Maistrocknung: Abrechnung – undurchschaubar?

Trocknungsschwund, Umrechnungsfaktor, Substanzverluste,… Um bei der Abrechnung der Maistrocknung den Überblick und die Kontrolle zu bewahren, muss der Landwirt diese durchschauen.
Anhand des schwarzen Punktes am Kornansatz ist der reife Mais erkennbar.
Anhand des schwarzen Punktes am Kornansatz ist der reife Mais erkennbar.
Die allerwichtigste Erkenntnis ist, dass aus Trocknungsbetrieben nie eine bessere Ware herauskommen kann als vorne hineingekippt wird. Die Qualität des angelieferten Maises bestimmt die Qualität der Trockenware. Wichtig ist daher, erntereifen Mais mit möglichst wenig Bruch, Spelzen, Spindelstücken und Strohanteilen anzuliefern. Diese Parameter bestimmen im Wesentlichen den Abputzanteil, der bei guter Ware bei 0,7 % liegt. Speziell Stängelteile müssen vor dem Trocknungsvorgang herausgereinigt werden, da sie sich ansonsten „über die Dächer legen“, den Durchfluss behindern oder sogar zur Brandgefahr führen.

Pauschalierte Abzugsfaktoren
Speziell beim Abzug für „Abputz“ gibt es immer wieder Diskussionen. Das Gerechteste wäre natürlich eine individuelle Ermittlung, eine Rückverladung und –verwiegung. Dies ist bei den meisten Anlagen aus technischen Gründen nicht möglich. Die Bestimmung über Analysegeräte scheitert häufig an der Problematik der exakten Probenahme. Deshalb wird mit pauschalierten Abzugsfaktoren gearbeitet. Pauschalierte Abzugsfaktoren fördern natürlich bei den Anlieferern den Trend zu einer etwas schlechteren Einstellung des Mähdreschers, um möglichst hohe Anlieferungsgewichte zu bekommen und von diesen pauschalierten Sätzen zu profitieren. Ein vernünftiger Kompromiss ist daher die Staffelung des Abzugs in verschiedene Klassen, z.B. 0,6 % bei bester Qualität, 1,2 % bei stärker verunreinigter Ware und noch höheren Abzügen bei einer individuell sehr schlechten Anlieferungsqualität. Speziell bei Genossenschaften fördert dies den Familienfrieden sehr stark!

Je feuchter, desto teurer
Übrigens hat jeder günstige Trocknungskosten selbst in der Hand durch die Wahl von früh abreifenden Sorten, die zudem gut druschfähig sind. Ein Unterschied von 5 % in der Kornfeuchte bedeutet immerhin etwa 50 Euro Kostenunterschied pro Hektar! Speziell in Zeiten niedriger Produktpreise sollte das ein wichtiger Faktor bei der Sortenwahl sein.

Wasserabzug und Umrechnungsfaktor
Um die Kontrollmöglichkeit zu erschweren, wird gelegentlich gar nicht angegeben, auf welche Endfeuchte rückgetrocknet wird. Eine Lagerfähigkeit ist unter 15 % Wasser gegeben. Aus Sicherheitsgründen sind 13 % sinnvoll. In Abhängigkeit von der Endfeuchte ändert sich der Umrechnungsfaktor. Der reine Wasserabzugsfaktor beträgt bei 13 % Endfeuchte 1,149 und erhöht sich bei einer höheren Endfeuchte auf 1,162 (14 %) bzw. 1,176 (15 %).

Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass neben dem Trocknungspreis und dem Umrechnungsfaktor die Gesamtleistung des Handelspartners zu betrachten ist. Häufig werden Lagerung und Vermarktung übernommen. Gerade deshalb gilt: Transparenz schafft Vertrauen!

Autor: DI Robert SCHNELLHAMMER, Höhere Landbauschule Rotthalmünster (D)




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Aktualisiert am: 26.09.2007 15:15
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