Maiswurzelbohrer: Eingrenzen statt Ausrotten

Der Maiswurzelbohrer ist nicht aufzuhalten. In Österreich besiedelt der kleine Käfer bereits drei Viertel der Ackerfläche. Statt nur lokal erfolgreicher Ausrottung lautet das Motto bereits Eingrenzung.
Diabrotica-Käfer sind durch ihre Gestalt und Färbung unverwechselbar.
Diabrotica-Käfer sind durch ihre Gestalt und Färbung unverwechselbar.
Die Mitgliedsländer der Europäischen Union versuchen seit dem Jahr 2003, den invasiven Schädling mit Quarantänemaßnahmen auszurotten bzw. wenigstens seine weitere Verbreitung zu verhindern. Diese Bemühungen können lokal begrenzt erfolgreich sein. Ein aktuelles Beispiel für einen solchen Erfolg zeichnet sich im Tiroler Inntal ab. Im Vorjahr wurden in der Nähe von Kufstein zum ersten Mal Käfer gefangen und in der Folge Quarantänemaßnahmen zur Ausrottung des Befalls verordnet. Im Jahr 2009 wurden trotz verstärkter Überwachung mit Pheromonfallen keine Käfer festgestellt. Da eventuell vor Ort geschlüpfte Maiswurzelbohrer spätestens seit Mitte Juli schwärmen müssten, kann man nach mehr als zwei Monaten Monitoring ohne einen einzigen Käferfund davon ausgehen, dass der isolierte Befallsausbruch vom Vorjahr erfolgreich wieder ausgerottet wurde. Das Tiroler Inntal hat somit gute Chancen, auch im nächsten Jahr befallsfrei zu bleiben.

Konsequente Fruchtfolgewirtschaft
Die Umsetzung solcher Eingrenzungsmaßnahmen ist prinzipiell aus pflanzenschutztechnischer Sicht kein Problem. Die einfachste, billigste und zugleich effektivste Möglichkeit, die Maiswurzelbohrerpopulationen auf einem Niveau unterhalb der ökonomischen Schadensschwelle zu halten, ist eine konsequente Fruchtfolgewirtschaft. Zum Problemschädling wird der Maiswurzelbohrer daher nur dann, wenn Betriebe aus ökonomischen Gründen auf einen kontinuierlichen Maisanbau nicht verzichten können. Auf solchen Flächen vermehren sich die Käfer sehr schnell und können bereits nach etwa fünf Befallsjahren Populationen mit großem Schadenspotential aufbauen. Durch chemische Bekämpfungsmaßnahmen lässt sich das Risiko hoher Ertragseinbußen auch bei intensiver Kulturführung deutlich verringern. Es steht jedoch außer Zweifel, dass keine der derzeit verfügbaren chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen eine dem Fruchtwechsel vergleichbare Wirksamkeit erreicht. Als Alternative zur Fruchtfolgewirtschaft sollten diese Maßnahmen daher nur dort eingesetzt werden, wo ein Fruchtwechsel absolut nicht möglich ist.

Österreichische Bekämpfungsstrategie
Auf Basis dieser Erkenntnisse haben sich die österreichischen Bundesländer auf ein gemeinsames Minimum an Eingrenzungsmaßnahmen verständigt und daraus eine österreichische Bekämpfungsstrategie gegen den Maiswurzelbohrer formuliert. Ziel ist, auf nationaler Ebene eine möglichst effektive Regulierung der Käferpopulationen zu gewährleisten, andererseits aber auch die schwierige ökonomische Situation vieler Landwirte in intensiven Maisbaugebieten zu berücksichtigen. Als wichtigste Maßnahme innerhalb des natürlichen Ausbreitungsgebiets sieht diese Strategie eine Fruchtfolge mit Mais maximal einmal in zwei Jahren vor. Sollte ein Fruchtwechsel nicht möglich sein, muss eine chemische Behandlung der Maisfelder erfolgen, wobei in Österreich zum derzeitigen Stand die Verwendung von gebeiztem Saatgut (Wirkstoffe Clothianidin und Thiamethoxam), die Anwendung eines Bodengranulats (Wirkstoff Tefluthrin) oder die Spritzbehandlung der Bestände zum Flugzeitpunkt der Käfer (Wirkstoff Thiacloprid) möglich sind.

Landwirt-Tipp:
Ein aktuelles Verzeichnis aller zugelassenen Pflanzenschutzmittel finden Sie unter www.psm.ages.at

Autor: Dr. Giselher GRABENWEGER, AGES Wien


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Aktualisiert am: 04.11.2009 14:55
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