Milchaustauscher – auf die Qualität kommt es an

Junge Kälber können pflanzliche Proteine und Kohlenhydrate nur eingeschränkt verdauen. Sie nehmen weniger zu, wenn der Milchaustauscher viel pflanzliche Erzeugnisse und wenig Magermilch und Molkenprodukte enthält. Woran ein guter Milchaustauscher zu erkennen ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Die Eiweißträger entscheiden über die Qualität eines Milchaustauschers.
Die Eiweißträger entscheiden über die Qualität eines Milchaustauschers.
Derzeit werden in der Kälberaufzucht während der Milchphase Vollmilch und Milchaustauscher vertränkt. Beide Futtermittel werden sowohl alleine oder auch in Kombination eingesetzt. Weder Vollmilch noch Milchaustauscher sind dabei unproblematische Futtermittel. Während bei der Vollmilchtränke Tränketemperatur, Milchhygiene und Defizite im Mineralstoffbereich zu Problemen führen können, sind es bei den Milchaustauschern vornehmlich die Qualität der Einzelkomponenten sowie deren mengenmäßige Zusammensetzung.

Wie erkennt man guten Milchaustauscher?
Für Milchaustauscher als Alleinfuttermittel werden im Sinne der Futtermittelverordnung die Inhaltsstoffe, die Zusatzstoffe und die Zusammensetzung deklariert. Unter dem Deklarationspunkt Inhaltsstoffe sind folgende Angaben in Prozent vorgeschrieben: Rohprotein, Lysin, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und die Mineralstoffe Calcium und Phosphor. Häufig werden Milchaustauscher beim Kauf nur auf der Basis ihres Rohproteingehaltes miteinander verglichen. Dies ist jedoch kein ausreichendes Qualitätskriterium, da für die Qualität die Proteinquelle von größerer Bedeutung ist als der Rohproteingehalt. Es wird empfohlen, während der ersten Lebenswochen nur Milchaustauscher ohne pflanzliche Proteinkomponenten einzusetzen. Da der Rohfasergehalt hauptsächlich durch Anteile pflanzlicher Komponenten beeinflusst wird, weisen Werte über 0,1 % auf pflanzliche Bestandteile hin. Ein erhöhter Rohaschegehalt stammt in der Regel aus teilentzuckerten Molkenpulvern geringerer Qualität. Es wird empfohlen, keinen Milchaustauscher einzusetzen, deren Rohaschegehalt über 10 % liegt. Beachtet werden muss, dass die dort ebenfalls angeführte Fettmischung immer zu 100 % aus pflanzlichen Fetten bzw. Ölen besteht. Seit der BSE-Krise 2001 ist der Einsatz tierischer Fette verboten.
Spitzenprodukte bei den Milchaustauschern enthalten nach wie vor keine pflanzlichen Proteinquellen. Als Milcheiweißquellen stehen Magermilchpulver mit Proteingehalten von 34 bis 36 %, Molkenpulver mit etwa 12 % und verschiedene Molkenpulver teilentzuckert mit Proteingehalten von 20 bis 33 % zur Verfügung. Zum Einsatz kommen auch hochwertige Molkeneiweißpulver und Kaseinpulver. Allerdings können die Rohaschegehalte von preiswerten teilentzuckerten Molkenpulvern, die ebenfalls niedrige Proteingehalte besitzen, bis zu 25 % betragen (siehe Übersicht 2). Sie liegen damit deutlich über den Werten von Magermilch- (ca. 7,9 %) und reinem Molkenpulver (ca. 8,3 %).

Fazit
Die Verdaulichkeit von pflanzlichen Proteinen und Kohlenhydraten ist in den ersten Lebenswochen eingeschränkt. Die Zunahmen sind im Vergleich zu Magermilch- und guten Molkenprodukten geringer. In Versuchen sind beim Einsatz größerer Mengen pflanzlicher Proteine und Kohlenhydrate ebenfalls vermehrt Durchfälle aufgetreten. Es wird empfohlen, für Kälber in den ersten Lebenswochen nur Milchaustauscher ohne pflanzliche Proteinquellen einzusetzen. Der Rohfasergehalt liegt bei solchen Produkten nicht über 0,1 %, der Rohaschegehalt unter 10 %. Milchaustauscher mit pflanzlichen Proteinen können ab der 4. bis 5. Lebenswoche vertränkt werden.

Autor: Dr. Hans-Jürgen KUNZ, LK Schleswig-Holstein (D)


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Aktualisiert am: 21.04.2010 17:28
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