Milchproduktion im Berggebiet – ist sie noch wirtschaftlich?

Das Jahr 2013 steht für große Herausforderungen für die künftige Milchproduktion im österreichischen Berggebiet. Der zweite Teil des Beitrages zeigt mögliche Strategien, die das Überleben der bergbäuerlichen Familienbetriebe unterstützen.
Im Beispiel wurde für einen fiktiven Bergbauernbetriebes mit 15 Milchkühen und 5.500 kg produzierte Milch je Kuh und Jahr verschiedenen Anpassungsstrategien durchgerechnet.
Im Beispiel wurde für einen fiktiven Bergbauernbetriebes mit 15 Milchkühen und 5.500 kg produzierte Milch je Kuh und Jahr verschiedenen Anpassungsstrategien durchgerechnet.
Das gerechnete Beispiel kann nicht die große Streubreite betrieblicher und familiärer Situationen abdecken, dennoch lässt sich klar sagen, dass ohne Anpassungen die Wirtschaftlichkeit und Liquidität eines bergbäuerlichen Milchviehbetriebs auf Dauer nicht gewahrt werden kann. Zu den Annahmen kommt hinzu, dass erfahrungsgemäß die jährlichen Lebenshaltungskosten steigen. Daraus ergeben sich je nach Betriebssituation und familiären Präferenzen folgende Strategien für bergbäuerliche Milchviehbetriebe:
• Forcierung der Erwerbskombination: Lässt sich die Produktion nachhaltig weder verbessern noch spürbar ausdehnen, muss längerfristig mehr Geld in anderen Betriebszweigen (Forstwirtschaft, UaB etc.) oder im außerbetrieblichen Erwerb verdient werden. Wichtig ist hier, dass auch bei ungefähr gleich bleibender Produktionsmenge die Effizienz des Arbeitseinsatzes in der Milchproduktion verbessert wird, um Arbeitskapazitäten für andere Erwerbsformen frei zu spielen. Diese Strategie dürfte häufig in extrem benachteiligten Bergbauernbetrieben anzuwenden sein, da Änderungen der Produktionen engere natürliche Grenzen gesetzt sind.
• Ausdehnung der Produktion: Diese Strategie können spezialisierte Bergbauernbetriebe mit der Möglichkeiten des betrieblichen Wachstums einschlagen. Voraussetzung dazu sind eine überdurchschnittliche Produktionstechnik sowie die kostengünstige Beschaffung von fixen Produktionsfaktoren (Fläche, Stallplätze, Lieferrechte etc.). Die Arbeitsabläufe sind zu optimieren (Gefahr der Arbeitsüberlastung) und die Risiken des Wachstums müssen realistisch eingeschätzt werden. Bergbauernbetriebe mit geringeren Standortnachteilen besitzen eher die Voraussetzungen für diese Strategie, wie die Verlagerungen der Milchquoten seit 1995 beweisen.
• Produktdifferenzierung und Nischenstrategie: Die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion im Berggebiet kann auch dadurch abgesichert werden, wenn durch Verarbeitung und/oder Direktvermarktung sowie durch Bioproduktion die Wertschöpfung des Milchverkaufs erhöht wird. Wichtig bei dieser Strategie sind ebenso persönliche Neigungen und eine professionelle Umsetzung.

Fazit
Wie auch in der Vergangenheit, müssen bergbäuerliche Milchviehbetriebe auch in den nächsten Jahren ihre Strategien anpassen, um die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes zu sichern. Eine nachhaltige Milchproduktion im Berggebiet braucht somit klare Strategien über die künftige Ausrichtung für Familie und Betrieb. Ob die Zukunft mehr in der Milchproduktion oder in anderen Erwerbszweigen liegt, ist betriebsindividuell sorgfältig zu prüfen.

Autor: Dr. Leopold KIRNER, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, Wien


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Aktualisiert am: 04.11.2009 15:44
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