Melktechnik im Brennpunkt

Dem Melkroboter wird eine ähnliche revolutionäre Entwicklung vorausgesagt wie seinerzeit dem selbstfahrenden Mähdrescher. Bei der EuroTier 2008 war automatisches Melken ein Schwerpunkt. Der Markt, die Unternehmen und die Melksysteme werden im folgenden Artikel beleuchtet.
Automatische Melksysteme (AMS) passen gut in die neuen Herdengrößen der wachsenden bäuerlichen Milchviehbetriebe – beispielsweise mit einer Melkbox für 50 bis 70 Milchkühe, oder mit vier Boxen für bis zu 250 Milchkühe.
Automatische Melksysteme (AMS) passen gut in die neuen Herdengrößen der wachsenden bäuerlichen Milchviehbetriebe – beispielsweise mit einer Melkbox für 50 bis 70 Milchkühe, oder mit vier Boxen für bis zu 250 Milchkühe.
Nach Expertenschätzung können gut strukturierte und leistungsfähige Milchviehbetriebe in Europa mit Erzeugerpreisen von 0,36 Euro je Liter Milch gut über die Runden kommen. Und viel mehr dürfte auf Dauer im globalen Wettbewerb für Milcherzeugnisse auch nicht drin sein. Aufgabe der Entwickler und Hersteller von Melk- und Innenwirtschafts-Technik ist es, den Milcherzeuger bei der wirtschaftlichen Produktion von gesunder und hochwertiger Milch, eine tiergerechten Haltung und der Gestaltung eines lebenswerten Arbeitsumfeldes nach vorne zu bringen. Das gilt für die wachsenden Herdengrößen etwa ab fünf Milchkühen in den Schwellenländern, bis hin zu den hochleistungsfähigen Anlagen in den entwickelten Milchvieh-Regionen. Der von der Globalisierung ausgehende Leistungsdruck bewirkt einen fortgesetzten Strukturwandel, mit weniger werdenden Milchviehbetrieben, wachsenden Milchviehbeständen und höherer tierindividueller Leistung. Über seinen Handels- und Servicepartner setzt der Hersteller beim Milcherzeuger zunächst bei der Anlagenplanung an. Hierzu stehen beispielsweise Fischgrätenmelkstände, Side-by-Side-Systeme, Karussellanlagen und in zunehmendem Umfang automatische Melksysteme in Verbindung mit Laufställen und Liegeboxen zur Verfügung. Dann kommt die Auswahl der Melkzeuge, der Vakuumpumpen, der Anlagenreinigung, des Milchkühlsystems, von Fütterungs- und Futtervorlagesystemen, Tränken- und Kälbertränkautomaten, und nicht zuletzt das passende Herden-Managementsystem. Beratung und Angebot der Vertriebs- und Servicepartner setzen sich fort in Systemen der Gesundheitskontrolle- und Pflege, des Kuhkomforts, der Stall- und Anlagenhygiene, bis hin zu Geräten für die Arbeitserleichterung und zur Arbeitskleidung.

Veränderte Landschaft der Melktechnikanbieter
Wir schicken voraus, dass die Melktechnikhersteller mit wirtschaftlichen Kennziffern - im Vergleich zur übrigen Landtechnikbranche – oft sehr zurückhaltend sind. Diese Zurückhaltung passt nicht in unsere Zeit, weil die meisten dieser Unternehmen gute Leistungen in Technik, Dienstleistung und Wirtschaftlichkeit erbringen, und weil zweitens eine bessere Transparenz allen Marktteilnehmern durch gemeinsames Lernen zugute kommt. Wir gehen davon aus, dass der weltweite Melktechnikmarkt westlicher Prägung, einschließlich Melkstand- und Kühltechnik und dem Nachmarkt (Komponenten, Ersatzteile, Hygieneartikel) in den letzten Jahren auf etwa 1,7 Milliarden Euro angewachsen ist. Der relative Anteil der Marktführer DeLaval und GEA WestfaliaSurge dürfte sich auf rund 50 % bzw. 25 % erhöht haben. Hinzu kommen die gleichfalls weltweit als Fulliner agierende Fullwoood-Gruppe, der expandierende Melkrobotik-Spezialist Lely, sowie der erneute Marktauftritt von Boumatic. Darüber hinaus profilieren sich eine Reihe weiterer europäischer Nischen-Spezialisten von eher regionaler Bedeutung. Das Oligopol der zwei dominierenden Anbieter könnte sich in Zukunft aufgrund der stärkeren Verbreitung der Melkroboter neu sortieren!

Ausblick
Für den Milcherzeuger ist wichtig zu wissen, dass neben den marktbeherrschenden Melktechnik-Anbietern eine Reihe kleinerer und eher regionaler Spezialisten innovative Problemlösungen zur Ergänzung der bekannten Vollsortimenter anbieten. Beispielsweise nennen wir hier den „Galaxy Starline“ Melkroboter des niederländischen Herstellers Insentec, und den dänischen Spezialisten SAC Cristensen mit dem aus der Insentec-Robottechnik abgeleitetem „Dairy-System“ - oder die innovativen Melkzeug-Systeme von Happel, Siliconform und Milkline. Der große Trend geht jedoch hin zu den Komplettanbietern mit ihren dichten Vertriebsnetzen, ihrer Service- und Beratungskompetenz und ihrem Zugriff auf die weltweiten Märkte. Der Melkroboter nimmt weiter Fahrt auf, und das wird auf das zukünftige Kräftemessen im Wettbewerb einen entscheidenden Einfluss haben.

Autor: DI Wolfgang KUTSCHENREITER, Agrartechnik Strategiepartner (D)


Aktualisiert am: 24.11.2008 16:03

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