Maisanbau und Bienenschutz: Ergebnisse des Versuches zum Einsatz neonicotiner Beizmittel liegen vor

AGES legt Ergebnisse des Projektes "Melissa" über den Einfluss insektizid-gebeizten Saatguts auf Bienen vor.
In dem dreijährigen Projekt "Melissa" wurde nun der Einfluss neonicotinoid-hältiger Beizmittel auf das Bienensterben bestätigt.
In dem dreijährigen Projekt "Melissa" wurde nun der Einfluss neonicotinoid-hältiger Beizmittel auf das Bienensterben bestätigt.
Die Ergebnisse des nationalen Forschungsprojektes „Melissa“ liegen nun vor: Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen insektizid-gebeiztem Saatgut und Bienensterben. Das ist eines der wesentlichsten Ergebnisse des von 2009 bis 2011 von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersuchten Probenmaterials (Bienen, Pflanzen, Saatgut) auf Rückstände von insektiziden Saatgutbeizmitteln. Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag in den Mais-, Raps- und Kürbisanbaugebieten Österreichs.
„Im Jahr 2011 wurden von rund 367.000 Bienenvölkern in Österreich bei 1.396 Völkern (rund 0,38 %) Schädigungen durch insektizid-gebeiztes Saatgut nachgewiesen. Das entspricht einer signifikanten Reduktion der Bienenverluste. Die von AGES, Imkervertretern, Landwirtschaftskammern und Saatgutwirtschaft im Rahmen des Projektes ausgearbeiteten Vorschriften für die Aussaat von insektizidgebeiztem Saatgut von Mais und Ölkürbis haben zu diesem Ergebnis wesentlich beigetragen ", erklärte Projektleiter Leopold Girsch während einer Pressekonferenz in Wien.

Bienenfreundliche Auflagen haben Vorrang

Anlass für die Studie waren auffallend hohe Verluste bei Honigbienen in Gebieten mit intensivem Mais- und Rapsanbau. Als eine Ursache wurden insektizide Beizmittel mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonicotinide ausgemacht, die vor allem gegen Maiswurzelbohrer und Drahtwurm eingesetzt werden.
Während in Ländern wie Deutschland, Italien und Slowenien die Anwendung neonicotinoid-hältiger Beizmittel verboten ist, kommen diese in Österreich weiterhin zum Einsatz. Trotz effektiver risikomindernder Vorschriften wäre es notwendig, zugelassene Pflanzenschutzmittel zur Eindämmung und Bekämpfung des Quarantäneschädlings Maiswurzelbohrer verfügbar zu haben, rechtfertigt Girsch die Entscheidung. Dennoch soll die disziplinierte Umsetzung von bienenschonenden Auflagen durch Saatgutwirtschaft und Landwirte Vorrang haben.

Fruchtfolgeauflagen bereits umgesetzt

Erst kürzlich wurde die Fruchtfolgeregelung - eine der wirksamsten Maßnahmen gegen den Maisschädling - in den betroffenen Bundesländern verschärft. Demnach ist ab 2012 eine Maisfruchtfolge im Verhältnis 1:3 Vorschrift, die aus fachlicher Sicht insektizide Beizmittel bei schwacher Durchseuchung überflüssig macht.
Für die Landwirte bedeutet das eine Begrenzung des Maisanbaus auf drei Jahre, im vierten Jahr muss eine andere Kultur folgen. Bei Ölkürbis gilt ein freiwilliger Verzicht von einzelnen Beizmitteln, da das behandelte Saatgut nicht überlagert werden kann. Weitere Vorschriften zum Schutz der Bienen umfassen eine verbesserte Beizqualität – der Abrieb wurde auf 0,75g je 100.000 Korn begrenzt – sowie zahlreiche Auflagen während der Aussaat.
Vorgeschrieben sind Delfektoren (Abluftleitungen) bei pneumatischen Sämaschinen und eine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Windgeschwindigkeiten nicht über 5 m/sec (18 km/h). Jegliche Staubabdrift besonders in benachbarte blühende Pflanzenbestände ist zu vermeiden. Außerdem muss der Anwendung von insektizidgebeiztem Saatgut ein Pflanzenbaurisiko zugrunde liegen, so die Auflagen.

Maßnahmen zeigen ihre Wirkung - Honig ist gesundheitlich unbedenklich

Auffallend für Österreich sei eine starke regionale Konzentration von Bienenverlusten, die die Studienautoren auf kleinräumige, landwirtschaftliche Strukturen zurückführen. Dadurch wären die Bienen gegenüber jenen insektiziden Pflanzenschutzmitteln besonders exponiert. Vergiftungsverdachts-Fälle wurden überwiegend aus der Südost-Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich bestätigt. Laut AGES konnte das Schadensausmaß in jenen Gebieten, in denen die Auflagen diszipliniert eingehalten wurden, deutlich reduziert werden. Wären 2009 noch über 90% der untersuchten Proben mit Vergiftungsverdacht bestätigt worden, lag der Wert 2011 bereits unter 50%.
Auch im Honig selbst konnten bis jetzt nur vereinzelt Spuren der neonicotinoid-hältigen Beizmittel nachgewiesen werden, die in keinem Fall ein gesundheitsschädigendes Ausmaß erreichten, geben die Experten Entwarnung. Trotz Projektende wird die AGES ihr Monitoring weiter fortsetzen. Die von der Behörde genommenen Proben werden wie bisher auf Bienenkrankheitserreger und -parasiten sowie auf Rückstände von insektiziden Saatgutbeizmitteln und anderen Pflanzenschutzmitteln untersucht. Zudem plant auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Veröffentlichung von Bienenschutz-Leitlinien. Finanziert wurde "Melissa " überwiegend aus Mitteln von Lebensministerium und sechs Bundesländern.


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Aktualisiert am: 21.03.2012 15:15
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