Lückenhafte Dieselversorgung zeigt große Importabhängigkeit

"Während sich die Autofahrer über fallende Spritpreise an den heimischen Zapfsäulen freuen, mussten Landwirte und Frächter für Diesel beträchtlich mehr zahlen als zuletzt. Der Grund dafür ist eine Verknappung der Liefermengen von Dieselprodukten für Großabnehmer", stellt Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes, fest. Er fordert daher die Einhaltung der Biodiesel-Beimischung und den Ausbau von E85-Tankstellen.
"Wie jedes Jahr steigt im Herbst aufgrund des Umstiegs auf Winterdiesel und der Herbstarbeiten in der Landwirtschaft die Nachfrage nach Diesel. Das sollte eigentlich nichts Neues für die österreichischen Mineralölfirmen sein. Die zuletzt wieder lückenhafte Versorgung macht aber deutlich, dass die heimische Dieselproduktion bei höherer Nachfrage schnell an ihre Grenzen stößt", stellt Kopetz fest.

Importabhängigkeit verringern
Die Versorgung der heimischen Landwirtschaft mit Dieselöl konnte zwar mittlerweile - nach intensiven Gesprächen, die Hermann Schultes, Vorsitzender des Ausschusses für Energiefragen in der Landwirtschaftskammer Österreich, mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein führte - gesichert werden. Für den Vorsitzenden des Biomasse-Verbandes zeigen die Entwicklungen am heimischen Treibstoffmarkt aber ein grundsätzliches Problem auf.

"Egal welche Preispolitik von der Mineralölindustrie momentan betrieben wird, um ihre Gewinnspannen zu erreichen - wieder einmal wird deutlich, dass Dieselprodukte auch in Zukunft eine große Rolle am Treibstoffmarkt spielen werden. Generell steigt die Nachfrage nach Treibstoffen weltweit an. Doch die meisten Staaten müssen ihren Bedarf durch Importe aus wenigen, meist krisengeschüttelten Regionen decken. Auch Österreich importiert über 90% seiner Mineralölprodukte. Der einzige Weg, sich von Öl-Importen unabhängiger zu machen, ist daher die konsequente Beimischung von Biotreibstoffen aus heimischer Produktion", unterstreicht Kopetz.

Österreich hat EU-Biotreibstoff-Beimischziel für 2010 bereits erreicht
Alle verkauften Treibstoffe in Österreich beinhalten momentan 5,75% Biotreibstoffe. Das entspricht genau dem Ziel, das die EU allen Staaten bis 2010 vorgegeben hat. Österreich erreicht daher die EU-Vorgabe bereits zwei Jahre früher und vermindert damit die österreichischen CO2-Emissionen um weitere 1,2 Mio. t. Im Regierungsprogramm wird bis 2010 sogar eine 10%-Beimischung von Biotreibstoffen zu herkömmlichen Treibstoff angestrebt. "Wie sich jetzt herausstellt, ist dieser Weg richtig. Würde es derzeit keine Beimischung geben, müsste die heimische Mineralölindustrie verstärkt Öl importieren, um die Nachfrage zu decken, oder aber die Reservelager öffnen - eine Lösung, die nur von kurzer Dauer sein kann. Die Öllager der österreichischen Erdöllagergesellschaft (ELG) decken gerade einmal den Treibstoffbedarf für 90 Tage", gibt Kopetz zu bedenken.

Einhaltung der Beimischung und Ausbau von E85-Tankstellen gefordert
Daher fordert der Österreichische Biomasse-Verband die Bundesregierung und die Mineralölkonzerne auf, an der Beimischung von Biotreibstoffen festzuhalten und gleichzeitig den weiteren Ausbau von Biotreibstoff-Tankstellen, etwa E85-tauglichen Tankstellen, zu forcieren. In einem 5-Punkte-Aktionsprogramm der Bundesregierung wird der Ausbau von bis zu 200 E85-Tankstellen bis 2010 angestrebt. E85 ist ein Treibstoff aus 85% Bioethanol und 15% Superbenzin. Nur geringe Umbauarbeiten am Fahrzeug sind notwendig, um mit diesem Treibstoff ein konventionelles Fahrzeug betreiben zu können. Momentan gibt es österreichweit erst sieben Tankstellen. "Ein rascher Ausbau des Tankstellen-Netzes für E85 ist daher dringend erforderlich, um diesen Kraftstoff flächendeckend anbieten zu können", betont Kopetz. (AIZ.info)


Aktualisiert am: 05.11.2008 11:43
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