Lenktriebachsanhänger und Transporter – die Kosten

Nicht die eingesetzte Technik bestimmt die Kosten der Bergmechanisierung, sondern deren Auslastung. Im Teil 2 unseres Vergleichstests „Lenktriebachsanhänger versus Transporter“ haben wir auf Basis der Testergebnisse beide Systeme kalkuliert.
Die Anschaffungskosten ohne Aufbauladewagen bewegen sich bei beiden Systemen in der gleichen Größenordnung.
Die Anschaffungskosten ohne Aufbauladewagen bewegen sich bei beiden Systemen in der gleichen Größenordnung.
In der Ausgabe 18/2012 unserer Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“ haben wir unter dem Titel „Zwei ungleiche Alpinisten“ die beiden Systeme mit ihren Stärken und Schwächen vorgestellt. Die Ergebnisse dieses Vergleichstests bilden die Grundlage für die betriebswirtschaftliche Bewertung beider Verfahren. Folgende Fragestellungen wollen wir kalkulatorisch beantworten:
• Wie hoch sind die jährlichen Fixkosten der einzelnen Maschinen?
• Mit welchen variablen Kosten ist je Betriebsstunde zu rechnen?
• Welche Schlagkraft ermöglicht die jeweilige Technik?
• Was kostet die Einbringung von einer Tonne Heu?

Zur Berechnung wurden die ÖKL-Richtwerte für die Maschinenselbstkosten für den land- und forstwirtschaftlichen Einsatz in der Nachbarschaftshilfe herangezogen. Bei allen ausgewiesenen Kosten handelt es sich um reine Nettowerte ohne Umsatzsteuer.

Die Gesamtkosten des Maschineneinsatzes je Einsatzstunde hängen wesentlich von der Maschinenauslastung ab.
Die Gesamtkosten des Maschineneinsatzes je Einsatzstunde hängen wesentlich von der Maschinenauslastung ab.
Auslastung, Nutzungsdauer, Reparaturen
Für eine fundierte betriebswirtschaftliche Kalkulation von Maschinenkosten ist es notwendig die jährliche Auslastung, die wirtschaftliche Nutzungsdauer und die Reparaturkosten zu kennen.
Die praxisüblichen jährlichen Einsatzstunden eines Traktors betragen laut ÖKL 450 h. Beim Transporter handelt es sich um eine Spezialmaschine. Dessen durchschnittliche jährliche Auslastung wurde daher nur mit 275 Einsatzstunden angesetzt, die des Aufbauladewagens mit 75 Einsatzstunden. Weitere 200 Betriebsstunden entfallen beim Transporter für andere Aufbaugeräte wie Ladepritsche, Kipper, Güllefass und Miststreuer.
Beim Lenktriebachsanhänger wird unterstellt, dass dieser mit einem Transporter vergleichbare jährliche Einsatzstunden erreicht. Der Lenktriebachsanhänger ist in den ÖKL-Richtwerten für Maschinenselbstkosten nicht enthalten (außer Forst) und wurde nach eigenem Ermessen in Anlehnung an die Schweizer Richtwerte (ART-Bericht 747) berechnet.
Wenn nun jemand denkt, dass er durch eine längere Maschinennutzungsdauer die schlechte Auslastung hinsichtlich der Gesamtkosten je Betriebsstunde kompensieren kann, der irrt. Im vorliegenden Beispiel wird bei 20-jähriger Nutzung die Einsatzstunde des 92-PS-Traktors nur um rund 1 Euro billiger.

Neben den Maschinenkosten sind auch eventuelle Kosten für die Reparatur der Grasnarbe zu berücksichtigen.
Neben den Maschinenkosten sind auch eventuelle Kosten für die Reparatur der Grasnarbe zu berücksichtigen.
Die Anschaffungskosten
Bei den in der Kalkulation angesetzten Neuwerten handelt es sich um die Listenpreise – ohne Mehrwertsteuer – der im Vergleichstest eingesetzten Maschinen.
Der Lindner Geotrac 84 mit einer Leistung von 92 PS hatte einige Sonderausstattungen:
• Breitreifen 540/65 R30 bzw. 420/65 R20
• Zwillingsreifen vorne 9,5 R24
• Zwillingsreifen hinten 270/95 R36
• Frontzapfwelle mit achsgeführte Fronthydraulik und Geräteentlastung

Die achsgeführte Fronthydraulik samt Frontzapfwelle ist für den Einsatz einer Lenktriebachsanhängers nicht erforderlich und wurde daher in der Kostenkalkulation nicht berücksichtigt. Weiters wurde angenommen, dass der Traktor mit Lenktriebachsanhänger jährlich 275 Stunden, genauso wie ein Transporter, genutzt wird. Für die restlichen 175 Betriebsstunden der insgesamt 450 jährlichen Einsatzstunden wird unterstellt, dass der Traktor mit sonstigen Arbeiten, wie etwa dem Winterdienst oder im Forstbereich verwendet wird.
Der Neuwert des Traktors wurde für die Kalkulation entsprechend der Firmenangabe mit 46.800 Euro angesetzt. Die Anschaffungskosten für die Zwillingsbereifung des Traktors für die Vorder- und Hinterachse in der Höhe von 4.300 Euro und der Einbau der Wegzapfwelle (4.900 Euro) wurden dem Lenktriebachsanhänger zugeordnet.
Beim Neuwert des Lenktriebachsanhängers sind die erforderlichen Anbauteile für den Traktor, der Aufpreis für die Bereifung 425/55x17, der erforderliche Satz Doppelräder 285/80 R16 und ein Satz Gasdruckzylinder für die Pick-up-Schere in Summe mit 33.900 Euro berücksichtigt. Der Aufbauladewagen Lüönd LD 23 SWP auf dem Schmid-Lenktriebachsanhänger kostet in serienmäßiger Ausführung 31.300 Euro. In Summe betragen die erforderlichen Investitionskosten für die Traktorvariante mit Lenktriebachsanhänger samt Aufbauladewagen 121.000 Euro exkl. MwSt.

Der Transporter Lindner 92 L kostet mit der empfohlenen Sonderausstattung bestehend aus Sicherheitssperre, zusätzlichen Steuergeräten, Bereifung 425/55 R17, Zwillingsbereifung und Allradlenkung rund 88.500 Euro. Für den serienmäßig ausgestatteten Aufbauladewagen Gruber ALW 220 sind weitere 23.500 Euro zu berappen. Die Investitionskosten für das Transportergespann liegen somit in Summe bei 112.000 Euro exkl. MwSt.

Die Investitionskosten ohne Aufbauladewagen bewegen sich bei beiden Systemen in der gleichen Größenordnung. Die Mehrkosten des Traktorgespanns stammen vom größeren und teureren Aufbauladewagen. Grundsätzlich könnte auch der Aufbauladewagen des Transporters auf dem Lenktriebachsanhänger montiert werden.

Weitere Einzelheiten über die Fixkosten, variablen Kosten und wie sich die Auslastung auf die Gesamtkosten auswirkt erfahren Sie in der Ausgabe 19/2012 unserer Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“.

Aktualisiert am: 18.09.2012 17:21
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