Milchproduktion: Irlands Strategien

Irlands Milchbauern produzieren viel Milch kostengünstig aus Weidegras. Wir haben 3 Landwirte nach ihren Betriebsstrategien befragt.
Irlands Bauern erfahren aus dem Wetterbericht, wie gut das Gras gerade wächst und können so ihre Koppeln optimal einteilen.
Irlands Bauern erfahren aus dem Wetterbericht, wie gut das Gras gerade wächst und können so ihre Koppeln optimal einteilen.
Die Milchbauern auf der „Grünen Insel“ Irland versuchen schon seit jeher, möglichst viel Milch aus Gras zu ermelken. 90 % von ihnen lassen ihre Kuhherden saisonal abkalben. Um auch den Bedarf an Trinkmilch zu decken, gibt es die so genannten „Liquid Milk“-Verträge. Ein Landwirt, der mit seiner Molkerei einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, ist Michael Downing aus Whitechurch im County Cork. 65 % seiner Kühe kalben wie die meisten Kolleginnen auf der Insel im Frühling ab, 35 % im Herbst.

Zuschlag für Wintermilch zu gering
„Im Winter bekommen wir einen Aufschlag dafür, dass wir Milch liefern. Dieser Aufschlag ist aber zu gering, um die Mehrkosten der Ganzjahresmilchproduktion zu decken“, erklärt uns der Landwirt. Derzeit erhält er 5 Monate lang rund 3,5 Cent mehr pro Liter als jene Betriebe, bei denen im Winter die Melkmaschinen still stehen. „Wir wohnen in einem guten Gebiet für Milchproduktion aus Gras, solange es nicht zu nass ist“, schildert Michael Downing. Bei starkem Regen lässt er die Kühe nach jeder Melkzeit nur etwa 3 h auf die Weide und nicht ganztägig, um die Weideflächen zu schonen. Die Zeit ist begrenzt, damit sie in der kurzen Zeit zügig fressen.

Einfache Systeme
Shane Fitzgerald aus Ballynoe, Cork, verfolgt sehr konsequent eine Low-Cost-Strategie. Er lässt die gesamte Herde saisonal abkalben. Um die nötigen Besamungserfolge zu erzielen, kreuzt er mit Jersey, Neuseeländischen Friesen und Norwegischem Rotvieh ein. Seinen Betrieb vergleicht er mit der berühmtesten Billigfluglinie: „Meine Philosophie ist wie die von Ryanair. Ich will mit geringen Kosten und einem einfachen System einen maximalen Output erzielen.“ In Quote möchte er nicht mehr investieren, da er nicht denkt, dass sich diese Investition bis 2015 amortisieren würde.

Stall ohne Wände und Dach
Seine Kühe grasen 285 Tage lang. Die verbleibenden 80 Tage sind sie sehr einfach untergebracht. Nur zu Beginn der Laktation bekommen sie 2 bis 3 kg Kraftfutter im Melkstand. Im vergangenen Jahr errichtete Familie Fitzgerald einen neuen „Stall“, ganz im Sinne der „Low-Cost-Housing“ Idee. Auf den ersten Blick ist dieser nicht als Stall zu identifizieren, da er weder Wände noch ein Dach hat. Diese Behausung wird schichtweise aufgebaut und ist mit Holzspänen eingestreut. Das Klima in Irland ist sehr mild. Es gibt jährlich nur wenige Tage mit Minusgraden. Sein Stallkonzept lässt sich für Mitteleuropäische Milchviehbetriebe freilich nicht adaptieren. Das kontinentale Klima und unsere Tierschutzgesetze verlangen zumindest über dem Liegebereich ein Dach.

Fazit
Die Iren verstehen es, ihre Produktionskosten gering zu halten. Man muss aber fairerweise anmerken, dass sie für die Vollweide ideale Klimaverhältnisse haben, die Mitteleuropa nicht bietet. Ihr Kostenbewusstsein ist allerdings vorbildlich. Sie halten die Kosten für Gebäude und Landmaschinen so gering wie möglich und können dadurch Preistäler überdauern und bei hohen Milchpreisen Geld verdienen.

Autorin: DI Stephanie GROSSPÖTZL, Sigharting


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Aktualisiert am: 21.07.2009 10:13
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