Landwirtschaft und Lebensmittelhandel: Ein Rewe-Manager im Interview

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Der Landwirtschaft fehle es an Visionen, behauptet Alfred Propst. Der Rewe-Manager wünscht sich von den Bauernvertretern mehr Weitblick. Es sei einfach, dem Handel die Schuld an der Preiskrise zu geben. Dies lenke nämlich von eigenen Fehlern ab. Ein Interview von Roman Goldberger und Hans Meister.
  Alfred Propst ist für den Einkauf der Frischeprodukte bei allen Rewe-Handelsfirmen verantwortlich. (Foto: Martin Hörmandinger)
Alfred Propst ist für den Einkauf der Frischeprodukte bei allen Rewe-Handelsfirmen verantwortlich. (Foto: Martin Hörmandinger)
LANDWIRT: Herr Propst, Bauernvertreter geben regelmäßig dem Lebensmittelhandel eine Mitschuld für die niedrigen Erzeugerpreise. Fühlen Sie sich schuldig?

Alfred Propst: Ich kenne diese Anschuldigungen natürlich. Dem Lebensmittelhandel die Schuld zuzuweisen, ist einfach und sehr werbewirksam. Es ist aber letztlich nur der Versuch der landwirtschaftlichen Interessensvertreter, von etwas abzulenken, was sie in der Vergangenheit nicht richtig gesteuert haben.

Wovon?

Wer führt die Landwirtschaft? Wo sind die Vordenker und Interessensvertreter, die die Visionen vorgeben?

Glauben Sie, dass es diese Visionen nicht gibt?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die Hälfte der in Österreich erzeugten Milch geht in den Export. Wir exportieren auch in Länder mit hoher Milchproduktion und Milchpreisen von 25 bis 27 Cent. Unsere Molkereien müssen sich diesem Preisgefüge stellen, wenn sie dorthin exportieren wollen. Das wirkt sich darauf aus, was der Landwirt für seine Milch bekommt.

Bleibt immer noch die zweite Hälfte der Milchproduktion, für die auch der Handel verantwortlich ist.

Ja, aber nicht alleine. Ein Großteil geht in die Gastronomie, in Großküchen und in die Industrie. Für ein Drittel ist dann der Lebensmittelhandel verantwortlich. Ich habe aber noch nie gehört, dass der hohe Exportanteil schuld am schlechten Milchpreis sei. Warum? Weil es einfacher ist, dem Handel die Schuld zuzuschieben.

Sie könnten ja den Beweis antreten und den Milchpreis erhöhen.

Dann dauert es keine zwei Tage und die Arbeiterkammer steht vor der Tür. Wir müssen uns schon bewusst machen, dass es die Aufgabe des Lebensmittelhandels ist, den Marktpreis an den Konsumenten weiterzugeben. Das machen wir auch, wenn wir Milch um höhere Preise einkaufen müssen. Milch ist kein Lockartikel, wir machen keine Aktionen mit Frischmilch.

Was muss sonst passieren?

Die Landwirtschaft und ihre Interessensvertreter müssen sich fragen, warum sie sich in diese Überproduktionssituation gebracht haben. Aber davon höre ich nichts. Verantwortliche der Landwirtschaft haben sich mit dem Fall der Milchquote ganz klar für einen freien Markt ausgesprochen. Für einen Markt, in dem jener die Vormachtstellung hat, der am günstigsten produziert. Die Verantwortlichen, die heute den Handel kritisieren, müssen sich fragen, was sie da eingeleitet haben. Daraus kann man durchaus lernen und die richtigen Schlüsse ziehen.

Die da wären?

Wie in jedem anderen Unternehmen müssen auch in der Landwirtschaft Produktion und Vermarktung besser koordiniert werden. Sie können ja auch nicht Unmengen an Fahrrädern produzieren, wenn die kein Mensch braucht. Was passiert dann? Dann rasselt der Preis in den Keller.

Sie sprechen also von einer Mengenbeschränkung?

Ja. Im Gegensatz zu Deutschland und vielen anderen Ländern setzt der Lebensmittelhandel in Österreich auf 100 % österreichische Frischmilch. Der Großteil der Milchprodukte – mit Ausnahme einiger Käsesorten – ist aus österreichischer Milch. Bei Frischfleisch ist es nicht anders. Wenn nun in Österreich die Mengen gesteuert würden, könnten wir etwas unabhängiger von den Weltmarktpreisen werden, weil zumindest der Lebensmittelhandel auf österreichische Produkte setzt.

Sie kritisieren, dass es in der Landwirtschaft an Visionen fehle. Haben Sie Visionen?

Wir haben die Bio-Marke Ja!Natürlich bereits 1993 eingeführt. Das hat der Landwirtschaft Wertschöpfung gebracht und war der Keim für den Bio-Boom in ganz Europa. Ein zweites Beispiel ist die Heumilch, die wir im Jahr 2011 gestartet haben. Sie werden zuvor nie etwas von Heumilch gehört haben. Nie! Wir haben die Marke stark gemacht.

Auszug – das ganze Interview finden Sie in der LANDWIRT Ausgabe 10/2016

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Aktualisiert am: 09.05.2016 13:38
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