Lammverrmarktung: „Wir sind etablierte Exoten“

Die Geschichte begann mit einer anfänglichen Schwärmerei, fand bei Leasingschafen ihren Lauf und beim Lammfleisch im Abo noch lange kein Ende. Christine und Klaus Grausgruber erzählen von Mut, Erfindergeist und warum sie gerne ein Patent auf ihre Ideen hätten.
Karl und Regina Grausgruber setzen auf neue Ideen in Sachen Lammfleischvermarktung.
Karl und Regina Grausgruber setzen auf neue Ideen in Sachen Lammfleischvermarktung.
Der Tag geht zur Neige. Aus dem Schafstall ist nur vereinzelt ein „Mäh“ zu hören. Zwischen den 100 Mutterschafen tummeln sich unzählige Lämmer, genüsslich naschen sie am Futter. Schaf müsste man sein. Wäre da nicht gleich nebenan der Schlachtraum.

Von zwei auf 100 in 21 Jahren
„Ja, denen geht’s gut“, bestätigt der Besitzer Klaus Grausgruber. Die Tiere beachten ihn kaum, lassen sich vom Fressen nicht abhalten. Der Landwirt kaufte sich vor 21 Jahren zwei Schafe. Einfach um zu probieren, wie er sagt. Aus den zwei Tieren wurden bald mehr. Den Vorteil sah der Landwirt in der flexiblen Zeiteinteilung. „Ein Schaf ist keine Milchkuh, die jeden Tag zur selben Zeit gemolken werden möchte. Mit Schafen bin ich unabhängig“, sagt er. Mit dem wachsenden Tierbestand machte sich Familie Grausgruber Gedanken über die Vermarktung. Ihnen kam die Idee eines Leasingschafs. „Wir vermieten das Schaf als Rasenmäher und nehmen es im Herbst wieder zurück“, erklärt der Oberösterreicher. Durch die gesicherte Rücknahme fand seine Idee guten Absatz. Aber auch die Fleischvermarktung entwickelte sich.

Arbeitsplatz schaffen
Sobald man über den eigenen Schatten gesprungen ist, und kein Problem mit Schafen hat, steht einer Entwicklung nichts mehr im Wege. „Das Schaf ist kein anerkanntes Tier in der Landwirtschaft, damit muss man sich abfinden“, so der Landwirt. Mittlerweile hält die Familie 100 Muttertiere. Dass sich der Verkauf sehr gut entwickelt hat, erklärt sich der Landwirt mit seinen Qualitätsstandards: „Wir können nur sehr gute Qualität verkaufen.“ 1994 hat die Familie in einen Schlachtraum investiert, 2009 erhielten sie dafür die EU-Zulassung. Ein wichtiger, aber auch kostenintensiver Schritt. Doch damit ist ein Arbeitsplatz am Hof gesichert. Regina Grausgruber arbeitet voll im eigenen Betrieb, ihr Mann Klaus beschäftigt sich mit Patenten in der Automatisierungstechnik.

Die Faulheit der anderen
Rund 80 verschiedene Köstlichkeiten bietet Familie Grausgruber in ihrem Hofladen an. Spezielles Service sind die fix fertig marinierten Grillfleischstücke. „Damit können sich die Männer ganz dem Grillen widmen und die Frauen müssen nur noch die Saucen zubereiten und wegräumen“, sagt der Landwirt. Den Einspruch seiner Frau ignoriert er dabei. „Der Konsument von heute will nicht mehr lange am Herd stehen. Der möchte so wenig Arbeit wie möglich mit dem Fleisch haben“, erklärt er.
Für die heurige Sommersaison haben sich die Oberösterreicher etwas Neues ausgedacht. Wenig Arbeit, gutes Essen, wetterunabhängige Zubereitung und trotzdem ein Erlebnis, so beschreibt der Vermarkter seine Idee. Genaue Details möchte er jedoch noch nicht verraten. Manchmal muss man den Mut zu etwas Neuem haben und das Risiko eingehen. Denn dann wird mit der Zeit aus einem verrückten Exoten ein etablierter Exote.

Autorin: Angelika KONRAD, St. Peter Freienstein


Aktualisiert am: 08.03.2010 13:45
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