Lebensmittel fallen nicht vom Himmel

„Einseitig und falsch ist die Debatte um die gestiegenen Lebensmittelpreise. Der Wert der heimischen Lebensmittel als ‚Mittel zum Leben’ muss viel stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken“, sagt Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Hans Resch. Bei der Woche der Landwirtschaft vom 28. April bis 3. Mai stehen Wert und Qualität heimischer Lebensmittel im Mittelpunkt.
Vizepräsident Johann Resch und Kammerdirektor Winfried Eberl auf dem Bauernmarkt.
Vizepräsident Johann Resch und Kammerdirektor Winfried Eberl auf dem Bauernmarkt.
Aktuelle Berechnungen zeigen: Lebensmittel sind im Langzeit-Vergleich günstiger. „Weil die Lebensmittelpreise im Jahresabstand stark angezogen haben, werden Lebensmittel als besonders teuer wahrgenommen, obwohl sie objektiv betrachtet im Langzeit-Vergleich preiswerter geworden sind“, betont der Direktor der Landwirtschaftskammer, Winfried Eberl. Das zeigen aktuelle indexbereinigte Berechnungen der Landwirtschaftskammer Steiermark: Heute bekommt man im Vergleich zu 1986 für dasselbe Geld um 54 Prozent mehr Schweinefleisch, um 50 Prozent mehr Milch oder um 100 Prozent mehr Mehl.

Eberl konkret: „Während die Verbraucher für 17 Euro im März 2008 – trotz stark gestiegener Getreidepreise – zwei Kilo Schnitzerlfleisch kaufen können, waren es 1986 gerade 1,3 Kilo. Ähnlich die Ergebnisse auch bei anderen Grundnahrungsmitteln: Statt damals zwölf Liter Vollmilch bekommt man heute 18. Besonders günstig ist Mehl geworden: Für das gleiche Geld bekommt man heute die doppelte Menge“. Das beweist auch, dass im Durchschnitt nur mehr 13 Prozent vom Haushaltsbudget für Essen und Trinken ausgegeben wird, 1970 waren es noch 32 Prozent, 1980 immerhin noch 27 Prozent.



Solidarität mit den Bauern
Laut einer AMA-Umfrage bejahen 75 Prozent der Bevölkerung Preiserhöhungen dann, nur wenn die Bauern auch davon profitieren. „Das ist ein klares Signal der Solidarität mit den Bauern“, betont Eberl ferner.

Bauern sind nicht Preistreiber
„Die Bauern sind nicht Schuld an den teurer gewordenen Lebensmitteln, sondern die stark gestiegenen Energie-, Transport- und Lohnkosten“, stellt Vizepräsident Resch ferner klar, „Die gestiegenen Preise für agrarische Rohstoffe wirken sich nur minimal auf den Endverbraucher-Preis aus, weil der Rohstoff-Anteil am Endprodukt sehr gering ist. Bei einer Semmel beträgt der Weizenanteil drei Prozent und macht 0,9 Cent aus. „Da die mehrstufigen Verarbeitungs- und Vermarktungsschritte äußerst Energie- und Arbeits-aufwändig sind, wirken sich die gestiegenen Rohstoffpreise nur wenig, die hohen Energiepreise jedoch überdeutlich auf den Verbraucherpreis aus“, betont Resch. Stärkster Preistreiber ist die Ausgabengruppe Wohnen, Wasser und Energie. Sie ist für 40 Prozent der Gesamtinflation verantwortlich, während Lebensmittel für ein Fünftel zuständig sind. Seit 1987 sind „Wohnen, Wasser und Energie“ um 87 Prozent teurer geworden, Lebensmittel um nur 38 Prozent und die Löhne sind um 71 Prozent gestiegen.

Weiterentwicklung der Betriebe bedroht
„Die heimischen Bauern sehen die Lebens- und Futtermittelproduktion als primäre Aufgabe. Die dann noch übrigen Flächen können zur Bioenergieproduktion verwendet werden“, betont Resch und macht sich aber große Sorgen, dass hierzulande eine qualitätsvolle und leistungsfähige Nahrungsmittelproduktion aufrecht erhalten werden kann. Resch weiter: „Die momentan auf den Tisch liegenden Vorschläge zum Raumordnungs- und Baugesetz oder die Natura 2000 hemmen eine erfolgreiche Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit der Höfe“.

Mehr über die Woche der Landwirtschaft finden Sie auf der Homepage der Landwirtschaftskammer


Aktualisiert am: 30.04.2008 11:58

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