Landestag der Milchviehhaltung in Wels

Der Landestag der Milchviehhaltung in Wels thematisierte Trends auf dem Milchmarkt und die Zeit nach Auslaufen der Quotenregelung sowie mögliche zukünftige Entwicklungen.
DI Michael Wöckinger (rechts) hatte für den Vormittagsblock Dr. Martin Schönhart (links) und Prof. Holger Thiele (Mitte) als Referenten beim Landestag der Milchviehhaltung in Wels eingeladen.
DI Michael Wöckinger (rechts) hatte für den Vormittagsblock Dr. Martin Schönhart (links) und Prof. Holger Thiele (Mitte) als Referenten beim Landestag der Milchviehhaltung in Wels eingeladen.
Etwa 170 Milchbauern folgten der Einladung, um sich zu informieren und die Möglichkeit zu nutzen, mit Vertretern aus Politik, Interessenvertretung, Verarbeitung und Wissenschaft zu diskutieren. Dr. Martin Schönhart von der Universität für Bodenkultur stellte die Ergebnisse einer Studie dar, in der die Meinung von Milchbauern und auch Molkereien über die Zeit nach dem Auslaufen der Milchquotenregelung mit 31. März 2015 abgefragt wurde. Wesentliche Punkte waren dabei Fragen zur künftigen Gestaltung von Lieferverträgen und zum künftigen Produktionsumfang. Studien-Fazit: Es gibt keine einhellige Meinung über eine allfällige künftige Organisation eines Mengenmanagements des österreichischen Milchmarktes, weder unter den Milchbauern, noch unter den Molkereien, und damit auch nicht von Produzenten und Molkereien gemeinsam.

Interventionsbestände fast abgebaut

In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass es kein Nachfolgesystem oder eine Verlängerung der Quotenregelung geben wird. Prof. Holger Thiele vom Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft in Kiel stellte die Lage am Milchmarkt sowohl in der EU als auch weltweit umfassend dar. Von der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegenen Milchmenge in der EU muss zunehmend mehr am Weltmarkt abgesetzt werden. Daher bestimmt bereits jetzt das Weltmarktpreisniveau wesentlich die Preisentwicklung in der EU. Der Interventionspreis als Sicherheitsnetz liegt deutlich unter dem Marktpreis und wird nur in Zeiten von Marktkrisen relevant. Die Interventionsbestände an Butter und Magermilchpulver sind aktuell nahezu abgebaut, wodurch auch kein Druck auf den Markt besteht. Die Vernetzung mit dem Weltmarkt macht längerfristige Prognosen schwierig. Letztendlich bildet sich der Preis aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, wobei dieses in den letzten zwei Jahren als durchaus gut eingestuft werden kann. Trotz höherer Anlieferungsmengen sind dadurch auch die Preise angestiegen.

Weniger Regelungen – mehr Markt

Berglandmilch-Generaldirektor DI Josef Braunshofer wies darauf hin, dass steigende Milchmengen vor allem auf Drittlandsmärkten außerhalb der EU abgesetzt werden müssen und somit die dortige Nachfragesituation eine sehr große Rolle spielt. Auf die Frage, was nach 2015 kommt, meinte er, dass es weniger Modelle und Regelungen geben wird als bisher und mehr Markt. Die Preise werden einen wichtigen Einfluss auf die Mengensteuerung haben. Auf die Wichtigkeit von einzelbetrieblichen, unternehmerischen Entscheidungen wiesen sowohl LK OÖ-Präsident ÖR Hannes Herndl als auch Landesrat Max Hiegelsberger hin. Sie betonten, sich massiv für vernünftige politische Rahmenbedingungen für die Milcherzeuger einzusetzen. Das betrifft neben der Unterstützung durch Land und Bund besonders auch die Ausgestaltung der GAP 2014 bis 2020, die von den Landwirten in der Diskussion angesprochen wurde (Wöckinger).


Aktualisiert am: 07.12.2011 07:32
Landwirt.com Händler Landwirt.com User