Mais: „Wir rechnen mit steigenden Preisen“

Die Situation ist nach den niedrigen Maispreisen im Jahr 2008 angespannt, der Maisanbau rückläufig. Im Landwirt-Interview spricht Dr. Karl Mayer über Perspektiven am Markt, den Maiswurzelbohrer und über Strategien bei Anbau und Düngung.
„Ohne eine gewisse Risikobereitschaft wird uns auch kein Fortschritt gelingen.“
„Ohne eine gewisse Risikobereitschaft wird uns auch kein Fortschritt gelingen.“
D er fortschrittliche Landwirt: Was sind die Gründe für den rückläufigen Maisanbau im heurigen Jahr?
Karl Mayer: Die Gründe sind vor allem die Preissituation des Vorjahres und die Erwartungen der Landwirte beim Anbau von Alternativen. Alternativen wie Soja in Oberösterreich, Kürbis in der Steiermark, Sonnenblume in Niederösterreich. Die Bauern erwarten sich von den Alternativen bessere Preise bei geringerem Input.

Preisentwicklung bei Mais
Der fortschrittliche Landwirt: 2007 lagen die Höchstpreise zur Ernte bei 260 Euro, 2008 waren es Tiefstpreise um die 110 Euro. Was ist für heuer und auf lange Sicht zu erwarten?
Karl Mayer: Die Antwort auf lange Sicht ist einfacher. Wir rechnen mit steigenden Rohstoffpreisen. Der Preis für agrarische Rohstoffe hängt am Preis für fossile Rohstoffe, weil immer mehr agrarische Rohstoffe zur Energiegewinnung herangezogen werden und so mit fossilen Rohstoffen in Konkurrenz stehen. Wir können also davon ausgehen, dass, wenn der Ölpreis ansteigt, auch die Preise für agrarische Rohstoffe steigen. Andererseits gehen nun in den USA einige Ethanolanlagen in Konkurs, was den Maisbedarf verringert. Die amerikanische Agrarlobby interveniert momentan von derzeit 10 % in Richtung15 % Beimischrate von Bioethanol zu Treibstoffen. Diese Anhebung um 5 % würde den Maispreis massiv stützen. Der deutlichniedrigere Maisanbau in Europa, vor allem im Osten, wird stabilisierend auf den Preis wirken. Was noch nichtabgeschätzt werden kann, ist die Währungsentwicklung in den klassischen östlichen Exportländern.

Maiswurzelbohrer
Der fortschrittliche Landwirt: Der Maiswurzelbohrer hat sich mittlerweile bis nach Bayern ausgebreitet. Kann man daraus den Schluss ziehen, dass die Bekämpfungsmaßnahmen nicht greifen?
Karl Mayer: Nein, das kann man nicht. Mit den Bekämpfungsmaßnahmen wird die Ausbreitung zwar nicht verhindert, wohl aber verzögert. Auf Sicht müssen wir aber mit dem Maiswurzelbohrer leben. Denn in 5 bis 6 Jahren werden wir in der Steiermark, und einige Jahre später auch in Oberösterreich und Niederösterreich, große Probleme mit diesem Schädling haben. Die Bekämpfung wird derzeit mittels Saatgutbeizung, Insektizideinsatz mit Stelzentraktor und über die Fruchtfolge betrieben. Der Insektizideinsatz mittels Stelzentraktor ist nicht überall möglich, genauso wenig die Ausweitung der Fruchtfolge und die Saatgutbeizung steht stark in der Kritik. Alternativen, wie beispielsweise die Züchtung von Maissorten mit Resistenzwirkung gegen Maiswurzelbohrer, stecken noch in den Kinderschuhen.

Der fortschrittliche Landwirt: Ist der gentechnisch veränderte Mais die Lösung?
Karl Mayer: Außerhalb von Europa wird das auf jeden Fall für eine wissenschaftliche Lösung zur Senkung des derzeit hohen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln gehalten. Wir müssen uns bewusst sein, dass Ackerbau nichts Natürliches ist, sondern vom Menschen geschaffen. Ohne eine gewisse Risikobereitschaft wird uns auch kein Fortschritt gelingen.

Autoren: Reinhild JÄGER und Roman GOLDBERGER im Gespräch mit Dr. Karl MAYER, LK Steiermark


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Aktualisiert am: 07.05.2009 10:32
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