Maissorten für 2010

Die letzten drei Jahre haben gezeigt, wie schwankend Getreide- und Ölsaatenmärkte sein können. Trotz der momentanen kargen Preissituation bei Mais könnte sehr schnell eine Trendwende kommen. Mit welchen Sorten Sie den richtigen Grundstein für 2010 legen, lesen Sie hier.
Die Eiweißgehalte sinken nicht nur in der Steiermark, auch andere Bundesländer beobachten diesen Trend.
Die Eiweißgehalte sinken nicht nur in der Steiermark, auch andere Bundesländer beobachten diesen Trend.
In der Veredelungswirtschaft gibt es derzeit keine viel versprechende Alternative zu Mais. Mais hat den großen Vorteil zuverlässig hohe Erträge zu liefern und kann damit Wirtschaftsdünger tierhaltender Betriebe problemloser als andere Kulturen, wie Getreide, nutzen. Durch den hohen Entzug an Stickstoff ist diese Kultur auch im Sinne der Wasserwirtschaft wünschenswert, weil damit die Grundwasserbelastung reduziert wird. Leider hat der Mais zu Unrecht ein negatives Image hinsichtlich des Gewässerschutzes erlangt, weil in der Vergangenheit auch unverantwortlich hohe Düngermengen im Mais „entsorgt“ wurden. Das ändert jedoch nichts daran, dass die C-4-Pflanze Mais, welche auch noch bei hohen Temperaturen assimiliert, am effektivsten mit Wasser und Nährstoffen umgeht und bei hohem Stickstoffentzug und sachgerechter Düngung auch eine ökologische Nutzpflanze ist.
Neuerlich in die Schlagzeilen ist die Maispflanze im niederschlagsreichen Jahr 2009 durch Erosionsereignisse geraten. Auch in diesem Fall ist der Mais per se nicht schuld, sondern die Art und Weise, wie Mais in erosionsgefährdeten Gebieten angebaut wird.
Kolbenverpilzung
Das Maisjahr 2009 war aus produktionstechnischer Sicht sehr zufrieden stellend. Sowohl die Erträge, selbst auf leichten Böden bedingt durch hohe Niederschläge, als auch die Kolbenverpilzung waren nach den Wünschen der Landwirte. Warum trotz hoher Niederschläge die Kolbenverpilzung nicht dramatisch angestiegen ist, dürfte darin liegen, dass die Temperaturen weit in den Oktober hinein hoch geblieben sind.
Problematisch waren die frühen Blattfleckeninfektionen unmittelbar nach der Blüte des Maises. Damit wurden die Bestände vorzeitig in die Abreife geschickt, was Tausendkorngewicht und auch Eiweiß- und Aminosäuregehalte negativ beeinflusst hat.

Blattfleckenkrankheit
Zur Blattfleckenkrankheit ist festzuhalten, dass diese erst dann gefährlich wird, wenn bereits nach der Blüte im Juli erste Infektionen auf 5 bis 10 % der Blattoberfläche auftauchen. Diese können bei günstiger Witterung, wie im Jahr 2009, bis Anfang September –in der Steiermark drei Wochen nach Erstauftritt- auf 80 % der Blattfläche explodieren. Dann sind ertragliche und qualitative Effekte, wie besprochen, zu erwarten. Aus diesem Grund werden für sensible Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit Sorten empfohlen, die die Note 5 für Blattflecken nicht überschreiten.

STEIERMARK
In den letzten Jahren haben sich für die Steiermark zwei Trends etabliert, nämlich für die Veredelung möglichst gesunde spätreife Sorten anzubauen, die die Vegetationsperiode voll ausnützen können, während sich im Marktfruchtbau Sorten mit Reifezahlen zwischen 300 bis 350 als günstig herausgestellt haben, die in den letzten beiden Jahren auf eine Kornfeuchtigkeit von 20 % herangekommen sind. Bei Biogas geht der Trend eindeutig zu den massebetonten spätreifen Sorten bei hoher Pflanzenzahl je Hektar, sprich 85.000 bis 90.000 Pflanzen je Hektar.
Die Pflanzenzahl orientiert sich prinzipiell am Korngewicht je Kolben. Geringe Korngewichte, wie bei frühreiferen Sorten, verlangen eine hohe Pflanzenzahl von mindestens 90.000 Pflanzen, sofern die Standfestigkeit es erlaubt, andernfalls sollte die Sorte gewechselt werden. Aussaatstärken unter 80.000 Korn, auch bei spätreifen Sorten mit hohem Korngewicht je Kolben, sind nicht empfehlenswert, weil immer wieder mit Pflanzenausfällen durch mangelhafte Triebkraft, zu tiefer Saat, Trockenheit etc. zu rechnen ist.

