Milchkühe: Körperkondition und Kotkonsistenz im Visier

Um in der Milchviehhaltung erfolgreich wirtschaften zu können, müssen die Kühe leistungs- und wiederkäuergerecht gefüttert werden. Wie Sie einen Überblick bekommen, wie es um die Futterration und den Ernährungszustand Ihrer Kühe bestellt ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Kuh links: stark verfettet, Kuh Mitte: ideale Kondition, Kuh rechts: für Fleckvieh zu stark abgemagert
Kuh links: stark verfettet, Kuh Mitte: ideale Kondition, Kuh rechts: für Fleckvieh zu stark abgemagert
Die Grundfutterqualität ist ein wichtiger Faktor für eine entsprechende Futteraufnahme. Täglich zweimal frisch vorgelegt und das Nachschieben zwischen den Mahlzeiten erhöhen die Futteraufnahme. Mikrobiologisch einwandfreies Kraftfutter sollte in mehreren und kleinen Gaben verabreicht werden. Kraftfutterautomaten oder -schalen in Anbindeständen sind ideal, in Laufställen kann man dies mittels Transponder oder einer TMR gewährleisten.

Ob die Versorgung der Kühe stimmt, kann man auch direkt an den Kühen ablesen. Zur besseren Kontrolle der Fütterung setzen manche Betriebe auf das System „body condition scoring“ kurz BCS genannt. Mit diesem System wird abgeschätzt, wie viel Körperreserven die einzelnen Kühe haben. Anhand von Noten überprüft der Landwirt, ob die BCS-Noten - gemessen am jeweiligen Laktationsabschnitt - für die Kühe optimal sind. Die Praxis zeigt, dass die alleinige Verwendung der LKV-Daten zur richtigen Rationsgestaltung meistens nicht ausreicht. Dieses Bewertungssystem soll in die Rationsgestaltung einfließen und mithelfen, die Ration zu optimieren.
Über die vergebenen Konditionsnoten kann die Fütterung dem jeweiligen Laktationsstadium besser angepasst werden, wenn die Kühe zu stark anfleischen oder nicht genug auf den Rippen haben. Vor allem soll verhindert werden, dass altmelkende Kühe zu fett werden. Verfettete Tiere leiden nach dem Abkalben oftmals unter Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitsstörungen.

So geht man richtig vor
Zur Beurteilung der Körperkondition werden acht Körperstellen herangezogen, welche am Anfang mit der Hand abgegriffen werden sollen. Die Körperreserven werden beurteilt, indem man die Fettauflage im hinteren Bereich und am Rücken der Kuh abschätzt. Bei Fleckvieh ist durch die Bemuskelung an Lende und Keule die Fettauflage an einigen Stellen häufig nicht sichtbar. Man kann sich deshalb auf die wichtigsten Stellen beschränken.

• Dornfortsätze der Lendenwirbel
• Übergang Querfortsätze zur Hungergrube
• Bereich zwischen den Hüfthöckern
• Beckenausgangsgrube mit Schwanzansatz
• Sitzbeinhöcker

Die Notenskala reicht von 1 bis 5 und wird zur feineren Abstimmung in Viertelpunkten vergeben. Die Note 1 entspricht dabei einem hochgradig abgemagerten und die Note 5 einem hochgradig verfetteten Tier. Es ist zu berücksichtigen, dass die Kühe nicht an allen Körperstellen gleichmäßig Fett ansetzen und einschmelzen. Manche Kühe mobilisieren Fett schneller im Lendenbereich, andere im Beckenbereich oder am Sitzbeinhöcker. Auf Grund dieser tierindividuellen Unterschiede wird für die genannten Körperstellen eine Durchschnittsnote gebildet. Mittlerweile setzen aber auch immer mehr Betriebe auf die Messung der Rückenfettdicke mittels Ultraschall. Diese Messungen werden im Zuge der Bestandesbetreuung vom Tierarzt gemacht.

„Landwirt“-Tipp
Haben Sie Erfahrung mit BCS, Messen der Rückenfettdicke und Beurteilung der Kotkonsistenz? Welche Erfahrungen haben Sie mit diesen Methoden gemacht? Diskutieren Sie mit auf www.landwirt.com/rinder

Autoren: Ing. Johann PLANK und Max FRUHSTORFER, Beratungsstelle Rinderproduktion Ried im Innkreis


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Aktualisiert am: 06.05.2010 14:45
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