Lohnt sich die Ebermast?

Lohnt sich die Ebermast für deutsche Landwirte? Aktuelle Ergebnisse aus Praxisversuchen lassen vermuten, dass die Ebermast derzeit nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen für Landwirte interessant ist.
“Die Ebermast dürfte unter den derzeitigen Bedingungen nur für solche Betriebe Vorteile bringen, die sich eine bessere Futterverwertung versprechen oder deren Schlachtkörper bisher eher unterdurchschnittlich abscheiden.“ Die aktuell in der Praxis gewonnenen Erfahrungen mit der Ebermast sind nicht allgemeingültig, sondern zeigen – da nur ein Betrieb ohne Vergleichsgruppe beobachtet wurde - lediglich eine Tendenz an, die den Erfahrungen eines bereits 15 Jahre zurückliegenden Versuches zum Teil widersprechen.

Höhere Muskelfleischanteile bei den Ebern

Ebermast statt Ferkelkastration
Ebermast statt Ferkelkastration
Hinsichtlich der Tageszunahmen bestehen nur minimale Unterschiede, wobei die Futterverwertung der Eber aktuell im Betrieb unter den Durchschnittswerten, im Versuch jedoch über den Vergleichswerten lag. Die Futteraufnahme der Eber lag in beiden Fällen unter der der Börge. Bei der Ausschlachtung bestachen im Versuch vor 15 Jahren sowie auch heute die Eber mit ihren hervorragenden Muskelfleischanteilen von knapp 60 % laut FOM bzw. Auto-FOM. Heute wie früher liegt die Ausschlachtung der Eber mit 78 % rund 1 bis 2 % niedriger als bei den Börgen. Für das schlechte Abschneiden der Eber im aktuellen Praxisbetrieb könnte neben den zur Endmast auftretenden Gesundheitsproblemen ein Proteinmangel in der Mittelmast verantwortlich sein. „Die Eber wurden „nur“ mit Standard-Mastfutter versorgt.“

Großteil des Eberfleisches wies keine Geruchsbelastung auf

Eber bilden größere Schinken- und Schulterateile aus. „Die Eber schneiden unter dem Strich mit 0,993 Indexpunkten/kg Schlachtgewicht rund 0,02 Punkte besser ab als die Vergleichsgruppe.“ Was die geruchliche Bewertung der Eber anging, waren 85 % der Tiere unauffällig, 13 % hatten eine leichte geruchliche Abweichung und 2 % einen deutlichen Geruch, hervorgerufen durch Skatol, Indol und Androstenon. Da die derzeitige Bezahlung von Eberfleisch bei 4 Cent unter ZMP-Notierung/kg Schlachtgewicht liegt, muss sich die Futterverwertung deutlich steigern, wenn mit der Ebermast Geld verdient werden soll oder „die Schlachtleistungen bisher eher unterdurchschnittlich sind.“

(Quelle: „Eber-Mast: Was kommt auf die Praktiker zu?“ von Dr. Friedhelm Adam in top agrar 5/09, S. 8 - 11)


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Aktualisiert am: 16.05.2009 18:28
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