Milchmarkt und WTO bestimmen bilaterale Gespräche mit Schweizer Bauern

Das Präsidium der Landwirtschaftskammer Österreich, vertreten durch die Präsidenten Gerhard Wlodkowski (LK Ö und Stmk) und Franz Essl (LK Sbg) sowie Vizepräsident Johann Mössl (Ktn) und Generalsekretär August Astl, traf vorige Woche in der Schweiz mit dem Präsidenten des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) Hansjörg Walter und dessen Geschäftsführer Jacques Bourgeois zu bilateralen Gesprächen zusammen.
Österreichische Bauernvertreter wollten das jetztige schweizer Milchmodell auf seine Tauglichkeit für Österreich nach 2015 untersuchen.
Österreichische Bauernvertreter wollten das jetztige schweizer Milchmodell auf seine Tauglichkeit für Österreich nach 2015 untersuchen.
Im Zentrum des Interesses standen bei dem Treffen zwischen der österreichischen und Schweizer Bauernvertretung das Milchmarktmanagement durch die im Vorjahr nach dem Ende der Milchquoten neu geschaffene Branchenorganisation Milch (BO Milch), die Doha-Entwicklungsrunde der Welthandelsorganisation WTO sowie die Beziehungen der Schweiz im Agrarhandel mit der EU. Wie LK Österreich-Präsident Wlodkowski mitteilte, sei man bezüglich der WTO in beiden Ländern etwa in derselben Lage und darüber einig, dass weitere Liberalisierungsschritte, die die Existenz bäuerlicher Familienbetriebe gefährden, bekämpft würden.

Suche nach geeignetem Modell für Ö
Von besonderem Interesse für die österreichische Delegation war, wie die 2009 aus Teilnehmern der gesamten Wertschöpfungskette der Milchbranche zusammengesetzte BO Milch auf dem liberalisierten eidgenössischen Milchmarkt das Management von Produktionsmengen bewerkstelligt und dem dramatischen Fall der Milchpreise entgegenwirken kann. In der Schweizer BO Milch fiel erst Ende April eine Grundsatzentscheidung, 10% der Molkereimilch vom Markt zu nehmen. "Wir werden uns das auch in Zukunft noch sehr genau ansehen und unsere Lehren daraus ziehen", ließ Wlodkowski angesichts der "gewaltigen Schwierigkeiten" offen, ob die Schweizer Regelung modellhaft für die EU sein könne.

Gründung der BO Milch Mitte 2009
Unter der Federführung des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) wurde Mitte 2009 als Reaktion auf das Ende der Milchquoten in der Schweiz eine breit abgestützte, aus allen wichtigen Akteuren - Bauern, Verarbeitung und Handel - zusammengesetzte Branchenorganisation Milch gegründet. Sie repräsentiert mit rund 50 Organisationen und Unternehmen der Milchbranche rund 95% der Schweizer Milchmenge. Die BO Milch soll als Plattform dienen, um die aktuellen und künftigen Herausforderungen der Milchwirtschaft "auf Augenhöhe" gemeinsam zu lösen. Ziel ist es, stabile und transparente Marktverhältnisse dank gemeinsam getragener Instrumente zu schaffen.

WTO-Abkommen darf nicht nur wenigen Staaten und Großbetrieben nutzen
Einig war man sich, ein WTO-Abkommen, das nur wenigen Staaten und industriellen Großbetrieben nutzt, sei nicht im Interesse beider Länder. Die beiden Bauernverbände würden in diesem Sinne auch in Zukunft entsprechenden Einfluss auf ihre Regierungen und direkt bei der WTO nehmen. Zu den Beziehungen der Schweiz im Agrarhandel mit der EU sagte Wlodkowski: "Insgesamt sieht man, dass die Schweizer Landwirtschaft erkennt, dass sie am EU-Markt nicht vorbeikommt und dass in der EU nur Preis und Qualität zählen." Da die Schweizer aber durchaus noch Vorteile auf ihrem Heimmarkt hätten, habe Österreich auch ein gewisses Verständnis dafür, dass der SBV ein Freihandelsabkommen mit der EU negativ sehe. Allerdings sei für die österreichische Landwirtschaft, die seit 1995 in den Binnenmarkt integriert ist, die Lage anders, weil es seither gelungen sei, die Marktposition im Inland zu halten und gleichzeitig die Exporte auszubauen. Sorgen bereitet der LK Österreich allerdings die angespannte Finanzlage in der EU und die Debatte um die Reduzierung des Agraretats, wodurch auf die österreichischen Bauern härtere Zeiten zukämen. (AIZ)

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Aktualisiert am: 18.05.2010 15:12
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