Milchpreis: Landwirtschaftskammer fordert Molkereireformen

Vor dem Hintergrund sinkender Bauernmilchpreise will nun der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, auch die heimischen Molkereien in die Pflicht nehmen und fordert Strukturreformen.
Wie soll die heimische Molkereilandschaft in Zukunft aussehen?
Wie soll die heimische Molkereilandschaft in Zukunft aussehen?
"Wir werden in Österreich Strukturen überdenken und Synergien heben müssen und überlegen, wie die heimische Molkereilandschaft künftig aussehen soll", sagte der Kammer-Chef im Gespräch mit der APA.

Normalisierung des Marktes mittelfristig absehbar
Auch die großen Molkereien sollten überlegen, wie sie enger zusammenarbeiten könnten. Experten in Brüssel gehen davon aus, dass sich die Lage auf dem EU-Milchmarkt, der derzeit von dramatisch sinkenden Erzeugermilchpreisen geprägt wird, mittelfristig, in zwei bis vier normalisieren werde, berichtete Wlodkowski nach einer Experten-Sitzung in Brüssel. In Anbetracht dessen sei von allen Ländern massivst eingefordert worden, dass die EU "die Preise nicht ins Uferlose fallen lässt und damit Existenzen vernichtet werden". Betroffen sei aber nicht nur die Milch, sondern auch Fleisch und Getreide.

Konsum stark zurückgegangen
"Wir müssen den Milchmarkt freier bekommen", brachte es der LK-Präsident auf den Punkt. Tatsache sei, dass der Konsum EU-weit zurückgegangen sei. In Kombination mit den höheren Importen gebe es in der Union derzeit 8 Mio. t zuviel Milch - obwohl die Anlieferung im abgelaufenen Milchwirtschaftsjahr um 2% zurückgegangen sei. Zum Vergleich: Die österreichische Milchanlieferung liegt bei 2,7 Mio. t pro Jahr.
Ein mögliches Ventil für den Milchüberschuss sieht Wlodkowski in der Förderung von Milch für die Industrie. Wie berichtet, wurde aufgrund der zuletzt hohen Preise bei der Erzeugung von Backwaren und Speiseeis Milchfett (Butter) durch Pflanzenfett ersetzt. Gemeinsam mit Exporterstattungen und Einlagerungshilfen könnte diese Maßnahme verhindern, dass es zum "absoluten Chaos" am Milchmarkt komme.

Abrechnungssystem bleibt erhalten – mehr Quotendisziplin gefordert
Am österreichischen Abrechnungssystem für die Milchquoten, der so genannten Saldierung (am Ende des Milchwirtschaftsjahres werden Über- und Unterlieferungsmengen gegengerechnet), will Wlodkowski nach einer Entscheidung des Milchausschusses festhalten. Er befürchtet, dass bei einer Änderung dieses Systems zum einen der Handel mit Quoten - und damit deren Preise - wieder stark zunehmen könnten und zum anderen mehr Betriebe von einer Strafzahlung betroffen wären. Vielmehr sollten die Molkereien ihre Milchlieferanten zur freiwilligen Lieferrücknahme bewegen, meinte der Kammer-Präsident. Aber auch mehr Quotendisziplin von den Milchbauern sei notwendig. (AIZ)


Autor:
Aktualisiert am: 27.05.2009 14:56
Landwirt.com Händler Landwirt.com User