Maisgipfel: Marktpartner setzen auf koordinierte Vorgangsweise

Die österreichische Rekordernte bei Mais ist bewältigbar, wenn die Marktpartner eine koordinierte Vorgangsweise wählen und die agrarpolitischen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Dies ist das Ergebnis des gestrigen Maisgipfels
Der Maisgipfel wurde vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, einberufen wurde und an dem Vertreter von Verarbeitung und Handel (Agrana, RWA, LK NÖ, LK Steiermark, usw.) teilnahmen. Konkret soll die Maisernte über einen längeren Zeitraum
Die österreichische Maisernte dürfte nach Angaben der LK Ö bei einem Durchschnittsertrag von 10,5 t je ha mit knapp 2,3 Mio. t um 14% über dem Vorjahresniveau liegen.
Die österreichische Maisernte dürfte nach Angaben der LK Ö bei einem Durchschnittsertrag von 10,5 t je ha mit knapp 2,3 Mio. t um 14% über dem Vorjahresniveau liegen.
erfolgen. Dadurch werden die knappen Trocknungs- und Lagerkapazitäten besser ausgelastet und die Erntemengen können geordnet bewältigt werden.

Rekordernte in Österreich
Die österreichische Maisernte dürfte nach Angaben der LK Ö bei einem Durchschnittsertrag von 10,5 t je ha mit knapp 2,3 Mio. t um 14% über dem Vorjahresniveau liegen. Mit einer verkaufbaren Menge von über 1 Mio. t und einem Restbestand von etwa 200.000 t aus der alten Ernte sind mindestens 1,25 Mio. t am Markt verfügbar. Zum Vergleich: Im Getreidejahr 2007/08 waren es 866.000 t. Heuer besteht ein Bedarf von schätzungsweise 300.000 t für die Verfütterung, 540.000 t für die Industrie sowie 150.000 t für die Bioethanolerzeugung.
Da auch in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, in der Ukraine und Rumänien eine wesentlich größere Ernte erwartet wird, ist der Marktdruck massiv. Allein in Ungarn wird eine Verdoppelung auf 9,5 Mio. t erwartet. Für die gesamte Maisernte der EU-27 werden aktuell Zahlen von über 80 Mio. t genannt. In Europa drückt die Aussicht auf die große Maisernte bereits auf die Preise.
Aktuelle Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums gehen dagegen von einer globalen Maisernte im Umfang von 783 Mio. t und einem weltweiten Verbrauch von 796 Mio. t aus. Die Steigerung des Verbrauchs beträgt rund 21 Mio. t oder 2,7% gegenüber 2007/08.

Trocknungskapazitäten jetzt schon ausnutzen
Angesichts der heimischen beziehungsweise europäischen Rekordernten hat LK-Präsident Wlodkowski in Wien einen Maisgipfel mit den österreichischen Vermarktern und Verarbeitern einberufen. Die Experten waren sich darüber einig, dass die große Maisernte verkraftbar und vermarktbar ist, wenn sich alle Marktpartner um eine koordinierte Vorgangsweise bemühen. Dies betrifft einerseits die knappen Lagerraumkapazitäten in den Lagerhausgenossenschaften, Lagereibetrieben, im Landesproduktenhandel, in Mischfutterwerken und in den Mühlen und andererseits die Kapazitäten in der Maistrocknung. "Diese Maisernte ist zwar eine große logistische Herausforderung, aber sie ist bewältigbar, wenn die Produzenten frühzeitig Gespräche suchen, um etwa die Trocknungsanlagen jetzt schon auszulasten", erläutert Pflanzenbaudirektor Ferdinand Lembacher von der LK Niederösterreich. Darüber hinaus sollte die Maisernte über einen etwas längeren Zeitraum erfolgen (bis Ende November/Anfang Dezember), dann wäre der Andrang ebenfalls gemildert. Weiters werden die Genossenschaften den Bauern Akontozahlungen leisten und dann kontinuierlich für Vermarktung sorgen, um so letztlich bessere Preise zu erzielen.

EU: Aufstockung der Maisintervention notwendig
Auf europäischer Ebene fordert die Landwirtschaftskammer Österreich eine kräftige Aufstockung der Maisintervention von 700.000 t auf 7 Mio. t, um auf diese Weise eine Entlastung des Marktes zu erreichen, sowie in diesem Zusammenhang auch praxisgerechte Interventionsrichtlinien. Darüber hinaus verlangt die LK einen raschen Transport der anstehenden Maismengen aus den Überschussregionen in die Zuschussgebiete des Binnenmarktes (Spanien, Portugal usw.) und in Drittstaaten. Die Europäische Kommission soll dabei Frachtkostenzuschüsse für Lieferungen aus den Überschussregionen gewähren. "Die Höhe der Frachtkostenzuschüsse muss dabei so bemessen sein, dass sie Anreiz zu tatsächlichen Lieferungen bieten", erläutert Wlodkowski. An die Verarbeitungsindustrie appelliert er, verstärkt heimischen Mais in den Mischungen einzusetzen, um Teile der geernteten Maismengen möglichst rasch zu verwerten. (AIZ)


Aktualisiert am: 03.10.2008 10:34
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