Lebensleistungs- und Fitnesszucht am Bio-Hof

Die Zuchtstrategie beeinflusst nicht nur die Leistung, sondern auch die Tiergesundheit, Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer. Sie hat darüber hinaus Auswirkungen auf das Betriebsmanagement, die Wirtschaftlichkeit und die Ökologie. Das Schwerpunktthema zeigt die Möglichkeiten es für Bio-Betriebe in der Zucht gibt, um die Fitness der Kühe zu verbessern bzw. abzusichern.
Welche Kuh passt auf den Betrieb? In den letzten 10 Jahren wurden die Kühe nicht nur leistungsstärker, sondern auch um durchschnittliche 3 cm größer.
Welche Kuh passt auf den Betrieb? In den letzten 10 Jahren wurden die Kühe nicht nur leistungsstärker, sondern auch um durchschnittliche 3 cm größer.
In der Milchviehhaltung steigt auch in Österreich die Milchleistung jährlich an. Dieser Effekt ist sowohl auf sich ändernde Umweltbedingungen (Fütterung, Haltung etc.) als auch auf die Zucht zurückzuführen. Der rein genetisch bedingte jährliche Anstieg der Milchleistung beträgt in den Kontrollbetrieben Österreichs im Durchschnitt aller Rassen etwa 90 kg. Trotz des beachtlichen Leistungsanstiegs nahm in den letzten 15 Jahren die Lebensleistung der Kühe aber nur geringfügig zu bzw. ging die Nutzungsdauer auf etwa 3,5 Jahre sogar leicht zurück. Zu den häufigsten Abgangsursachen zählen mangelnde Fruchtbarkeit, Eutererkrankungen, Alter und geringe Leistungen.
In der Milchviehzucht, insbesondere für Biobetriebe, kommt es nicht auf Maximierung des Milchzuchtwertes an, es gilt vielmehr im Bereich der Fitness, Fruchtbarkeit, Eutergesundheit und damit Lebensleistung Verbesserungen zu erreichen.

Darauf müssen Bio-Milchviehhalter setzen
· Eine einseitige Milchleistungssteigerung ist in der Zucht auf Grund der oben angeführten Gründe für Biobetriebe nicht anzustreben.
· Leistungsgrenzen sind im Sinne einer nachhaltigen Bio-Milchviehhaltung zu akzeptieren.
· Eine wirtschaftliche Bio-Milchviehhaltung muss niedrige Bestandesergänzungskosten und damit eine lange Nutzungsdauer bei entsprechend guten Lebensleistungen anstreben.
· Eine hohe Stoffwechselstabilität, gute Fruchtbarkeitsergebnisse, flache Laktationskurven und gesunde Euter sind notwendig.
· Eine ausgewogene Körper- und Leistungsentwicklung sind im Gegensatz zu „Sprinterkühen“ bzw. frühreifen Typen anzustreben. Die Verbesserung der Fitness wirkt jedenfalls kostensenkend und erhöht auch die Lebensmittelqualität.

Wesentlich stärker als im konventionell wirtschaftenden Betrieb muss im Biobetrieb die erbliche Veranlagung auf die natürlichen betriebsspezifischen Standortbedingungen abgestimmt werden. So sind beispielsweise sehr schwere Kühe vor allem für das Berggebiet und auch für die Weidehaltung nicht optimal. Zudem verschlechtert sich bei schweren Kühen die Futterumwandlungseffizienz.

Bestehende Möglichkeiten verstärkt nutzen!
In den folgenden Abschnitten werden Ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, wie Sie auf Ihrem Betrieb in der Praxis die Weichen in Richtung verbesserter Lebensleistung, Fitness und gesunder Milchkühe stellen können. Dazu müssen auf keine neuen Bestimmungen, Methoden und Hilfsmittel gewartet werden. Die vorhandene Daten und das Wissen müssen lediglich konsequent in der Züchterpraxis am Hof umgesetzt werden.

Stierempfehlungen
In dem zweiteiligen Schwerpunktthema (Teil 2 folgt in Heft 6/2008) finden Sie Stierempfehlungen zum Einsatz auf Biohöfen (Stand November 2007). Darüber hinaus können Sie direkt auf der Homepage der ZAR und ZuchtData Stiere auf Grund ihrer Zuchtwerte selektieren ( www.zar.at; www.zuchtdata.at). Sie können aber auch Informationen dazu von Ihrem Zuchtverband, Ihrer Besamungsanstalt, Rassengemeinschaften bzw. der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Lebensleistungszüchter (AöLZ) einholen.

Auf www.raumberg-gumpenstein.at finden Sie im Institut für Biologische Landwirtschaft und Biodiversität der Nutztiere unter Bio-Milchviehzucht regelmäßig zusammengefasste aktualisierte Bio-Stier-Empfehlungen sowie weitere Informationen zur Bio-Milchviehzucht vor. Nutzen Sie dieses Service des Bio-Instituts – drucken Sie die aktuellen Stierempfehlungen aus und setzen Sie auf Fitness und Lebensleistungszucht!

Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER, Bio-Institut HBLFA Raumberg-Gumpenstein; Dr. Christian FÜRST, ZuchtData EDV-Dienstleistungen GmbH; ZuchtData EDV-Dienstleistungen GmbH, Dresdner Straße 89/19, 1200 Wien; O.Univ.Prof. i.R. DI Dr. Alfred HAIGER, Universität für Bodenkultur.




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Aktualisiert am: 21.02.2008 14:51

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