MILC: Steighilfe für den Milchpreis

Der Milchpreis ist im Keller. Das amerikanische Milch-Programm MILC, umgelegt auf den deutschen Markt, ist eine interessante Alternative zur Einkommenssicherung. Das kann auf für Österreich ein Denkanstoß sein.
Die Kosten der Fütterung machen einen Großteil der Produktionskosten aus, sie lassen sich im Berechnungsprogramm MILC für die Ausgleichszahlungen berücksichtigen.
Die Kosten der Fütterung machen einen Großteil der Produktionskosten aus, sie lassen sich im Berechnungsprogramm MILC für die Ausgleichszahlungen berücksichtigen.
Alternativen, die den Forderungen der Milchviehhalter entsprechen, haben zwei Bedingungen zu erfüllen: Sie kommen ausschließlich diesem Adressatenkreis zugute und erfordern einen verhältnismäßig geringen finanziellen Aufwand an öffentlichen Mitteln.
Ziel bleibt es, der Forderung von 40 Cent Verkaufserlös für einen Liter Milch maßgeblich entgegenzukommen. Als problematisch erweisen sich Eingriffe, die das Ziel haben, höhere Verkaufspreise beim Handel durchzusetzen. Das verletzt die Grundregeln des marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystems. Weiter führt das in der Folge bei ökonomisch gut geführten Betrieben zu erheblichen Zusatzgewinnen. „Endbetriebe“, es handelt sich dabei um das untere Viertel der Gruppe bei Betriebserhebungen, erreichen hingegen gerade die Gewinnschwelle. Eine weitere Ausweitung der Einkommensdisparität ist zu befürchten, was ebenfalls den Zielen der sozialen Marktwirtschaft grob zuwiderläuft.

Programm MILC
Ein Lösungsansatz ist ein Preisausgleich, der beim Absinken des Milchpreises unter ein zuvor definiertes Niveau zur Auslösung kommt.
Anleitungen für solch ein Vorgehen liefert das seit 2001 in den USA laufende Milk Income Loss Contract Program for Dairy Producer (MILC). Dessen formale Grundlagen wie ökonomische Eckdaten sollen als Vorlage für eine Anwendung auf dem deutschen Milchmarkt dienen. Teilnehmen an diesem Programm dürfen nur Milchviehhalter, die vor Inkrafttreten dieser Unterstützungsmaßnahme Eigentümer einer Milchreferenzmenge waren. Hinzu kommt eine weitere Einschränkung, die die maximale Höhe außerlandwirtschaftlicher Einkünfte betrifft. Bei 500.000 US $ liegt diese gegenwärtig in den USA. Hier könnte der Betrag erheblich darunter liegt.
Auslöser für Beihilfezahlungen bildet das Unterschreiten eines festgelegten Milchpreises für Standardware, hier Milch mit 3,4 % Eiweiß und 3,7 % Fett. Auf gerundet 27 Cent /kg beläuft sich dann der Mindestpreis – bei der Umrechnung auf unsere Maßeinheit und bei US- $ Euro Relation von 1,4. Außen vor bleiben Mengen- und Qualitätszuschläge wie Nachvergütungen für die abgelieferte Milch. Wird diese Preishöhe bei der monatlichen Milchabrechnung im nationalen gewichteten Durchschnitt unterschritten, kommt das das MILC zum Einsatz.
Aber auch das Überschreiten der Kosten einer definierten Futterration lösen Beihilfezahlungen aus.

Spricht was gegen MILC?
Jeder preisliche Eingriff verursacht Auswirkungen auf das Marktgeschehen. Preisstützungen verstärken die Produktion. Dagegen kann argumentiert werden, dass ein Milchpreis von 27 Cent (10 % unter den 11 Jahresmitteln von 30 Cent/kg), schwerlich die Produktion anregt. Zugleich verhindert das nicht den Strukturwandel, sondern nimmt bestenfalls den größten Druck heraus. Hinzu kommt, dass die noch bestehende betriebliche Milchquote und die damit verbundene Superabgabe auch Spitzenbetriebe unter diesen Umständen von einer Mehrproduktion abhalten.
Einen unplanmäßigen Anstieg der Ausgaben für dieses Programm verhindern Kappungsgrenzen. Deren Festlegung beschreibt einen maximalen betrieblichen Beihilfebetrag und/oder einer höchstmögliche prämienberechtigte Ablieferungsmenge. Trotz allem verschafft diese Form der Preisabsicherung dem Milcherzeuger Planungssicherheit. Denn werden diesen 27 Cent noch der S- Zuschlag, jährliche Nachzahlungen der Molkerei wie Mehrwertsteuer hinzugerechnet, kommen die geforderten 40 Cent/kg Milch schon in Sichtweite.

Autor: Joachim RUHMANN, DLR Ländlicher Raum, Bad Kreuznach (D)


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Aktualisiert am: 24.06.2009 11:31

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