Milchlieferstopp: jetzt geht’s los

In Deutschland hat sich durch die massiven Bauernmilchpreissenkungen von bis zu 17 Cent die Lage so zugespitzt, dass bei den gestrigen Großdemonstrationen in Freising und Leppersdorf der unbefristete Lieferstopp ausgerufen wurde. Auch die heimische IG Milch sagt Unterstützung zu.
Ab heute werden viele deutsche Milcherzeuger keine Milch mehr an die Molkereien anliefern. Die IG-Milch hat den deutschen Bauern die Unterstützung zugesagt. In Österreich wurde an die Mitglieder die Parole ausgegeben, die Milchanlieferung um 50% zu reduzieren, d. h. bei 2-Tages Abholung eine Tagesproduktion innerbetrieblich zu verwerten. Die IG verspricht, und das fällt gegenüber vorangegangenen Aktionen positiv auf, mit allen wesentlichen Kräften der Agrarvertretung Kontakt zu suchen um eine gemeinsame Vorgangsweise zum Problem Milchpreisverfall zu finden. Die IG-Vorstand meint, jedes Zögern der österreichischen Milchbäuerinnen und Milchbauern bei der Unterstützung der deutschen Aktion würde in wenigen Wochen mit einer drastischen Milchpreissenkung bestraft, denn die heimischen Molkereien können den Preis nur halten, wenn der deutsche Milchmarkt sich wieder stabilisiert.

Beispiel: An einem plakativen Beispiel schilderte die IG die Auswirkungen des Preisverfalls: Eine Milchpreissenkung von z. B. 4 Cent, die über das ganze Jahr wirkt, hat dieselben Auswirkungen, als würde der Bauer einen Monat lang kein Milchgeld bekommen!

Das fordern die deutschen Milchbauern vom BDM mit dem Lieferboykott ein:

Von den Molkereien:

  1. Basispreis von 43 Cent/kg: Die deutschen Molkereien verpflichten sich, für das Jahr 2008 mindestens 43 Cent/kg Milch als Basispreis zu leisten (3,7 % Fett; 3,4 % Eiweiß, netto).
  2. Umrechnungsfaktor: Die deutschen Molkereien verpflichten sich, ab sofort für die Umrechnung von Liter in Kilogramm den Umrechnungsfaktor von 1,03 (statt bisher 1,02) anzuwenden.
  3. Umlage: Die deutschen Molkereien verpflichten sich, eine Umlage für jedes Kilogramm angelieferte Milch zu erheben. Dieses Geld soll für marktentlastende Maßnahmen verwendet werden (freiwilliger Lieferverzicht, Aufkauf von Milch bzw. Produkten, um Spitzen im Milchmarkt abzubauen).
  4. Flexibilisierung der Quotenregelung: Die deutschen Molkereien verpflichten sich, eine flexible Ausgestaltung der Quotenregelung zu unterstützen.


Von der Politik:

  1. Änderung der Saldierung: Damit die einzelbetriebliche Quote in Zukunft von den Milcherzeugern eingehalten wird, muss die Garantiemengenverordnung so geändert werden, dass ab dem ersten kg Überlieferung die volle Superabgabe anfällt. Nationale Reserve:
  2. Es ist sicherzustellen, dass Milchmengen, welche sich in der nationalen Reserve befinden, nicht zur Saldierung zur Verfügung stehen.


Weitere Infos: www.bdm-verband.de und www.ig-milch.at


Aktualisiert am: 08.06.2008 18:08
Landwirt.com Händler Landwirt.com User