Macht der Mais den Schweinepreis?

Künftige Preisentwicklungen für seine Erzeugnisse möglichst weit im Voraus auszumachen, hat für jeden Landwirt einen hohen Stellenwert. In der Schweinemast soll das mit Hilfe des Preisverhältnisses von Mais zum Schwein möglich sein. Schon seit über 100 Jahren prognostizieren Ökonomen in den USA mit Hilfe der sogenannten Corn Hog Ratio den künftigen Verlauf von Schweinenotierungen.
Die Preisrelation zwischen Mais und Fleisch ist für Preisprognosen hinreichend genau.
Die Preisrelation zwischen Mais und Fleisch ist für Preisprognosen hinreichend genau.
Grundlage dafür bildet das Preisverhältnis von 100 amerikanische Pfund Schweinefleisch - etwa 45 kg - geteilt durch einen Scheffel 25 kg (bushel)Mais. Dabei bewegt sich diese Kennziffer im langjährigen Mittel in einer Bandbreite von 15 bis 20. Längere Abweichungen von diesem Wert sind nicht außergewöhnlich, beeinflussen dann aber die künftige Richtung des Schweinepreises, so die These.
Wird dieses Verhältnis nach oben überschritten, gewinnt die Schweinemast an Vorzüglichkeit. Das gilt insbesondere für geschlossene Systeme, da der Ferkelpreis dort einzig mit den eigenen, gering schwankenden, Erzeugungskosten in die Kalkulation eingeht. Die Kostenstelle Futtermittel gewinnt dadurch noch weiter an Bedeutung. Kann der Mäster nun 20 oder mehr Einheiten Mais für die Einheit Schweinefleisch erwerben, beruht das meist auf niedrigeren Maisnotierungen. Zugleich verringert das die Gewinnrate für diese Ackerfrucht. Kann der Mais dann aber den Hof über den Schweinemagen verlassen, hilft das das Problem zu lösen. Das bedingt aber oft zuvor die Aufstockung des eigenen Schweinebestandes.
Diese Erkenntnis stellt nach diesem langen Beobachtungszeitraum Allgemeingut dar, so dass die Schweinbestände umgehend landesweit zunehmen. Das Angebot an Schweinefleisch wächst und in der Folge bilden sich dessen Preise zurück. Nach 1,5 Jahren erfährt das seine größtmögliche Auswirkung auf die Schweinepreise. Das umgekehrte Szenario setzt ein, sobald das zuvor beschriebene Preisverhältnis länger den Wert von 15 unterschreitet. Der Profit aus dem Produktionszweig Schweinemast schwindet. Die Maisvermarktung über den Schweinemagen erweist sich als ökonomisch weniger vorzüglich. Eine Abstockung der Schweinebestände ist notwendig. Das Angebot an Schweinefleisch sinkt und das wiederum bedingt dessen Preisanstieg.
Da beide Szenarien in schneller Folge eintreten können, verlangt das schnelles Handeln. Dafür liefert die Corn Hog Ratio, die in den USA wöchentlich veröffentlicht wird, die Grundlage.

Hohe Trefferquote
Bleibt noch die Eintrittswahrscheinlichkeit der Preisprognosen zu überprüfen. Dazu ist es notwendig, den prognostizierten Wert mit dem tatsächlich Eingetretenen zu vergleichen. Diese Abweichung erreicht im Beispielsfall, Fälligkeit April 09, seine größte Abweichung im vierten Mastdurchgang mit 7,2 Cent, das sind 4,95 %. Andererseits sind im 1., 2. und 5. Mastdurchgang diese Abweichungen sehr niedrig.
Bleibt noch zu sagen, dass mit derzeitiger Ratio von 9,9 sich die Mäster preismäßig gemäß dieser Auswertung in naher Zukunft mit geringen künftigen Preisschwankungen rechnen müssen. Rund 70 % der überprüften Wochenratios im Beobachtungszeitraum und das für alle Mastdurchgänge, verfehlen bei den Prognosen die tatsächlichen Preise um weniger als 10,2 %. Diese doch verhältnismäßig hohe Zahl bedingen eine Reihe der Extremwerte für das Preisverhältnis sowohl von unter 8 und über 13. Der erste Fall trat im 2. Halbjahr 2007 ein und dauerte ein Jahr. Im August 2004 bis Ende 2008 lag die Ratio hingegen fortwährend über 13. Stabilisiert sich in der Zukunft die mittlere Preisrelation weiter im Bereich zwischen 10 und 11 bestehen berechtigte Aussichten, dass sich der Prozentwert der Preisabweichungen verringert.

Autor: Joachim RUHMANN, DLR Bad Kreuznach (D)


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Aktualisiert am: 03.06.2009 17:16
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