Maismarkt: Wohin geht die Reise?

Meldungen von schwachen Maisbeständen in den USA aufgrund anhaltender Trockenheit sorgten ab Juni für einen Anstieg der Getreidenotierungen an den Börsen. Wie geht es weiter? Nur wer die Zusammenhänge des globalen Maismarktes kennt, kann entsprechend reagieren.
Offizielle Schätzungen des IGC gehen von einer globalen Maisernte von 917 Mio. t bei einem Verbrauch von 910 Mio. t aus.
Offizielle Schätzungen des IGC gehen von einer globalen Maisernte von 917 Mio. t bei einem Verbrauch von 910 Mio. t aus.
Mais ist weltweit mengenmäßig die größte Getreidekultur. Global gesehen werden die letzten Jahre rund 870 Mio. t Mais geerntet. Zum Vergleich: Weichweizen als wichtigstes Brotgetreide kommt nur auf eine Produktionsmenge von etwa 670 Mio. t.
Die Bedeutung von Mais zeigt sich auch an den weltweiten Steigerungsraten bei den Erntemengen. In diesem Erntejahr sollen laut IGC (International Grains Council) 917 Mio. t geerntet werden. Dabei mussten in den letzten Monaten die Ertragsprognosen deutlich zurückgeschraubt werden. Heißes und trockenes Wetter reduzierte sowohl in Kasachstan und Südrussland als auch im Corn-Belt der USA die Ertragserwartungen. Der Verbrauch soll laut IGC das Rekordausmaß von 910 Mio. t erreichen.

Die großen „Player“ am Maismarkt
Der unangefochten größte Maisproduzent weltweit sind die USA. Die jährliche Produktion beträgt rund 320 Mio. t. Etwa 30 Mio. t stehen jährlich für den Export bereit. An zweiter Stelle bei der Maisproduktion liegt China. Im Vergleich zur USA weist dieser Staat eine deutlich knappere Maisbilanz auf.
Die EU-27 liegt an dritter Stelle mit etwa 65 Mio. t Produktion. Trotz Flächenausweitungen ist die EU nach wie vor ein großer Maisimporteur. Jedes Jahr besteht ein Importbedarf von etwa 5 Mio. t. Größere Mengen stammen aus den USA, die traditionell den Westen Europas versorgt, aber auch aus Osteuropa (z.B.: Ukraine). Die letzten Jahre konnte die Ukraine rund 14 Mio. t Mais exportieren. Nur zum Vergleich: Dies ist das rund 7 fache einer österreichischen Maisernte.

Allzeithoch beim Maispreis in den USA
Im Juli 2012 wurden die Erwartungen an die kommende Maisernte der USA deutlich zurückgeschraubt. Das USDA (amerikanische Landwirtschaftsministerium) stufte mittlerweile 38 % der Maisbestände als „schlecht entwickelt“ ein. Die sich abzeichnenden Ertragseinbußen treiben nicht nur in den USA, sondern bereits weltweit die Preise für Mais und andere Getreidearten in die Höhe.
Am 3. August 2012 notierte Körnermais an der Euronext (Matif) in Paris bei 252,50 €/t (Novemberkontrakt). Der Anstieg in den letzten Wochen ist beeindruckend: Noch im Juni 2012 notierte Mais unter 210 €/t. Auch die europäische Bilanz wurde zuletzt korrigiert.
Auch die für die östlichen Regionen Österreichs relevante Budapester Börse konnte sich dem Aufwärtstrend nicht entziehen. Am 20. Juli 2012 notierte Körnermais bei 221 €/t (Novemberkontrakt).


Autor: Mag. DI Harald SCHALLY, Landwirtschaftskammer Niederösterreich, St. Pölten

Den gesamten Artikel und weitere Beiträge zu Ackerbauthemen lesen Sie in der Ausgabe 16 von Der fortschrittliche Landwirt.

Aktualisiert am: 06.08.2012 10:48
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