Maissorten für 2009

Das Rekordmaisjahr 2008 machte wieder einmal deutlich, dass die Sorte zwar wichtig für das Ertragsgeschehen ist, dass aber pflanzenbauliche Faktoren hohe Ertragsunterschiede bei ein und der Selben Sorte auslösen können.
Im Jahr 2008 kam es vermehrt zur Bildung von Zweitkolben.
Im Jahr 2008 kam es vermehrt zur Bildung von Zweitkolben.
Ein wesentlicher Einfluss wird bei der Saat über Feldaufgang und Pflanzenanzahl je Hektar festgelegt. Obwohl das vielen Landwirten geläufig sein sollte, stellen diese dann im Juni bei Feldkontrollen überrascht fest, dass die gewünschte Pflanzenanzahl nicht vorhanden ist. Dabei hängt der Feldaufgang nicht nur von der Fahrgeschwindigkeit –je langsamer desto besser- beim Säen ab, sondern auch von der Qualität des Saatgutes und des Saatbettes und den Witterungsbedingungen in den darauf folgenden 14 Tagen bis zum Feldaufgang. Später ausgesäte Bestände haben es mit der längeren Trockenphase Anfang Mai des Vorjahres (in der Steiermark) zu tun bekommen, worunter der Feldaufgang bei zu seichter Anlage (unter 4 cm) sofort unter die Räder kam. In diesem Zusammenhang wird jedem empfohlen mit einem Maßband bei einer Reihenweite von 70 cm mehrere Maisreihen auf einer Länge von 14,28 cm auszuzählen. Dabei sollte aber nicht nur die Pflanzenanzahl, sondern auch die Abstandsgenauigkeit geprüft werden. Auf dieser Länge, welche einer Fläche von 10 m² entspricht, sollten mindestens 70 bis 75 Pflanzen stehen. Bei frühreifen Sorten oder Silo- und Biogasmaissorten sollten mindestens 80 bis 90 Pflanzen ausgezählt werden. Mehr als 95 Pflanzen auf besagtem Abstand bergen die Gefahr, dass sie zu oft mit geringerem Abstand als 14 cm abgelegt werden. In weiterer Folge stellten wir 2008 gerade bei solchen Beständen im Juni verstärktes Lager und Green snaping (Bruch der Maispflanze am Stängelknoten) fest.

Zweitkolben - ein positives Sortenmerkmal?
Großrahmige, massenwüchsige Maissorten konnten in diesem Sommer bei günstiger Wasser- und Stickstoffversorgung profitierten. Das ausreichende Wasserangebot konnte bestens über die Kolbengröße in Ertrag umgesetzt werden. Unter diese Bedingungen kam es auch dazu, dass einzelne Sorten verstärkt Zweitkolben (Nebenkolben) ausbildeten.
Ist ein Zweitkolben ein positives Merkmal? Natürlich kann – im Idealfall - ein weiterer Kolben das Ertragsniveau erhöhen. Er lässt aber auch auf eine gewisse Stressanfälligkeit schließen. Sehr oft wird der Zweitkolben reduziert, wenn die Wachstumsbedingungen sich verschlechtern. Diese zeigen dann am stärkeren Pilzbefall, insbesondere dann, wenn der Zweitkolben nur unvollständig ausgebildet wird.

Aufgrund vermehrter Anfragen führte das Futtermittellabor Rosenau mehrere Analysen bei Haupt- und Zweitkolben durch. Die Ergebnisse stimmen bedenklich. Während am Hauptkolben kein Vomitoxin (Deoxynivalenol) nachgewiesen werden konnte, wurden beim Zweitkolben Mykotoxinwerte von 1.442 µg/kg festgestellt. Der EU-Richtwert für Schweine liegt bei 900 µg/kg Vomitoxin je kg Alleinfutter. Bedenkliche Ergebnisse zeigen auch die mikrobiologischen Untersuchungen des Futtermittellabors. Deutlich übererhöhte Zahlen von Bakterien-, Hefen- und Schimmelpilzkeime des Zweitkolbens lassen bereits Qualitätsmängel erkennen.
Zu beachten ist, dass sich gültige Richtwerte immer auf die Gesamtration (also auf die gesamte Pflanze) beziehen. Diese hohen Werte werden zwar „verdünnt“, ein Gewinn ist der Zweitkolben trotzdem nicht.

Autoren: Dr. Karl MAYER, LK, Steiermark; Mag. DI Harald SCHALLY, LK Niederösterreich; Ing. Peter KÖPPL, LK Oberösterreich; Ing. Reinhard EGGER, LK Tirol


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Aktualisiert am: 09.01.2009 12:54
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