnachteile gegenüber Gunstlagen in anderen Gebieten Europas zu befürchten“, mahnte Rosenwirth und ergänzt seine Ausführungen: „Bevor Österreich ein Zugeständnis zum Quotenauslauf machen kann, brauchen wir eine Zusage für konkrete Begleitmaßnahmen. Wenn es zum Ausstieg kommt, dann brauchen wir ein Sicherheitsnetz.“

Vom Landwirtschaftsministerium wurde eine österreichische Milchquotenstudie in Auftrag gegeben, die als Entscheidungshilfe für Politik, Milchproduzenten und Molkereien dienen soll. Die Ergebnisse werden im Spätsommer 2007 vorliegen.


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Aktualisiert am: 23.05.2007 14:35
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