Milcherzeugerpreise in der EU deutlich über 30-Cent-Marke

Die großen Molkereien in der Europäischen Union heben ihre Erzeugerpreise weiter an. Der vom niederländischen Bauernverband (LTO) auf Basis der Auszahlungspreise von 16 größeren Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa berechnete Durchschnittspreis erhöhte sich im August 2010 gegenüber dem Vormonat um 0,89 Cent auf 32,67 Cent/kg.
Die französischen Milchverarbeiter liegen mit ihren Erzeugermilchpreisen im europäischen Spitzenfeld.
Die französischen Milchverarbeiter liegen mit ihren Erzeugermilchpreisen im europäischen Spitzenfeld.
Das entsprechende Vorjahresniveau wurde damit um 6,40 Cent überschritten. Berechnungsgrundlage sind ein Fettgehalt von 4,2 % und ein Eiweißanteil von 3,4 %. Auf dieser Basis lag der Erzeugerpreis bei fast allen Milchverarbeitern über der Marke von 30 Cent je Kilogramm. Ganz oben rangierte im August FrieslandCampina mit einem Erlösniveau für die Bauern von 35,54 Cent/kg, das waren 3,64 Cent oder 11,4 % mehr als einen Monat zuvor.

Frankreich im Spitzenfeld
Zu den Spitzenreitern gehörten auch französische Milchverarbeiter wie Danone in der Normandie und Lactalis mit Erzeugerpreisen oberhalb von 35 Cent/kg. Aufgrund einer brancheninternen Preisvereinbarung folgen die Molkereien in Frankreich den Markttrends mit gewisser Verspätung, setzen die Veränderungen nach oben und unten also mit Verzug um. In den letzten zwölf Monaten haben die französischen Milchverarbeiter allerdings deutlich über dem Erzeugerpreisniveau deutscher Vergleichsmolkereien wie Humana und Nordmilch sowie Alois Müller gelegen, die im August 31,79 Cent/kg beziehungsweise 32,06 Cent/kg auszahlten. Deutlich weniger erlösten Irlands Milcherzeuger bei Glanbia und Kerry mit einem Preisniveau von jeweils knapp 30 Cent/kg. Im oberen Mittelfeld bewegte sich die dänisch-schwedische Mega-Kooperative Arla mit 30,97 Cent/kg. Sowohl Iren wie auch Dänen sind durch ihre Exportaktivitäten erheblich von den Weltmarktentwicklungen abhängig, wobei die Iren sich besonders stark auf die Produktion von Pulver und Butter stützen.

Annäherung an Weltmarktniveau
Der Erzeugerpreis in der Europäischen Union hat sich mit dem seit Jahresanfang andauernden Aufschwung an den internationalen Milchmärkten stark an das Weltmarktniveau angeglichen. So hat der neuseeländische Marktführer Fonterra mit einem Auszahlungspreis von 29,09 Cent/kg im August stark Boden gegenüber den Milchverarbeitern in der Europäischen Union gut gemacht. Hatte der Preisabstand zum mittleren LTO-Preis im August 2009 noch mehr als 7 Cent/kg betragen, waren es ein Jahr später nur noch rund 2,6 Cent/kg. Diese Annäherung ist allerdings in erster Linie auf Wechselkurseffekte zurückzuführen, denn im gleichen Zeitraum wertete der neuseeländische Dollar um fast 20 % gegenüber dem Euro auf. Weniger stark, und zwar um rund 11 %, gewann der Außenwert des US-Dollar gegenüber dem Euro.

Produktionsausweitung erwartet
Sowohl in Neuseeland wie auch in der Europäischen Union stehen die Zeichen insgesamt weiterhin auf eine Ausweitung der Produktion. In der Europäischen Union geben dafür die Quotenerhöhungen der nächsten Jahre den Takt vor. Die nun im Zuge der globalen wirtschaftlichen Erholung zu verzeichnenden Erzeugerpreiserhöhungen dürften den Druck für Reformen nach dem Preisschock des Vorjahres weiter abmildern. Nachdem die mit Fachleuten aus den EU-Mitgliedstaaten besetzte Expertengruppe im Sommer Empfehlungen für die Gestaltung des Milchmarktes abgegeben hat, werden darauf aufbauend zum Jahresende Vorschläge der Europäischen Kommission erwartet. Deutschland hatte sich gegen verpflichtende Vorgaben zur Vertragsgestaltung zwischen Milchlieferanten und Molkereien gewehrt. Bei ihrem jüngsten Ratstreffen in Brüssel konnten die EU-Agrarminister keine Einigkeit über eine Milchmarktstrategie erzielen, unter anderem weil verschiedene Nordländer auf mehr Marktorientierung drängten


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Aktualisiert am: 12.10.2010 21:53
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