Milchkongress in Kobenz

Beim einem vom Bauernbund initiierten Milchgipfel versprachen die verantwortlichen Agrarpolitiker und Bauernbund-, sowie Kammerfunktionäre, die Milchbauern nicht im Stich zu lassen. Ein eher dürftiger Besuch und teils ungläubige Bauern sowie eine schwache Diskussion warfen aber ein trübes Licht über die politisch hochkarätig besetzte Veranstaltung.
Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft der österreichischen Milchbauern suchten beim Milchkongress in Kobenz zahlreiche Bauernbund-Agrarfunktionäre und Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowsky.
Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft der österreichischen Milchbauern suchten beim Milchkongress in Kobenz zahlreiche Bauernbund-Agrarfunktionäre und Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowsky.
"Wir lassen unsere Milchbauern nicht im Stich. Eine positive Entwicklung ist unter der Voraussetzung möglich, dass sichalle Beteiligten voll und ganz für die Sache der Milchbauerneinsetzen. Das beginnt im heimischen Nationalrat, der umgehendEntlastungsmaßnahmen, wie eine verschärfte Mengensteuerung und dasAussetzen der Quotenaufstockung, beschließen muss. Das setzt sichfort in der Europäischen Kommission, von der wir uns eine mengenmäßigund zeitlich unbegrenzte Fortsetzung von Intervention,Exporterstattungen und privater Lagerhaltung erwarten. Das betrifftaber auch die Verarbeitungsbetriebe, die sämtliche Kosteneinsparungennützen müssen, wobei ebenso die Strukturdebatte kein Tabu sein darf.Gleichzeitig arbeiten wir gemeinsam an Modellen für die Zeit nach der Quote, die der heimischen Milchwirtschaft Zukunft geben", erklärteGerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, im Rahmen des Milchkongresses in Kobenz in der Steiermark.

Obwohl EU-weit die Anlieferung stagniert, ist derzeit zu viel Milch auf dem europäischen Markt. Hauptursache ist derVerbrauchsrückgang, ausgelöst durch eine Exportabnahme und durch dieSubstitution von Milchprodukten in der Lebensmittel verarbeitenden Industrie. So sanken die Ausfuhren bei den meisten Milchprodukten2008 im Vergleich zu 2007 deutlich. Zum Beispiel fielen dieButterexporte 2008 um 65.000 Tonnen (30%) geringer aus als 2007 underreichten damit den niedrigsten Stand seit 1976, die Käseexporteverringerten sich um 41.000 t. Das hat zu einem wachsendenÜberangebot auf allen EU-Märkten geführt. Teile derLebensmittelindustrie verwenden darüber hinaus statt Butter oftmalspflanzliche Fette für Speiseeis und andere Erzeugnisse. Kunstkäse auf den Pizzas ersetzt Schätzungen zufolge alleine in Deutschland 100.000t echten Käse pro Jahr. "Wir können nicht zuwarten, bis sich der Milchmarkt in Europaerwartungsgemäß in zwei bis drei Jahren stabilisiert. Es muss sofort etwas getan werden, so Wlodkowski weiter.

LK-Milchausschuss-Obmann Moosbrugger meinte, nicht nur die Bauern müssen verstärkt auf die Kosten achten, auch die Molkereien und der Lebensmittelhandel inklusive der gesamten Logistik sind aufgerufen, Synergieeffekte zu nutzen. Es kann ja nicht sein, dassden Bauern nur das ausbezahlt wird, was vom Milcherlös nach Abzugaller Kosten noch übrig bleibt. Moosbrugger weiter: "Eine liberalere Milchwirtschaft brauchtvor allem für die Zeit nach Ende der Quotenregelung Instrumente,die den Markt nicht völlig entgleiten lassen können. Neben Intervention und Exporterstattung kann das eine Regelung sein, die das Angebot beschränkt. Denkbar wäre zum Beispiel ein Modell eines bezahlten Lieferverzichts, das in Zeiten von Markt störenden Überschüssen als eine stabilisierende Maßnahme wirksam werden könnte".

Bauern mit Verlauf des Milchkongresses unzufrieden.

Es gibt zu viel Milch am freien Markt - die Preise purzeln in den Keller. Daher scheinen produktionsbremsende Maßnahmen derzeit ein Gebot der Stunde zu sein.
Es gibt zu viel Milch am freien Markt - die Preise purzeln in den Keller. Daher scheinen produktionsbremsende Maßnahmen derzeit ein Gebot der Stunde zu sein.
Wie der fortschrittliche Landwirt in einem Telefonat zwischen zwei Landwirten in Erfahrung bringen konnte, waren einige der wenigen anwesenden Bauern von der Veranstaltung eher enttäuscht. Es seien ohnedies fast zur Gänze nur Bauernbund-Funktionäre anwesend gewesen und daher sei es auch zu keiner sachlich harten Diskussion gekommen. Viele Problembereiche blieben unausgesprochen und auf die Feststellung eines Bauern, dass es das Liefern und Produzieren in diesen Tag eher lassen müßte, weil nichts mehr drinnen läge, bekam er vom Podium die Gegenfrage als Antwort, warum er denn dann nicht einfach aufhöre.

Während also die im EMB organsierten Bauern der IG Milch in Brüssel mit ihren europäischen Kollegen Druck auf die Agrarminister auszuüben versuchen und in Niederösterreich die Bäuerinnen eine Milchoffensive starten, haben Bauernbund und die offizielle Agrarpolitik in Kobenz zwar ein gutgemeintes Konzept präsentiert, es scheint aber in Zeiten der Krise immer weniger Bauern zu geben, die den offiziellen Agrarpolitikern- und Funktionären noch zuhören bzw, auf ihre Lösungskompetenz vertrauen. Auch auf Presseebene erscheinen sogleich nach Aussendung der Lösungsbotschaften des Bauernbundes grüne und blaue Statements, wonach mit diesen Lösungsvorschlägen kein Krieg mehr für die heimischen Milchbauern zu gewinnen sei. Ob vor dem Hintergrund dieses uneinigen Mehrfrontenkampfes sich demnächst Maßgebliches für die Milchbauern zum Besseren wendet, darf bezweifelt werden.


Aktualisiert am: 28.05.2009 17:03
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