Milchkrise: Was eint und was trennt Bauernbund und IG-Milch?

Beide wollen etwas für die Bauern tun, können es aber nicht gemeinsam. Warum eigentlich nicht? Auf diese und andere Fragen versuchen Hans Meister und Wilhelm Tritscher im Exklusiv-Interview mit Präsident Grillitsch und Obmann Grünzweil Antworten zu bekommen.
BB-Präsident Fritz Grillitsch und IG-Obmann Ewald Grünzweil an einem Tisch.
BB-Präsident Fritz Grillitsch und IG-Obmann Ewald Grünzweil an einem Tisch.
D er fortschrittliche Landwirt:Was will die IG-Milch für die Bauern erreichen?
Ewald Grünzweil: Dass man vom Produktpreis zum größten Teil leben kann. Es muss in in benachteiligten Gebieten einen Ausgleich geben, Bergbauernförderung oder sonst irgendetwas. Wir wollen wegkommen von den Abhängigkeiten. Der Bauernbund und die Vertretung haben überhaupt kein Gespür mehr für das, was auf den Höfen draußen los ist.

Der fortschrittliche Landwirt: Was will der Bauernbund für die Milchbauern erreichen?
Fritz Grillitsch: Grundlegendes Ziel ist ein besserer Preis, ein gerechterer Preis. Aber ich muss zur Kenntnis nehmen, dass ich heute Marktgesetze habe, wo Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen dass die Agrarmärkte insgesamt globalisierte Märkte sind und wenn die Chinesen mehr Milchpulver nachfragen, wird der Preis steigen. Daher ist es für mich so wichtig, einmal auf europäischer Ebene zu agieren. Ein weiterer wichtiger Punkt wird sein, in den WTO- und EU-Verhandlungen dieses spekulative Element bei Agrarrohstoffen herauszunehmen, das ist eine Riesengefahr. Mit Lebensmitteln darf man nicht spekulieren. Wir müssen verstärkt in der Exporterstattung tätig sein, um die Märkte zu räumen, auch in der Intervention, dann brauchen wir – das sage ich auch ganz offen – eine Verarbeitungsprämie für die Industrie, damit Pflanzenfette wieder herauskommen, damit wieder Milch hineinkommt beispielsweise beim Speiseeis, weg mit den Imitaten und vor allem die ganze Geschichte mit dem Kunstkäse / Analogkäse, das darf einfach nicht verwendet werden. Da sind wir bereits in Österreich erfolgreich gewesen, in der Lebensmittelkodexkommission. Ab sofort gilt, dass das Wort „Käse“ für „Analogkäse“ nicht mehr verwendet werden darf. Immerhin haben wir in Österreich durch Imagekampagnen, durch Gespräche mit dem Handel in den letzten Jahren eine österreichische Identität zustande gebracht, die darin gipfelt, dass wir einen besseren Milchpreis haben als unsere deutschen Freunde – um 3–4 Cent im Vergleich.


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Aktualisiert am: 06.10.2009 11:46
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