Milchpreis am Boden

Der Milchpreis ist auf Talfahrt und ein Ende nicht in Sicht. Verantwortlich dafür ist aber nicht nur die EU mit dem Ende der Milchquote. Auch Russland, China, Neuseeland und die USA haben dazu beigetragen.
Deutsche Molkereien zahlen im Schnitt weniger als 30 Cent pro Kilogramm Milch. (Foto: Wolfgang Dirscherl/pixelio.de)
Deutsche Molkereien zahlen im Schnitt weniger als 30 Cent pro Kilogramm Milch. (Foto: Wolfgang Dirscherl/pixelio.de)
Etwas mehr Milch bei gleichzeitig weniger Nachfrage sorgte in den vergangenen Monaten für einen Preisverfall auf dem Milchmarkt. Die Schuld lässt sich weder dem Ende der Mengenregulierung in der EU, noch der Mehrproduktion in Neuseeland zuschieben.

Schon im letzten Jahr zeichnete sich ab, dass EU-Bauern auf einem freieren Markt mehr Milch produzieren werden. Der Preis war in 2014 noch immer auf einem hohen Niveau. Deutsche Molkereien zahlten durchschnittlich 37 Cent/kg, bayerische 39 Cent/kg. Zeitgleich fragte der Weltmarkt aber immer weniger Milch nach.

Chinas Milch-Durst eingebrochen
Der große chinesische Durst nach Milch, der jahrelang zu beobachten war, hielt auch in den ersten Monaten von 2014 an. Im weiteren Jahresverlauf ließ er aber deutlich nach. Die schwächelnde Konjunktur führte dazu, dass sich das Land aus den eigenen Lagern bediente und weniger importierte. Zeitgleich förderte China die eigene Produktion. Weil die Preise zu sinken begannen, warteten Importeure ab und kauften nur notwendige Mengen Milch.

Russland will keine EU-Milch
Vor dem Embargo war Russland für die EU der drittwichtigste Milch-Abnehmer. Im August 2014 verhängte Russland im Zuge der Ukrainekrise eine Importsperre für Milchprodukte aus der EU und weiteren westlichen Ländern. Damit kamen die Lieferungen nach Russland über Nacht fast vollständig zum Erliegen. Bedingt durch den Importstopp und die dortige Wirtschaftskrise fragte Russland am Weltmarkt insgesamt weniger nach. Die Warenströme konnten sich kurzfristig auch nicht auf andere Lieferanten umverteilen.

Mehr Milch, weniger Nachfrage
Nach bisherigen Zahlen hat die EU 2015 nur etwas weniger Milch und Milchprodukte auf den Weltmarkt exportiert als im Vorjahr. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich die Käseausfuhren nach Russland. Zwar lieferte die EU mehr Milchprodukte in die USA, nach Japan, Südkorea und Ägypten. Ganz ausgleichen konnte sie das Russland-Embargo aber nicht. Zurückgegangen sind ebenso die Exporte von Vollmilchpulver. Vor allem Neuseeland als größter Vollmilchpulver-Produzent drängt zunehmend auf die Märkte. Aus dem abgelaufenen Milchjahr verabschiedete sich Neuseeland mit einem Rekordergebnis. Das Angebot bündelt vor allem ein Konzern, Fonterra. Doch auch dort befindet sich der Preis nun im Keller.

Die Situation ist verfahren. Der Markt hat mehr Milch, als er verbraucht. Große Abnehmer wie China räumen ihre Lager, Russland verbraucht weniger, und große Produzenten wie Neuseeland lagern derweil Milchpulver ein. Um welche Mengen es sich handelt, gibt der Staat nicht preis. Marktexperten können nur mutmaßen. Ein weiterer Grund für nervöse Märkte.

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Foto: Wolfgang Dirscherl/pixelio

Autor: Lena Adlhoch
Aktualisiert am: 23.07.2015 11:23

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