Milchproduktpreise überraschen mit Preissprüngen

Joachim Ruhmann kommentiert die jüngsten Preissprünge der Milchproduktpreise. Diese Entwicklung führt er unter anderem auf Versorgungsengpässe auf der Südhalbkugel zurück.
Versorgungsengpässe auf der Südhalbkugel bedingen einen kräftigen Anstieg der Milchproduktpreise.
Versorgungsengpässe auf der Südhalbkugel bedingen einen kräftigen Anstieg der Milchproduktpreise.
Wie berichtet, springen die Vollmilchpulvernotierungen um 21 % oder 801 US- $ auf 4092 US- $ /t bei der April Auktion der neuseeländischen Molkerei Fronterra, dem Weltmarktführer bei Milchprodukten, an. Versorgungsengpässe bei dieser Produktlinie auf der Südhalbkugel bedingen diese Situation. Einmal beginnt dort die Winterzeit, die Milchkühe werden von der Weide in die Ställe getrieben .Das geht mit der Umstellung des Futterregimes von Grünfutter auf vermehrten Einsatz von Kraftfutter einher und beeinträchtigt vorübergehend die Milchleistung. Das erklärt aber nur 9 % des mittleren saisonalen Preisanstiegs gegenüber März seit 2003. 21 % stellt aber der doppelte Wert dar und wurde letztmalig im Juli 2008 kurz vor dem Platzen der Spekulationsblase für Aktien aber auch einer Vielzahl Rohstoffe gesehen.

Mehrproduktion auf der Nordhalbkugel
Einen größeren Preissprung in dieser Zeit verhindert die beginnende Mehrproduktion auf der Nordhalbkugel. Der letzte Winter mit seinen ungewöhnlich langen und niedrigen Temperaturen in der gesamten europäischen Gemeinschaft verzögert gegenwärtig den Grünlandaufwuchs. Dadurch verspätet sich der Austrieb der Milchkühe auf die Weide. Damit nicht genug. Denn zugleich wächst die Nachfrage vor allem aus China nach Milchpulver. Denn auch im neuen Jahr wurde verschiedentlich mit Melamin kontaminiertes Milchpulver entdeckt. Das Vertrauen der dortigen Verbraucher in landeseigene Milchprodukte leidet nochmals. Dies lassen die Produkte aus heimischen Molkerein in den Regalen des Einzelhandels. Ausländische Erzeuger füllen mit ihren Milchprodukten diese Lücke.

Verbesserung der Milchpreise rückt näher
Chinesische Einkäufer schwärmten dazu in den letzten Monaten vor allem nach Australien und Neuseeland aus, um die fehlenden Mengen zu erstehen. Beides zusammen verursacht diesen Versorgungsengpass, der diesen extremen Preisanstieg auslöst. Nicht sicher ist aber derzeit, ob sich das alles nur als ein Preisstrohfeuer erweist. In den letzten Jahren zeigen die Ergebnisse dieser monatlichen Auktionen mit etwa dreimonatiger Verzögerung Wirkung. Dies gilt insbesondere für die Preisrichtung. Bleibt aus auch in Zukunft dabei, lassen sich daraus eine preisliche Unterstützungslinie ableiten. Damit dürfte das saisonale Preistief im kommenden Monat bei den Milchauszahlungspreisen in diesem Jahr nicht so ausgeprägt ausfallen, vielleicht fällt es sogar damit ganz aus. Die Anfang dieses Jahres an dieser Stelle vorhergesagte Verbesserung der Milchpreise um 3 bis 6Cent/kg gegenüber dem Vorjahr rückt damit etwas näher.


Aktualisiert am: 08.04.2010 18:16
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