NIEDERÖSTERREICH
Der sehr warme April 2009 schaffte in Niederösterreich ideale Aussaatbedingungen für Mais. Nur auf sehr leichten Standorten kam es gebietsweise zu schlechten Keimverläufen. Erst nach den ersten ergiebigen Niederschlägen begann der Mais kräftig zu wachsen. In Niederösterreich zählte der Monat Juni zu einem der feuchtesten seit über 50 Jahren. So stellten die 311 Liter/m² in St. Pölten einen neuen Rekordwert dar. Viele Maisflächen standen lange im kühlen und zu feuchten Boden. Auf schweren Böden – z.B. im Großraum St. Pölten - waren die Erträge in der Folge eher enttäuschend.
Versöhnlich stimmte jedoch der ausgesprochen schöne Herbst. Die sonnigen Herbsttage ermöglichten ein gutes Abtrocknen der Bestände und somit geringe Trocknungskosten. So regnete es im Trockengebiet nur rund 20 Liter/m² (37 % des langjährigen Mittels). Somit war dieses Gebiet im September eine der trockensten Regionen Österreichs. Ebenfalls unproblematisch zeigen sich die diesjährigen Mykotoxinwerte. Keine einzige Körnermaisprobe des Monitorings überschritt den zulässigen Grenzwert von 1750 µg/kg DON. Insgesamt darf auf ein gutes Maisjahr 2009 zurückgeblickt werden. Rekorderträge wie 2008 wurden jedoch nicht erzielt.

OBERÖSTERREICH
Im Anbau konnte auf Grund der Ergebnisse der Landessortenversuche ein Trend zu frühen Reifegruppen festgestellt werden. Insbesondere dann, wenn bei der Vermarktung Trocknungskosten anfallen. Ein zusätzliches Argument ist bei frühen Reifeklassen, dass auch das Ertragsniveau der neuen Sorten deutlich höher liegt. Zudem können nach frühreifenden Sorten eventuelle Herbstfeldbestellungen noch für Wintergerste oder Wintertriticale etc. erfolgen.
Im mittleren und spätreifen Sortiment ist in OÖ die Reifeklasse zwischen 280 und 350 gemeint; es sind vorwiegend zahnmaisbetonte Sorten im Landesanbau. Sie finden entweder als Spätlieferungen bei Stärkemais oder im CCM-Silierbereich hohe Akzeptanz.
So konnten im Osten Oberösterreichs in diesem Sortenspektrum teilweise gleiche Wassergehalte bei rund 1 t höherem Trockenertrag erreicht werden.

KÄRNTEN
Trotz der schwierigen Situation am Markt bleibt die Entwicklung in den Zuchtgärten nicht stehen. Für die anstehende Sortenwahl gilt es, nicht nur auf die neuen Sorten zu setzen, sondern die Neuen mit Bewährten zu vergleichen. In den letzten beiden Jahren überzeugten in Kärnten durchwegs die mittelspäten und späten Sorten. Der warme und trockene Oktober leistete seinen Beitrag zu einer optimalen Abtrocknung und somit zu niedrigen Erntefeuchten.

TIROL
Der Klimawandel bewirkt besonders im alpinen Bereich eine Erwärmung, höhere Reifezahlen bei Silomaissorten wären eine logische Konsequenz daraus – doch das ist ein Irrglaube. Im Schnitt der letzten Jahre ist wohl die Temperatur gestiegen, aber bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass vor allem die Winter milder werden, das Frühjahr meist zu trocken ausfällt, der Frühsommer recht kühl verläuft und im Sommer die Niederschlagsverteilung für Silomais oft ungünstig ist. Diese Umstände bewirken, dass nur wenige Sorten stabile Erträge bringen. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Sorten mit höheren Reifezahlen das genetische Potenzial nicht voll ausschöpfen können. Der Griff zu Sorten mit Reifezahlen ab RZ 350 hat sich deshalb oft als problematisch erwiesen, da der gewünschte Trockenmassegehalt zur Ernte nicht erreicht wurde. Besonders in Grenzlagen für Maisanbau sollte daher kein unnötiges Risiko bei der Sortenwahl eingegangen werden.

BURGENLAND
In Burgenland erfolgt der Körnermaisanbau hauptsächlich in der Reifegruppe zwischen 300 und 400. Bei frühen Aussaaten und unter Berücksichtigung der Niederschlagsverhältnisse können auch Sorten mit höheren Reifezahlen gute Körnermaiserträge erzielen. Die Mittelfrühen und Frühen Reifegruppen haben im Burgenland eine untergeordnete Bedeutung.

Autoren: Dr. Karl MAYER, LK Steiermark, Ing. Peter KÖPPL, LK Oberösterreich, Mag. DI Harald SCHALLY, LK Niederösterreich, Ing. Reinhard EGGER, LK Tirol, DI Wolf REHEIS, LK Burgenland und DI Markus TSCHISCHEJ, LK Kärnten


Autor:
Aktualisiert am: 05.01.2010 13:33
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