Milchbäuerinnenstreik in Berlin zu Ende

Die Protestaktion der Milchbäuerinnen des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter BDM ist am gestrigen Sonntag mit einer Abschlusskundgebung und einer Menschenkette vom Bundeskanzleramt bis zum Pariser Platz in Berlin erfolglos zu Ende zu gegangen.
Der Streik der BDM- Milchbäuerinnen ging am gestrigen Sonntag zu Ende.
Der Streik der BDM- Milchbäuerinnen ging am gestrigen Sonntag zu Ende.
Die Bäuerinnen harrten seit Montag, 11. Mai, ununterbrochen vor dem Bundeskanzleramt in Berlin aus, um ihrer Forderung nach einem Milchkrisengipfel unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel Nachdruck zu verleihen. Annähernd 2.000 Menschen, darunter auch Vertreter anderer Verbände wie der BUND, die AbL und einzelne Politiker, bekundeten ihre Solidarität und nahmen an der Kundgebung und Menschenkette teil. Selbst aus dem europäischen Ausland (Österreich und Belgien) waren Milcherzeuger und Milcherzeugerinnen angereist, um den deutschen Berufskolleginnen ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen.
Romuald Schaber, Vorstandsvorsitzender des BDM, äußerte sich voller Hochachtung für das uneingeschränkte Engagement und die Ausdauer der Bäuerinnen: „Es ist das erste Mal, dass Bäuerinnen die Initiative in dieser Art ergriffen haben. Ihre einzigartige Aktion ist damit ein wichtiger Meilenstein, wenn es darum geht, das Anliegen der Milcherzeuger in die Öffentlichkeit zu tragen. Schaber räumte aber ein, dass es den Frauen nicht gelungen ist, Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Forderung nach kostendeckenden Milchpreisen und niedrigeren EU-Quoten vorzutragen und sie zu einem entsprechenden Krisengipfel zu zwingen.

Forderungen nicht mehrheitsfähig
Solche Fragen seien nicht allein national zu lösen, argumentierte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am vergangenen Freitag in Berlin. Einige Forderungen seien weder politisch sinnvoll noch mehrheitsfähig in der EU. Er sagte aber grundsätzliche Unterstützung in der schwierigen Lage zu. So versprach die Regierung den Bäuerinnen, vorgezogene EU-Hilfen zu prüfen.

BDM-Forderungen völlig unrealistisch
Von den Protesten der Milchbäuerinnen hatte sich auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, distanziert. "Wir dürfen die Augen vor der Wahrheit nicht verschließen", meinte Sonnleitner. Die BDM-Forderung, künftig die Produktionsmenge europaweit flexibel der Nachfrage anzupassen, halte er für "völlig unrealistisch". "Auch auf dem Milchmarkt gelten zunehmend die Gesetze des Marktes. Darauf müssen sich die Bauern einstellen", so der DBV-Präsident. Die Verantwortung liege bei den Milchproduzenten und den ihnen gehörenden Molkereien. Er verstehe aber das Anliegen und die Emotionen, da die Lage am Milchmarkt dramatisch sei.

Kritik am Vorgehen des Handels
Gemeinsam mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisierte Sonnleitner den Handel. "Stoppt den Wahnsinn der Preisspirale nach unten, vernichtet nicht Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen und in der Verarbeitung", sagte der DBV-Präsident beim Besuch eines Diskonters in Berlin. Er forderte Aigner auf, mehr Druck auf EU-Ebene zu machen. NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg warnte vor drastischen Folgen für Milchbauern und andere Branchen. Mit "Danke, jetzt reicht"s"-Aufklebern auf Milchprodukten wollen die Bauern Diskonter und Verbraucher zum Nachdenken anregen. Auch Merkel hatte laut dem Nachrichtendienst dpa unfaire Preise im Handel kritisiert.

DBV-Protestaktion wegen schwieriger Marktlage
Angesichts der schwierigen Markt- und Wirtschaftssituation will der Deutsche Bauernverband außerdem mit groß angelegten Protestaktionen in Berlin und Frankfurt generell auf die Lage der Landwirte in Deutschland aufmerksam machen. "Die Politik wird die Wut spüren", kündigte Sonnleitner in einem Interview mit dem Magazin "Focus" an. Für den 25.05. werde eine Sternfahrt mit über 500 Traktoren in die Hauptstadt Berlin organisiert. Vier Tage später soll eine Kolonne ins Bankenviertel von Frankfurt rollen. (AIZ)


Autor:
Aktualisiert am: 25.05.2009 11:11
Landwirt.com Händler Landwirt.com User