Milch-Skandal beim Bundesheer

Medienberichten zufolge kaufen seit Donnerstag Bundesheer-Einheiten aus Salzburg und Linz Molkereiprodukte in Deutschland ein. Laut EU- Verordnung müssen auch ausländische Anbieter in den Wettbewerb einbezogen werden.
Das österreichische Bundesheer trinkt deutsche Milch- das erhitzt die Gemüter umso stärker, in Anbetracht der angespannten Situation am heimischen Milchmarkt.
Das österreichische Bundesheer trinkt deutsche Milch- das erhitzt die Gemüter umso stärker, in Anbetracht der angespannten Situation am heimischen Milchmarkt.
In der heutigen ZIB- Sendung von 19:30 Uhr wurde über den „Milch- Skandal“ beim Bundesheer berichtet. Demnach sollen seit Donnerstag Bundesheer-Einheiten aus Salzburg und Linz Molkereiprodukte in Deutschland einkaufen. Dafür zuständig ist die Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG). Die IG- Milch, sowie der Bauernbund verurteilen diese Entscheidung scharf.

BBG: Kein Zwang zu deutscher Milch
"Die Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG), die als Einkaufsdienstleister der öffentlichen Hand auch für die Ausschreibung von Lebensmitteln zuständig ist, ist sich der Sensibilität der Debatte rund um die Lieferung von Milchprodukten für das österreichische Bundesheer bewusst", stellte heute ein BBG-Sprecher zu diesen Vorwürfen fest. Die bayrische Molkerei Innstolz, die den Zuschlag für die Belieferung der oberösterreichischen Kasernen bekommen hat, beziehe auch einen Anteil ihrer Milch aus Österreich. Es sei eine breite Produktpalette zugeschlagen worden, sodass niemand gezwungen sei, nur deutsche Milch zu kaufen. Weiters verweist die BBG darauf, "dass die europäische und nationale Rechtslage keinerlei Handhabe enthält, um ausländische Bieter an der Angebotslegung zu hindern. Insbesondere die Zerteilung einer Ausschreibung, um dem Vergaberecht zu entgehen, wäre eindeutig gesetzeswidrig".

Grillitsch: Ignoranz gegenüber heimischen Bauern
"Bundesminister Norbert Darabos soll auf heimische Produkte setzen und sich nicht an der Bundesbeschaffungsagentur abputzen", kritisiert Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch den SP-Minister scharf. Die demonstrative Zerknirschung, die Darabos nach Aufdeckung des Skandals gegenüber der Gratiszeitung "Heute" an den Tag legt, sei "reiner Zynismus und kontraproduktiv, wenn die Milchpreise am Boden liegen", versteht der Bauernbund-Präsident die Welt nicht mehr. Bei Ausschreibungen dieser Größenordnungen müssten auch Aspekte regionaler Arbeitsplatzsicherheit, der Umweltschutz oder die Versorgungssicherheit berücksichtigt werden, unterstreicht Grillitsch. Dass das österreichische Bundesheer ins deutsche Milchregal greift und deutsche Milchprodukte wie Milch, Käse, Joghurt für seine Rekruten einkauft, "zeigt einzig die Ignoranz gegenüber den heimischen Bauern und deren schwieriger Situation. Zudem wird deutlich, wohin der Milchgipfel von Vertretern der IG Milch bei Bundeskanzler Werner Faymann führt - leider zu gar nichts", so Grillitsch. Mit den Einkäufen im bayerischen Ausland sei überdeutlich geworden, dass sich die heimischen Milchbauern in ihrem Existenzkampf von der SPÖ keinerlei Unterstützung zu erwarten brauchen. "Der Bauernbund setzt indes voll auf Konsumpatriotismus: Ob der Kauf eines Produkts Arbeitsplätze sichert oder zerstört soll durch die Kennzeichnung auf der Packung sichtbar werden", konzentriert Grillitsch alle Bemühungen dahingehend, patriotisches Einkaufen und Standortsicherung in den Köpfen der Konsumenten zu verankern.
Auch oberösterreichs Agrarlandesrat Josef Stockinger fordert Verteidigungsminister Darabos auf, mit einer Weisung dafür zu sorgen, dass nur die heimisch angebotenen Milchprodukte gekauft werden. (AIZ)



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Aktualisiert am: 06.10.2009 17:05
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