Marktfruchtbau: Anbauplanung im Alpenvorland für 2008/09

In den letzten beiden Jahren haben sich die landwirtschaftlichen Märkte sehr dynamisch verhalten, sowohl die Preise für Betriebsmittel als auch die Marktfrüchte schwanken auf einem höheren Niveau. Das beeinflusst die Wirtschaftlichkeit von Getreide und Ölsaaten, die folgend näher beleuchtet werden.
Winterraps wird 2009 wahrscheinlich den höchsten Deckungsbeitrag erreichen.
Winterraps wird 2009 wahrscheinlich den höchsten Deckungsbeitrag erreichen.
Die Erzeugerpreise haben sich in den letzten beiden Jahren deutlich verbessert, die Preisschwankungen haben jedoch merkbar zugenommen. Mittlerweile werden Preisabsicherungsmodelle angeboten, die Schlüsse auf die Erzeugerpreise vor der Ernte zulassen. Beispielsweise bietet die Lagerhausgruppe ein Modell zum Verkauf von Mahlweizen vor der Ernte an. Dabei wird vom November Kontrakt für Weizen an der Euronext (früher MATIF) in Paris ein Preisabschlag von 25 Euro je t gemacht. Dieses Modell wird derzeit nur für die Ernte 2008 angeboten. Unter der Annahme, dass dieses System fortgeführt wird, könnte aktuell (16. Juni 2008) Weizen der Ernte 2009 um 212 Euro je t (inkl. 12 % MwSt.) verkauft werden. Die Terminbörse in Paris notiert bei Mahlweizen für die Ernten 2008 und 2009 auf einem annähernd gleichem Niveau.

Die Ölsaatenmärkte (Raps und Sojabohnen) haben sich in den letzten beiden Jahren äußerst gut entwickelt. Dies hängt einerseits mit den hohen Rohölkosten und andererseits mit der stark gestiegenen Nachfrage nach Pflanzenölen für die menschliche Ernährung zusammen. Raps und Sojabohnen haben eine hohe Korrelation bei der Preisentwicklung. Von der aktuellen Euronext Notierung könnten Konsumrapspreise um 460 bis 470 Euro je t für die Ernte 2009 erwartet werden. Bis zur Ernte 2009 kann sich jedoch noch viel ändern – dies gilt sowohl für Getreide als auch die Ölsaaten.

Deckungsbeiträge 2009
Es zeigt sich, dass Winterraps 2009 kaum zu schlagen sein dürfte. Winterraps braucht den doppelten Preis von Winterweizen, damit vergleichbare Deckungsbeiträge erreicht werden können. Alle Anzeichen sprechen derzeit dafür, dass der Rapspreis mehr als das Doppelte des Weizenpreises sein dürfte.
Die Entscheidung für den Rapsanbau muss in den nächsten Wochen fallen und es spricht alles für eine Ausdehnung der Winterrapsflächen. Die Aussichten für Winterweizen sind ebenfalls recht gut, vermutlich dürfte der Deckungsbeitrag von Wintergerste etwas hinter Winterweizen liegen. In den vergangen Jahren lagen bei Wintergerste die Erzeugerpreise in der Ernte etwas über dem Niveau von Winterweizen. Dies konnte damit begründet werden, dass Oberösterreich bei Wintergerste ein Zuschussgebiet und bei Winterweizen ein Überschussgebiet ist. Durch den steigenden Verbrauch von Winterweizen (z.B. Bioethanolproduktion) könnte sich dies ändern.

Der Vergleich der Wirtschaftlichkeit von Körnermais und Sojabohnen ist aus heutiger Sicht noch sehr schwierig und kann für die Anbauentscheidung noch um einige Monate verschoben werden. Beim Körnermais wirken sich steigende bzw. fallende Preise durch die hohen Erträge deutlich stärker aus als bei anderen Kulturen. Neben der weiteren Entwicklung der Mais- und Sojamärkte wird auch die Entwicklung der Düngemittelkosten einen entscheidenden Einfluss auf die Anbauentscheidung im nächsten Frühjahr haben.

Autor: DI Martin BÄCK, LK OÖ


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Aktualisiert am: 07.07.2008 10:58
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