Melken: Hohe Zellzahl in den Griff bekommen

Euterentzündungen sind in den Kuhställen leider ein Dauerbrenner. Teil 1 der Reihe beschäftigte sich mit Diagnose und Rahmenbedingungen. Wir haben in Teil 2 die aktuellen Ansätze zur Verbesserung der Eutergesundheit für Sie zusammengefasst.
In den meisten Kuhställen gibt es noch viele kleine Schrauben, an denen Sie drehen können, um die Eutergesundheit zu verbessern.
In den meisten Kuhställen gibt es noch viele kleine Schrauben, an denen Sie drehen können, um die Eutergesundheit zu verbessern.
Bereits bei den Kalbinnen verursacht eine Euterentzündung enorme Schäden. Bei den Kühen kann jeder Milchbauer ein Lied davon singen. Vielversprechende Innovationen und könnten diese Situation verbessern. Die europäische Mastitistagung in Den Haag bot einen Überblick über die aktuellen Erkenntnisse im Bereich der Eutergesundheit und zeigte Verbesserungsvorschläge auf.

Automatisch Dippen
Die Aussicht, das Dippen in Zukunft vollkommen zu automatisieren, ist nicht nur für größere Betriebe interessant. Das holländische System ist in der Lage kurz vor dem Abnehmen der modifizierten Melkbecher mit einer Jodlösung zu dippen und nach der Abnahme mit Wasser durchzuspülen. Dadurch entsteht eine Arbeits- und damit Zeitersparnis in der Größenordnung von 20-40 % der Melkzeit. Das System hat sich bislang in Pilotbetrieben sehr gut bewährt, allerdings spielt die Jod-Rückstandsproblematik gerade für das Verbraucherbewusstsein eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Melkzeug früher abnehmen
Nach neuesten holländischen Studien führen automatische Melkzeugabnahmen immer noch in vielen Betrieben zu Hyperkeratosen, sprich Hornhautzubildungen (Ring- und Wulst um die Zitzenöffnung). Der Grund: Der Milchfluss ist zu niedrig eingestellt, und die Kühe werden daher länger gemolken. Das Zitzengewebe wird stärker als beim normalen Melkvorgang strapaziert und reagiert mit vermehrter Hornhautbildung. Diese kann wiederum zu Anfälligkeit für Euterentzündungen führen. Die Studien empfehlen daher eine Abnahme des Melkzeuges bei etwa 400g/min Milchdurchfluss statt bislang 200g/min. D.h. die Abnahmeschwelle soll nun früher einsetzen. Was für die automatische Abnahme gilt, gilt natürlich umso mehr für die manuellen Blindmelkzeiten. Diese sind unbedingt zu vermeiden.

Fazit
Verbesserungen der Eutergesundheit gehen nach Auswertungen der holländischen Eutergesundheitsdienste in den meisten Fällen auf angedrohte Strafmaßnahmen zurück. Noch mehr als in Aussicht gestellte Prämien ist die Angst vor „Bestrafung“ ein Hauptmotivator für Landwirte, bestehende Managementpraktiken zu optimieren. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen in vielen Bereichen des Milchviehbetriebes – insbesondere im Management. Aber auch technische Fortschritte können die angespannte Situation punkto Eutergesundheit verbessern.

Autor: Dr. Peter ZIEGER, Innovationsteam Milch Hessen (D)


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Aktualisiert am: 09.12.2008 15:34

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