Lebensmittelindustrie für einheitliche EU-Nährwert-Kennzeichnung

Das Europäische Parlament (EP) entscheidet über neue Anforderungen an die Kennzeichnung von Nahrungsmittel-Produkten. Die österreichischen Lebensmittel-Hersteller appellieren, einem objektiven Nährwert-System den Vorzug zu geben und sprechen sich gegen das Ampelsystem aus.
Über die Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln wird heftig debattiert.
Über die Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln wird heftig debattiert.
Bereits 80% aller verpackten Lebensmittel tragen schon heute eine umfassende Nährwert-Kennzeichnung. Die Tendenz ist weiter steigend. Darüber hinaus können die Verbraucher jederzeit weitere Nährwert- und Produkt-Informationen über die auf der Verpackung angegebenen Internetseiten oder über Telefon-Hotlines direkt bei den Herstellern abrufen.

Verpflichtende Nährwert-Kennzeichnung in vertrauter Form
Die österreichische Lebensmittelindustrie unterstützt daher das Vorhaben des Europäischen Parlaments, die Nährwerte von Lebensmitteln künftig verpflichtend auf dem Etikett zu deklarieren und auf diese Weise den Verbrauchern zusätzliche Informationen für ihre Kaufentscheidung an die Hand zu geben. Eine obligatorische Nährwert-Kennzeichnung sollte in der seit Jahren vertrauten Form, nämlich in einer Tabelle und in der gelernten Reihenfolge und Nährstoffauswahl ( "Big 8 "), anzubringen sein. Das bedeutet: Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe, Natrium auf der Rückseite der Verpackung sowie die Angaben der "Kalorien " bezogen auf den Richtwert der empfohlenen Tageszufuhr (GDA) auf der Hauptschauseite der Verpackung auf freiwilliger Basis. Die Lebensmittelindustrie engagiert sich für ein klares, wissenschaftlich nachvollziehbares System der Nährwert-Kennzeichnung auf Basis der Richtwerte für die empfohlene Tageszufuhr ( "Guideline Daily Amounts - GDA ").

Lebensmittelindustrie ist gegen die Lebensmittel-Ampel
"Eine Ampelkennzeichnung, wie sie im Vereinigten Königreich angewendet wird, ist irreführend. Denn eine Bewertung von Lebensmitteln mittels roter oder grüner Punkte als gute oder schlechte Produkte ist ernährungswissenschaftlich ein Unfug. Eine ausgewogene Ernährungsweise, die etwa 40 Nährstoffe benötigt, ist viel zu komplex, um sie auf die drei Farben zu reduzieren. Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung von EUFIC zeigen, dass die Ampel auf Produkten schlicht falsch verstanden wird. Drei Viertel der Verbraucher interpretieren Rot auf Lebensmitteln als Stoppsignal ( "am besten gar nicht mehr verzehren ") und auch gelb galt als deutliche Abwertung und damit negativ. Wenn sich Verbraucher danach richten, würde das zu einer einseitigen Ernährung führen. Vielmehr gilt: Alle Produkte haben im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung ihren Platz. Eine Ampelkennzeichnung bietet den Konsumenten keine praktische Hilfestellung, sich entsprechend ihren individuellen Ernährungsbedürfnissen ausgewogen zu ernähren. Allein die Tatsache, dass Bananen, Nüsse oder Olivenöl rot gekennzeichnet wären, macht deutlich, wie absurd die Ampelkennzeichnung ist. Es ist deshalb höchste Zeit, diese sinnlose Debatte zu beenden ", betonte der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. (AIZ)


Aktualisiert am: 15.06.2010 16:44
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