Milchforum in Pörtschach: Handel als Partner der Landwirtschaft

Beim ersten Milchforum mit dem Motto „Milchprodukte –Neue Herausforderungen für die Klassiker des Lebensmittelhandels“, diskutierten Vertreter des Lebensmittelhandels mit Vertretern der Molkereien, der Agrarpolitik und der Beratung.
Frank Hensel, Vorstandsvorsitzende der REWE International AG: „Der Handel ist nicht der Gegner der heimischen Landwirtschaft, sondern der Partner.“
Frank Hensel, Vorstandsvorsitzende der REWE International AG: „Der Handel ist nicht der Gegner der heimischen Landwirtschaft, sondern der Partner.“
Der Vorstandsvorsitzende der REWE International AG Frank Hensel war persönlich nach Kärnten gereist, um die Ansichten der REWE Gruppe zum Thema „der Kunde ist König“ darzulegen. REWE ist in Österreich mit Billa, Merkur, Penny und Adeg Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

Handel ist Partner der Landwirtschaft
„Der Handel ist nicht der Gegner der heimischen Landwirtschaft, sondern der Partner“, betonte Hensel. Er wies darauf hin, dass REWE den Anteil an österreichischen Produkten in seinen Verkaufsregalen sogar erhöht habe. „Der Handel kann den Bauernmilchpreis nur zu einem sehr kleinen Teil bestimmen“, erklärte Hensel. Er zeigte auf, dass in Österreich vom gesamten Milchverbrauch 65 % an Großküchen, die Gastronomie und in den Export ergehen, 30 % in den Lebensmitteleinzelhandel und 5 % an Nachversorger wie Bäcker und Tankstellen. Laut Hensel werde der Einfluss des LEH auf den Milchpreis überschätzt, da beispielsweise von der in Österreich erzeugten Milch, nur 3,5 % in den Trinkmilchverkauf der REWE Gruppe ergehe.

Warum ist Milch nicht kultig?
„Ein Liter Milch einer Eigenmarke kostet in unseren Läden derzeit 75 Cent“, so Hensel. Von diesen 75 Cent ergehen 10 % als Steuern an den Finanzminister und der Rest teilt sich auf den Handel, die Molkereien und die Bauern auf. „Nicht die Verteilung ist das Problem, sondern die 75 Cent“, gab der Vorstandsvorsitzenden zu bedenken. Für Hensel lautet die Kernfrage: „Wie können wir es schaffen, dem Kunden einen höheren Preis zu verkaufen?“ Vergleiche mit Produkten wie Red Bull fielen häufig. In dieselbe Kerbe schlug auch Mag. Fritz Seher, der Geschäftsführer der Interspar GmbH. Er stellte die Frage „Warum ist Milch nicht kultig?“ und ließ die Möglichkeit, es könne sich dabei um ein Marketingproblem handeln, unbeantwortet im Raum stehen.

Faszination Marken
Michael Brandner hielt einen mitreißenden Vortrag zum Thema „Faszination Marken“. „Das Ziel bei der Bewerbung von Marken muss eine übervereinfachte Botschaft sein“, so Brandner. Geox, Dr. Best oder Kaffee Haag stehen beispielsweise für solch einfache Botschaften. Auch Politiker machen seiner Meinung nach, den Fehler, zu viele Botschaften vermitteln zu wollen. Barack Obama hingegen baute seinen Wahlkampf auf nur eine simple Botschaft auf – Change. Und dies bekannterweise sehr erfolgreich. „Viele Unternehmen versuchen für alles zu stehen und stehen plötzlich für nichts mehr“, erklärte Brandner. Negativbeispiele sind für den Berater Unternehmen wie General Motors, IBM oder Karstadt.

Paradebeispiel Neuburger
„Verzetteln sie sich nicht in kleine Innovationen. Verlieren Sie nicht den Fokus auf Ihre Kernkompetenzen“, lautete Brandners Appell. Als österreichisches Beispiel für eine gelungene Marke nannte er Neuburger. Brandner: „Neuburger ist mit Verkostungen groß geworden und hat erst dann in die Werbung investiert“, erläuterte Michael Brandner. Um den Umsatz einer Marke nachhaltig erhöhen zu können, braucht man laut Brandner in erster Linie Ausdauer und Geduld und kein Notprogramm wie Aktionen, kurzfristige Werbeaktionen und neue Marken.


Aktualisiert am: 29.10.2009 16:43
Landwirt.com Händler Landwirt.com User