Leistungsgerechte Zuchtsauenfütterung

Geringe Gewichtsverluste in der Säugezeit und rauschefördernde Maßnahmen nach dem Absetzen garantieren große Würfe und fruchtbare, langlebige Sauen.
Eine optimale Kondition der Jungsauen bei der ersten Belegung beeinflusst ihre Fruchtbarkeit und Lebensdauer positiv. Darunter versteht man neben einem Mindestalter und Mindestgewicht auch eine entsprechende Rückenspeckdicke bei der Erstbesamung. Ein Alter von 230-250 Tagen bei einem Gewicht von 135-150 kg ist anzustreben. Für die Vorbereitung der Jungsauen auf die erste Besamung (2. Rausche nach der Transportrausche) sollte ein Futter mit geringem Eiweiß- und hohem Energiegehalt gewählt werden. In der Praxis haben sich in der Eingliederungsphase Mischungen aus Trage- und Säugefutter (im Verhältnis 1:1) gut bewährt. Die Eingliederungsphase in die Sauenherde mit Quarantäne, Akklimatisierung und vollem Kontakt zur Herde ist für einen optimalen Immunitätsaufbau, zur Konditionierung und zur Erzielung hoher Leistungen unerlässlich.

Ovulationsrate erhöhen

Besonders bei Jungsauen kann durch eine so genannte Flushing-Fütterung ca. 14 Tage vor dem Besamen die Ovulationsrate erhöht werden. Auch bei stark abgesäugten Sauen (z.B. Erstlingssauen) kann dadurch der Eintritt der Rausche beschleunigt und die Zahl der befruchtbaren Eizellen erhöht werden. Flushing erfolgt mit einer stärke- und zuckerreichen, dabei fettarmen hochenergetischen Diät. Zusätzlich sollte auf eine hohe Vitamin- und Wirkstoffversorgung geachtet werden.

Embryonale Fruchtverluste minimieren

Untersuchungen bei Jungsauen zeigen, dass eine verhaltene, auf den Bedarf ausgerichtete Energieversorgung in den ersten 10-14 Trächtigkeitstagen zu weniger embryonalen verlusten bzw. höheren Ferkelzahlen führt. Bei Altsauen muss dagegen nach einer kurzen, 5-tägigen Phase verhaltener Fütterung die optimale Zuchtkondition schnell wieder aufgebaut werden: ein Konditionsaufbau in dieser Phase beeinflusst die Trächtigkeitsrate und die Wurfgröße positiv, besonders unter den Bedingungen der Gruppenhaltung.

Fütterung in der Tragezeit

Leistungsgerechte Fütterung während der Tragezeit ist die Grundlage für eine problemlose Säugezeit. Ziel ist ein Konditionsaufbau bei abgesäugten Sauen und große und ausgeglichene Würfe. Konditionsfütterung sollte in der Praxis aber nicht mit übermäßiger Fütterung verwechselt werden. Die Sauen sollen „fit, aber nicht fett“ sein. Sowohl unter- als auch überkonditionierte Sauen müssen vermieden werden. Durch eine ausgewogene Rohfaserzusammensetzung und entsprechende Rohfasergehalte erreicht man eine gute Sättigung der Tiere und Ruhe im Stall, was sich positiv auf Ferkelzahlen, Aggressivität und Ausfälle durch Fundamentschwäche auswirkt.

Mineralstoffverluste ausgleichen

Sauen geben während der Säugezeit hohe Mengen an Calcium, Phosphor und Spurenelementen über die Milch ab. Während der Trächtigkeit müssen die Mineralstoffspeicher wieder gefüllt werden. Trotz reichlicher Mineral- und Wirkstoffversorgung können die hohen Mineralstoffverluste während der Tragezeit oft nicht kompensiert werden. Das Ergebnis: Wehenschwäche und Milchmangel in der Geburtsphase sowie Beinschwäche bei übermäßigem Abbau von Knochensubstanz.

Laktationsfütterung ist Fruchbarkeitsfütterung

Mit Hilfe der Rückenspeckmessung kann die Zuchtsauenfütterung kritisch überprüft werden
Mit Hilfe der Rückenspeckmessung kann die Zuchtsauenfütterung kritisch überprüft werden
Hohe Gewichtsverluste während der Säugezeit verlängern das Absetz-Rausche-Intervall und reduzieren die Ferkelzahlen im nächsten Wurf. Besonders Erstlingssauen sind davon betroffen, da diese noch einen erheblichen Nährstoffbedarf für das Wachstum und geringere Körperreserven haben. Erfahrungsgemäß sollten Sauen während der Säugezeit nicht mehr als 15 kg abnehmen. Um Milchleistungen von 10-12 kg zu erbringen benötigt eine Sau etwa 90 MJ ME, d. h. eine Futteraufnahme von mehr als 7 kg bei einem Energiegehalt von 13 MJ. Diese Mengen werden in der Praxis meist nicht aufgenommen, weshalb die Zuchtsau Körpersubstanz mobilisieren muss. Höhere Futteraufnahme bedeutet also, dass weniger Körpersubstanz mobilisiert wird und der Gewichtsverlust geringer ausfällt. (Quelle: www.garant.co.at; Autor DI Schneeberger)


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Aktualisiert am: 01.03.2010 14:59
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