MMA: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt

Wie hoch die Häufigkeit von MMA ist, wird gelegentlich unterschätzt: „Im Schnitt erkranken 10 bis 30 % aller Sauen eines Bestandes an MMA. In Problembetrieben können es sogar bis zu 80 % der Tiere sein.“
Für das Gesäuge der Sau ist eine Erkrankung an MMA (Mastitis = Gesäugeentzündung, Metritis = Gebärmutterentzündung, Agalaktie = Milchlosigkeit) eine ernstzunehmende Gefahr. Nicht immer heilt MMA vollständig aus; im Extremfall bleiben einzelne Bereiche des Gesäuges dauerhaft geschädigt.

Höhere Saugferkelverluste durch MMA-Erkrankung

Typisch für das Krankheitsbild ist ihr Auftreten kurz nach der Geburt, wobei die Sau meist Fieber über 40 °C zeigt. Die Milchproduktion fällt stark ab oder kommt völlig zum Erliegen. Die entzündeten Gesäugebereiche sind gerötet und schmerzempfindlich. Die ausgehungerten Ferkel kümmern und wachsen auseinander. „Einige Ferkel sterben sogar aufgrund der Mangelernährung. Zudem steigen die Erdrückungsverluste, da die Ferkel nicht mehr kräftig und flink genug sind, um der sau auszuweichen.“ Je früher MMA erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Daher sollte die Körpertemperatur der Sauen in den ersten Tagen nach dem Abferkeln regelmäßig gemessen und ein Blick auf das Gesäuge sowie in den Trog geworfen werden. Auch die Ferkel selbst geben mit ihrem unruhigen Verhalten und der ausgeprägten Hungergrube einen Hinweis. Schließlich fehlt ihnen nicht nur das Kolostrum zum Aufbau ihres Immunsystems, auch die mit der Mutterschutzimpfung gebildeten Antikörper können mangels Milchaufnahme nicht an das Ferkel weitergegeben werden.

Wie kann eine MMA-Erkrankung verhindert werden?

Da MMA eine Faktorenerkrankung ist und somit mehrere Ereignisse zur Entstehung beitragen, gilt es, diese krankmachenden Auslöser auszuschalten. Neben einer optimalen regelmäßigen Hygiene mit Entfernung des Kotes aus den Abferkelbuchten, Rein-Raus-System, Reinigung und Desinfektion der Buchten, Waschen der Sauen vor dem Umstallen und gekonnter Jungsaueneingliederung hilft eine rohfaserreiche Fütterung und – noch wichtiger – ausreichend frisches Tränkewasser bei der Vorbeuge. Als Faustzahl gilt: 30 bis 40 l Wasser/Tag in der Trächtigkeit und nach dem Abferkeln „mindestens 15 l Wasser pro Tag plus 1,5 l Wasser je Saugferkel.“ Ebenso sinnvoll sind Bewegung (Gruppenhaltung) und das Vermeiden der Futterumstellung kurz vor der Geburt. Es scheint, dass Verstopfung das Auftreten von MMA begünstigt. So wird vermutet, dass krankmachende Bakterien die Darmschranke durch die längere Verweildauer des Futters passieren und im Gesäuge die klassischen Symptome der MMA hervorrufen. Besser als Glaubersalz helfen gegen Verstopfung „Trockenschnitzel, Weizenkleie und industriell hergestellte Rohfaserträger.“ Im Krankheitsfall selbst ist ein resistentes Antibiotika, gepaart mit einem Entzündungshemmer, das Mittel der Wahl.
(Quelle: „MMA – früh erkennen, zügig behandeln“ von Dr. Nicole Kemper in top agrar 1/2010, S. S 12 -15)


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Aktualisiert am: 05.01.2010 07:22
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