Lebensmittel-Preiserhöhung nicht von Bauern gemacht

Angesichts der heftigen Diskussionen der vergangenen Monate, in denen die Bauern immer wieder als eigentliche Verursacher der stetig steigenden Lebensmittelpreise genannt wurden, möchte der Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, Ing. Franz Windisch, nun einige Vorwürfe klarstellen und dies auch mit Zahlen unterlegen.
„Ich muss sagen: Leider haben wir mit unseren Argumenten recht behalten, auch wenn das manche Menschen nicht gerne hören werden. Denn es hat sich gezeigt, dass manche Lebensmittelpreise überhaupt nicht mit den bäuerlichen Rohstoffpreisen korrelieren, etwa bei Brot und Gebäck, wo der Wertschöpfungsanteil für den Getreidebauern gerade einmal knapp 2% beträgt.“

Weizenpreise im Keller, Brot aber weiterhin teuer
„Die Weizenpreise sind seit Jahresbeginn um fast 40% gesunken und die Tendenz zeigt immer noch weiter nach unten. Gleichzeitig gibt es erstmals seit fünf Jahren weltweit steigende Lagervorräte. Die Gründe für diesen Getreideüberschuss sind vielfältig, sie liegen zum einen im guten Witterungsverlauf dieses Jahres, zum anderen haben der EU-weite Wegfall der Stilllegungsverpflichtung und die Preisanreize des Vorjahres dazu geführt, dass mehr Ackerflächen in Bewirtschaftung genommen wurden. Für die Getreidebauern ist die Lage also aussichtslos. Sie erhalten weit weniger Geld für ihr Brotgetreide, im Gegenzug bleiben Brot und Gebäck aber für die Konsumenten weiterhin teuer. Wir könnten das Brotgetreide sogar verschenken, am Konsumentenpreis würde sich dadurch nichts ändern“, so Windisch. „Das geht so weit, dass der Getreidebauer sich mit einer Tonne Mais derzeit nur eine Facharbeiterstunde eines Landmaschinenmonteurs zukaufen kann.“

Ethanolgetreide macht marginalen Teil der Gesamtgetreidemenge aus
Aufräumen möchte der LK-Präsident auch mit den immer wiederkehrenden Unterstellungen, die Beimischungsverpflichtung wirke sich verteuernd auf die Konsumentenpreise für Lebensmittel aus. „Die für die Biospriterzeugung benötigten Getreidemengen machen in Europa gerade einmal 3% aus. Das ist nur ein Bruchteil der witterungsbedingten Ertragsschwankungen. So gab es in Österreich im Wirtschaftsjahr 2007/2008 insgesamt 4,3 Mio. Tonnen Getreide (inkl. Mais). Davon wurden nur minimale 1,4% (das sind 60.000 Tonnen) zur Bioethanolerzeugung verwendet. Im Vergleich dazu lag die witterungsbedingte Ertragssteigerung gegenüber dem Vorjahr bei zusätzlichen 300.000 Tonnen.“

„Angesichts derartiger Fakten ist es hoffentlich auch für jeden Laien einsichtig, dass unsere bäuerlichen Familien ohne die EU- und die nationalen Stützungsgelder im Hinblick auf die Größenstrukturen der Agrarbetriebe in anderen Staaten nicht mithalten können“, setzt Windisch seine Hoffnung in das Verständnis der nicht-agrarischen Bevölkerung.


Aktualisiert am: 11.12.2008 10:31
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