Landestage der Milchviehhaltung

Rund 220 Milchbäuerinnen und Milchbauern folgten der Einladung der Landwirtschaftskammer zum Landestag der Milchviehhaltung in Linz und Ried im Innkreis.
Rund 220 Milchbäuerinnen und Milchbauern kamen zum Landestag der Milchviehhaltung in Linz und Ried im Innkreis.
Rund 220 Milchbäuerinnen und Milchbauern kamen zum Landestag der Milchviehhaltung in Linz und Ried im Innkreis.
Der deutsche Milchmarkt-Experte Erhard Richarts vom ife – Informations- und Forschungzentrum für Ernährungwirtschaft in Kiel beschrieb die Situation der Milchwirtschaft bei den Landestagen für Milchviehhaltung folgendermaßen: „Als Folge der Reformbeschlüsse von 1999 bis 2008 ist der Milchmarkt in Europa heftigen Preisschwankungen unterworfen. Zunächst sind die Preise von 2003 bis in die erste Hälfte von 2008 zunächst nicht dem von der Politik vorgegebenen ,Kurs‘ gefolgt, sondern haben sich zu bis dahin nie erlebten Höhen aufgeschwungen, um danach um so heftiger bis auf das reformbedingt tiefer gelegte Sicherheitsnetz der EU abzustürzen. Hohe Preise haben die Nachfrage innerhalb und außerhalb der EU gedämpft, und die Wirtschaftskrise hat den Export nach Drittländern zusätzlich schrumpfen lassen. Nur mühsam und nur durch umfangreiche Stützungsmaßnahmen der EU konnten die Preise am Sicherheitsnetz der EU stabilisiert werden.“ Seit Mitte 2009 zeigen sich laut Richarts Anzeichen einer
Wende:
- Die Milchmengen wachsen nicht mehr weiter
- Die Binnennachfrage in der EU stabilisiert sich
- Die Nachfrage für den Export nach Drittländern hat sich belebt
„Sofern diese Tendenzen anhalten, ist 2010 mit einer deutlich verbesserten Marktlage zu rechnen“, erläuterte Richarts.

Lieferverträge gewinnen an Bedeutung
Mit dem Ende der EU-Milchquotenregelung Ende März 2015 tritt hinsichtlich der Milchliefermengen eine völlig neue Situation ein. Damit gewinnen längerfristige Lieferverträge zwischen Milchbauern und Molkereiunternehmen massiv an Bedeutung. Für die Milchbauern geht es dabei um stabile Milcherzeugerpreise sowie die Abnahmesicherheit. Märkte sind vom Einzelbetrieb schwer bis kaum beeinflussbar. Der unternehmerische Erfolg liegt daher bei jedem Milcherzeuger selber. Franz Tiefenthaller beleuchtete den großen Kostenblock der Fütterung. Er kam zum Schluss, dass Tiere abseits der Kosten für Grund und Kraftfutter zu jeder Zeit bedarfsgerecht und leistungsangepasst gefüttert werden müssen. Ein verringern von Kraftfutter bei hohen Faktorpreisen schlägt sich langfristig in einer verminderten Tiergesundheit und entsprechend schlechteren Leistung nieder. Diese Defizite können nicht mehr eingeholt werden und verursachen langfristig einen Erlösentgang. Der Themenbereich der Kälbergeburt stellte Dr. Franz Kritzinger anhand eines Vortrages und Filmes sehr anschaulich dar. Die Kälbergeburt hat ruhig abzulaufen. Oft wird zu schnell eine schlechte Geburtshilfe geleistet. Bei wirklichen Schwergeburten kann der richtige Einsatz eines passenden Geburtenhelfers sowohl die Kuh als auch das Kalb unterstützen. Wichtig ist neben einer Reihe von Dingen vor allem auch die rasche Versorgung des Neugeborenen mit Biestmilch und die Wasserversorgung des Muttertieres.

Einzelbetriebliche Strategien
Welche einzelbetrieblichen Ansatzpunkte und Strategien es für den Milcherzeuger gibt, welche Fragen sich ein Betrieb jetzt stellen muss und worüber man nachdenken sollte brachte DI Siegfried Stockinger in vier Kernsätzen auf den Punkt:
- Märkte sind anzunehmen und mit vorausschauender Liquiditätsplanung zu beherrschen. Die Kunst erfolgreicher Unternehmer besteht nicht darin, bei Spitzenpreisen Gewinn zu machen, sondern in Tiefpreisphasen liquide genug zu bleiben, um das Unternehmen erfolgreich aus der Krise zu führen.
- Der Wettbewerb wird nicht auf der Preisseite, sondern auf der Kostenseite entschieden - Technik bestimmt Bestandsgrößen: Nur wer in der Lage ist, den jeweiligen Stand der Produktions- und Prozesstechnik umzusetzen, wird nachhaltig konkurrenzfähig sein.
- Nur wer in der Lage ist, die Kostenvorteile des technischen Fortschnitts zu nutzen, wird auch in der Lage sein, die damit verbundenen Preiskürzungen zu verkraften.
(DI Michael Wöckinger)


Aktualisiert am: 13.12.2009 13:49
Landwirt.com Händler Landwirt.com User