Mais: Die Notierungen haben Nachholbedarf

Die Preisgestaltung am Maismarkt verläuft derzeit etwas außergewöhnlich. Klar ist: Es gibt noch Spielraum nach oben. Der zukünftige Schweinepreis und das Wetter sind dabei die wichtigsten – unbekannten – Variablen.
Bis zur Ernte hat das Wetter noch unbekannte Größen in der Ertragsgleichung.
Bis zur Ernte hat das Wetter noch unbekannte Größen in der Ertragsgleichung.
Um 46 Euro/t bis auf 119 Euro/t gaben seit Ende Mai bis Anfang August die Novembernotierungen 2009 für Mais an der Terminbörse in Paris nach. Im Jahr zuvor reichte für den gleichen Preisabschlag ein Monat vom 4. Juli bis 5. August auf damals 184 Euro/t. Letztlich erwies sich das aber auch nur als Zwischenstopp, da bis zum 10. Oktober die Notierung nochmals um enorme 65 Euro/t auf nunmehr 124 Euro/t nachgab. Bleibt zu klären, ob in diesem Jahr den Landwirten künftig das gleiche Preiscrash-Szenario bevorsteht. Dagegen sprechen die Fakten. Einmal, laut Strategie Grain, die 2%ige Verringerung der EU-weiten Aussaatflächen beim Mais sowie ein voraussichtlicher 9%iger Ertragsrückgang um 5 Mio. t auf 56,5 Mio. t.
Um 1,7 Mio. t oder 30 % auf 3,7 Mio. t sinkt damit auch die überlagerte Maismenge gegenüber dem Vorjahr, so das amerikanische Landwirtschaftsministerium in seinem Augustbericht.

Preisdrücker Lager
Vor allem die Maismenge, die ins kommende Vermarktungsjahr übernommen wird, hat erheblichen Einfluss auf die künftige Preisbildung. Denn volle Läger verhindern grundsätzlich künftig ansteigende Notierungen, geringe Vorräte bewirken hingegen das Gegenteil.
Jedes Jahr ändert sich das Maisangebot wie auch der Verbrauch. Das verursacht erhebliche Schwankungen bei der überlagerten Maismenge wie bei dessen Preis. Messbar wird das durch die Verhältnisbildung von verfügbarem Angebot zum Lagerbestand am Ende des jeweiligen Wirtschaftsjahres. Der dabei gefundene Verhältniswert wird in Prozent ausgedrückt und als Stock to Use – Ratio (SUR) bezeichnet. Liegt diese Ziffer über eine Reihe von Jahren vor, leitet sich daraus ein Trend für die künftige Höhe der Preisbildung dieser Druschfrucht ab. Dabei stellt sich heraus, dass mit dem Anstieg des Prozentwertes der überlagerten Maismenge die Notierungen nachgeben.

Preismacher Wetter
Um 5 Mio. t auf 329 Mio. t. erhöht das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) im Septemberbericht die Ertragserwartungen für Mais in den USA. In den Hauptanbaugebieten verschlechtern sich aber zusehends die Wetterbedingungen. Einmal fehlen in Iowa, dem Staat mit 15 % Anteil an der gesamten Maisanbaufläche der USA, bis Ende August 2- 7 Wachstumstage wegen der äußerst niedrigen durchschnittlichen Sommertemperaturen. Das verzögert die Abreife. Treten dann noch Anfang Oktober Fröste auf, sind Ertragsausfälle unabwendbar.
Zudem hat eine Vielzahl von Teilnehmer an der Terminbörse auf fallende Novembernotierungen beim Mais gewettet und damit Maiskontrakte verkauft. Allerdings bleibt eine physische Anlieferung dieser Ware die Ausnahme. Nur ein Rückkauf von Maiskontrakten in gleichem Umfang verhindert das. Das könnte im Oktober zu einer kleinen Preisrallye der Maisnotierungen führen.

Fazit
Die Maisnotierungen sind seit Mai 2009 um 40 Euro/t zurückgegangen. Das ist nicht gerechtfertigt. So errechnet sich aus der überlagerten Maismenge im Verhältnis zum Marktangebot ein Preis von 144 Euro/t. Ebenfalls lässt sich diese Zahl aus dem 11-Jahresmittel der Schweinepreise zu den Maispreisen ablesen. Mais als bedeutendste Bioenergiepflanze vollzieht damit auch die Preisbewegungen von Öl nach. Wird dies miteinander ins Verhältnis gesetzt, liegt der mittlere Wert bei 1:3,11, gegenwärtig aber nur bei 2,44. Selbst unter Einbeziehung der unteren Standardabweichung wäre noch ein Maispreis von 136 Euro/t gerechtfertigt.

Autor: Joachim RUHMANN, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), Bad Kreuznach (D)


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Aktualisiert am: 21.09.2009 18:12
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